Projekt Iron(wo)man. Recap Woche 84: 7 Tage Yoga und was ich dabei gelernt habe

7 Tage Yoga am Stück. Hätte mir das jemand vor zwei Wochen gesagt, dann hätte ich ungläubig den Kopf geschüttelt. Aber meine Strategie für Neues ist eben: maximale Exposition, sich richtig hineinfuchsen, immersiv hineinrutschen und am Ende dann vollkommen begeistert bei der Sache bleiben. Okay, die 21 Tage ClassPass-Probemitgliedschaft und 45 kostenlose Credits haben es mir auch leicht gemacht, in die Welt des Yoga hineinzuschnuppern. Und natürlich habe ich nach 7 Tagen Yoga auch jede Menge darüber zu berichten.

Das Wetter war uns in München vergangene Woche wieder etwas freundlicher gesonnen – zumindest war es nicht ganz so arschkalt, sondern maximal zapfig, ansonsten einfach nur standardmäßig kalt – und die Sonne gab es zwischendurch auch zu sehen. Herrlich. Ich zähle trotzdem die Tage bis zum Frühlingsanfang. Wobei: Eigentlich zähle ich die Tage bis zum Ironman Frankfurt 2020, meinem großen Saisonhighlight in der dann dritten Triathlonsaison, die ich schwimmend, radfahrend und laufend im Münchner Umland durch die Gegend gurke. Manchmal auch Indoor, manchmal auch im Ausland, aber immer mit sehr viel Begeisterung und Trainingseifer. So ein Ironman absolviert sich ja nicht von alleine. Und immer wieder sonntags schreibe ich dann hier mehr oder weniger ausführlich darüber, was mehr oder weniger gut in der vergangenen Trainingswoche gelaufen ist. Mehr dazu hier: Woche 83, Woche 82Woche 81Woche 80Woche 79Woche 78Woche 77Woche 76Woche 75Woche 74Woche 73Woche 72Woche 71Woche 70Woche 69Woche 68Woche 67Woche 66Woche 65Woche 64Woche 63Woche 62Woche 61Woche 60Woche 59Woche 58Woche 57Woche 56Woche 55Woche 54Woche 53Woche 52 bis Woche 1 und Tag 1, und hier geht es per Zufallsklick zu einem beliebigen Beitrag.

Natürlich freue ich mich über Unterstützung bei der Umsetzung meines definitiv langfristig angelegten Langdistanz-Triathlon-Vorhabens – das heißt, dass es nach dem Ironman Frankfurt 2020 auf jeden Fall noch weitergehen soll, beispielsweise 2021 mit dem Challenge Roth. Ein Klick auf das obige Bild führt zu meiner PayPal.me-Seite mit der Möglichkeit, mich einmalig flugs zu sponsern. Wer Lust hat, kann meinen Lagerbestand auf eBay reduzierenmir mit Material von meiner Amazon-Wunschliste aushelfen, mit mir auf Kleiderkreisel tauschen (Link auf Anfrage) die Werbeanzeigen auf meiner Website anklicken, mich als Freiberuflerin anheuern (Redaktion, Lektorat, Übersetzung und so manches mehr), meine Fragen auf Quora anklicken und beantwortenmeine Projekt Iron(wo)man Facebook-Seite liken – und gerne auch die von Triathlon Rennberichte. Auf Wunsch namentliche Erwähnung (oder nicht). Besten Dank!

Warum eigentlich Yoga?

Mein großartiger Coach hatte zu Beginn unserer Zusammenarbeit ein paarmal „Yoga“ in den Trainingsplan eingestreut und ich habe damals natürlich jedes Mal stattdessen CrossFit oder ähnliche Krafttrainings gemacht, bis „Yoga“ dann irgendwann aus dem Repertoire verschwunden war und mit „Strength & Mobility“ oder „Stretching“ ersetzt wurde. Da ich permanent unter Strom stehe, haben mir natürlich auch schon drölfzig Leute gesagt, ich solle unbedingt mit Meditation / Qi Gong / Yoga / Progressiver Muskelentspannung / hastenichtgesehen anfangen und ich bin stattdessen natürlich vor allem 2018 einfach noch mehr Rad gefahren, denn: Miles are my meditation und das Prinzip der maximalen Exposition galt natürlich auch damals schon. Fast forward bis Ende 2019: Da erzählte mir doch vor Kurzem ein ähnlich wie ich tickender Mensch, der ebenfalls sehr intensive Sportarten betreibt, er hätte im Trainingslager auch Yoga gemacht. Ich war baff und blickte ihn verwundert an. Daraufhin meinte er: „Yoga ist eine Möglichkeit, Deinem Körper zu sagen, dass alles okay ist.“

Und am 2.12. gab es auch den ersten zaghaften Schnee. Argh.

Und dieser Satz hat sich in meinem Gehirn festgebissen. Nachdem ja sowohl Sport als auch Job Stress für Körper und Geist bedeuten, braucht es (neben dem erholsamen Schlaf, der mir nur selten vergönnt ist) einen Ausgleich, um runterzukommen. Daraufhin habe ich beschlossen, meine alljährliche Dezemberchallenge (Neujahrsvorsätze einen Monat früher, um einen Headstart fürs neue Jahr zu haben) rund um Yoga auszurichten, sprich: So viel Yoga in den Monat packen wie (finanziell und körperlich) möglich. Und somit bestand die vergangene Woche aus meinem normalen Training und on top dazu gab es noch ein bisschen Yoga. Ein kleines bisschen. 10,5 Stunden.

Auf geht’s!

Tag 1: Vinyasa Flow bei Fitness & Yoga am Isartor

Okay, zuerst kam das normale Training. Auf dem Plan stand für Montag ungefähr eine Stunde Zwift mit Fokus auf einbeinigem Kurbeln und Regeneration, sowie danach 3 Kilometer Schwimmen. Sehr unspektakulär und die zweite Swim Week ist einvernehmlich gecancelt, weil a) ich dadurch nicht besser geworden bin und b) nochmal eine Woche verlieren, weil ich so viel schwimme und der Rest überwiegend scheiße läuft, steht einfach nicht dafür. Ich warte immer noch auf den Moment, wenn sich in den Armen endlich einmal etwas tut und ich irgendwie schneller werde. Vielleicht klappt das ja mit Yoga, denn die Muskeln werden dabei auch gar nicht wenig beansprucht und man kommt auch ins Schwitzen. Durch die Übungen, bei denen die Muskeln ordentlich arbeiten, entwickelt sich nämlich Hitze im Körper und natürlich auch in dem Raum, in dem man sich befindet – und da diese Hitze gewollt ist, wird auch nicht während der Stunde gelüftet. Man sollte währenddessen auch möglichst nicht trinken, denn Flüssigkeit würde den Körper wieder abkühlen und das ist nicht Sinn der Sache. Dafür gibt es für gewöhnlich in den dezidierten Yogastudios Tee und Wasser für vor und nach der Stunde, denn vor allem danach sollte man natürlich wieder auftanken.

Jedenfalls bin ich dann relativ unbekümmert am Montag abends in das Fitnessstudio „Fitness & Yoga am Isartor“ getrottet, um dort an besagter Vinyasa Flow-Stunde teilzunehmen. Ausgeschrieben war das übrigens als Jivamukti Yoga – nicht, dass ich damit hätte irgendetwas anfangen können, aber die Beschreibung klang einladend und natürlich kam ich auch nicht ganz wie die Jungfrau zum Kinde, denn in meinem Gym gab es vor Jahren einen Kurs namens „Deep Work“, in dem bestimmte Yoga-Übungen mit allerlei anderen dynamischen Moves kombiniert worden waren. Die Anmeldung über ClassPass funktioniert reibungslos und in dem kleinen Gym fühlte ich mich als Nicht-Yoga-Mensch auch erst einmal sehr gut aufgehoben. Neben der Lehrerin Sakina (die auch nur noch diese Montagsstunde gibt) waren außer mir noch 17 andere anwesend, darunter auch einige Männer. Sakina meinte dann allerdings vor der Stunde, dass es sich hier nicht um eine Anfängerstunde handelt und gab mir den Tipp, Jivamukti-Yoga auszuprobieren, da dabei die Haltungen langsamer ausgeführt würden als bei Vinyasa, wo der athletische Anspruch schon etwas höher ist. Mitmachen durfte ich aber trotzdem, obwohl Sakina meinte, dass man nach 4 – 6 Monaten 2x pro Woche Basic-Yoga mit Vinyasa mal langsam anfangen könnte.

Los ging es schon einmal damit, dass ich mir die richtige Atmung von den anderen abhören musste. Tief einatmen und ausatmen und das geräuschvoll rauschend (Ujjayi-Atmung). Got it! Zu Beginn wurde ein Ommm gesungen (kann ich) und nach ein paar ruhigen Minuten ging es dann los mit den Asanas. Wahnsinnig viele Erklärungen gab es nicht, da es ja eine Fortgeschrittenenstunde war, aber nachdem ich kein kompletter Körperklaus bin, ging das auch alles ganz gut… bis auf die einbeinigen Sachen, bei denen ich natürlich gnadenlos versagt habe. Ich hatte auch zwischendurch wahnsinnige Sorge um die Sehnen und Knochen in meinen Füßen, als wir auf den Fußristen irgendwas gemacht haben, das bei mir natürlich nicht annähernd so elegant aussah wie bei den Leuten, die schon etwas Übung hatten. Auch die Verwendung des Zubehörs (Blöcke, Gurt, Decke – Matte ist ja relativ selbsterklärend) wurde mir innerhalb dieser 60 Minuten (die sich wie 120 Minuten angefühlt haben) recht schnell klar. Im Prinzip macht jeder die Haltungen so gut er oder sie kann und nimmt Hilfsmittel dazu, wenn es nicht ohne geht oder man ohne die Haltung nur unsauber oder unter Schmerzen durchführen könnte.

Am Ende jeder Stunde gibt es eine Entspannung (und Ommm), bei der man auf dem Rücken liegt und am liebsten nie wieder aufstehen möchte. Insgesamt eine tolle Stunde mit einer tollen, ein bisschen strengen Lehrerin und wiederkommen darf ich auch, selbst wenn das eigentlich eine Nummer zu groß für mich ist. Und halleluja, hatte ich danach Hunger. Ich habe keine Ahnung warum, aber das bisschen (im Sinne von: nur eine Stunde) Training regt wirklich den gesamten Körper an. Folglich habe ich in der Nacht von Montag auf Dienstag auch geschlafen wie ein Baby.

Meine Lieblingsmoves an dem Tag: Krieger 2 und Krieger 3.

Tag 2: Yoga Basic bei shift down yoga

Anderer Tag, anderer Kurs. Natürlich hatte ich am Dienstag auch einen leichten Muskelkater, vor allem in den Schultern und den Beinrückseiten (Herabschauender Hund sei Dank und nein, ich bekomme die fucking Fersen hinten dabei noch nicht auf den Boden). Trainingsmäßig ging es diesmal zuerst ins Gym für 2,2 Kilometer mit Kicksets und danach rauf auf die fucking Alpe du Zwift für Runde #11, natürlich wieder ohne Glück am Glücksrad. Ich frage mich, was ich zuerst haben werde: Die 50.000 HM für das Tron Bike oder die Lightweight-Laufräder vom Glücksrad an der Alpe. Man muss für das Tron Bike die Alpe 44,5-Mal hochfahren oder so, ein paar Versuche habe ich also noch (minus die HM, die ich auf anderen Strecken sammle). Gefahren wurde allerdings Programm, und zwar 3 Sets mit 6x steigenden Wattwerten (z.B. 2:00 min 284, 2:00 min Pause, 1:30 min 296, 1:30 min Pause usw.).

Abends ging es dann in die Innenstadt zum 90-minütigen Yoga Basic-Kurs bei shift down yoga mit Ute. Ja, natürlich macht man an Tag 2 90 Minuten Yoga, wenn man an Tag 1 bei 60 Minuten Yoga schon ziemlich im Arsch war, ist doch logisch. Ganz anderes Setting, ganz anderer Kurs: Ein kleiner Yogaraum im Keller für maximal neun Leute, sehr intim und persönlich. Nachdem ich diesmal im richtigen Kurslevel gelandet war, bin ich auch nicht gestorben und Utes Anleitungen waren sehr detailliert. Man sollte grundsätzlich aber in der Lage dazu sein, die Körperteile anzusteuern und zu fühlen, die jeweils angesprochen werden. Am Anfang gab es eine interessante Atemübung mit Nasenloch-Zuhalten, die aufgrund meiner latent verstopften Nase (immer im Winter) natürlich eine Herausforderung war. Ich hatte wieder Angst um meine Füße und eine Übung auf den Fußrücken haben wir natürlich justament zweimal gemacht, aber ansonsten war ich ziemlich begeistert von dem Kurs – vor allem von Kranich und Taube, die beiden Moves haben es mir besonders angetan. Irgendwann wurden die Hände dann leider etwas schwitzig, so dass die Matte nicht mehr wahnsinnig viel Halt gegeben hat, aber auch das ließ sich bewerkstelligen.

Besonders schön: Am Anfang wies Ute uns an, wir sollen uns eine Intention für die Session setzen, die wir erreichen möchten – und am Ende sagte sie: „Du stellst fest, dass alles schon da war.“ Außerdem ist mir bewusst geworden, dass Yoga – zumindest aktuell für mich – nichts ist, das ich alleine machen möchte. Es gibt drölfzig gute Yoga-Online-Videos, aber die Gemeinschaft und das gemeinsame Fokussieren auf die Übungen hat eine ganz eigene Energie, die man zuhause nicht erzeugen kann.

Tag 3: Basic Yoga Open Class bei Raise Yoga

Am Mittwoch habe ich mir die Muskeln dann tatsächlich ein wenig zerschossen. Früh morgens ging es für knapp anderthalb Stunden Kraft- und Mobility-Training ins Gym und danach für eine Every/Other-Laufserie aufs Laufband (Warm-Up, dann 5x 1 Kilometer hart, 1 Kilometer easy). Meine Beine waren TOT. Und was macht man mit toten Beinen? Natürlich – man geht abends ins Yoga zu Raise Yoga in Bogenhausen. Die 75-minütige Basic-Klasse wurde von Tatjana unterrichtet und das Studio war wieder ganz anders als die beiden vorherigen. Zum einen handelte es sich dabei wirklich um ein richtiges Boutique-Yoga-Studio (merke: Man zieht die Schuhe am Eingang aus) und zum anderen war das Publikum nochmal anders gemischt als an den ersten beiden Tagen. Da ich zu früh dran war, gab es noch Tee und ich kaufte mir (natürlich) vor Ort direkt eine richtige Yogahose. Die Nike-Lauftights funktionieren zwar hinsichtlich der Beinfreiheit, aber auch der High Waist-Bund rollt sich ständig ein und man ist damit beschäftigt, an sich herumzuzuppeln, anstatt ordentlich zu atmen. Wobei die Koordination zwischen Atmung + Bewegung bei mir natürlich auch nur selten funktioniert. Hauptsächlich in den Pausen zwischen den Übungen.

Lustig finde ich auch die Namenswahl der Studios: Raise und Shift Down sind ja prinzipiell zwei sehr gegensätzliche Dinge, aber beides funktioniert als Namen für ein Yogastudio. Bei Raise ist alles auch sehr neu und schick und trotzdem gemütlich, es gibt auch Massageanwendungen und alles, was man sonst in München Bogenhausen eben braucht. Im Raum versammelten sich dann neben Frauen in meinem und höherem Alter auch vier Mädels, zwei eher 12, zwei eher 15. Ich musste kurz innerlich lachen, weil Yoga zu meiner Kinder- und Teenagerzeit in der kleinen oberbayerischen Kleinstadt Burghausen natürlich kein Thema war. Allerdings gab es damals schon einen reinen Bioladen dort, nur wurde der natürlich als Öko belächelt anstatt wie heute gehyped.

Anyways! Auch die Stunde mit Tatjana war wieder ganz anders als die vorherigen Stunden, aber ebenso machbar dank des Zusatzes „Basic“ im Kurstitel. Besonders gut fand ich eine Übung, bei der wir die gestreckten Beine vom Boden hochgehoben in den Gurt drückten und der gleichzeitig am Rücken verlief, so dass man nur auf den Pobacken auf dem Boden saß. Schweben mit Gurt, sozusagen. Die Abfolgen der Übungen sind natürlich auch immer anders, weil jede Lehrerin ihren eigenen Stil hat (denke ich zumindest) und man in Stunden auch immer Schwerpunkte setzt. Auch an Tag 3 war ich nach dem Yoga wieder hungrig ohne Ende – ich hoffe, das pendelt sich bald ein… Summa summarum war Krafttraining UND Yoga an einem Tag aber keine glorreiche Idee, obwohl eigentlich viel Zeit zwischen den beiden Disziplinen gelegen hatte. Wahrscheinlich ist auch das reine Gewöhnungssache, aber ich fühlte mich doch ziemlich zerstört. Außerdem tun mir auch immer die Knie weh, wenn ich sie länger auf der Matte habe und Gewicht draufstütze. Vielleicht probiere ich es nächste Woche mal mit Knieschonern, das würde natürlich überhaupt nicht auffallen oder den Sinn der Sache komplett nivellieren.

Ach ja, eine der zwei Teenie-Mädels ist tatsächlich bei der Endentspannung eingeschlafen, ich habe mich sehr amüsiert… Sie wurde dann allerdings sehr unsanft von ihrer Freundin geweckt, was für allgemeine Schockstarre gesorgt hat. Haha. Bin ich froh, dass ich nicht mehr 14 bin.

Tag 4: Nochmal Basic Yoga Open Class bei Raise Yoga

Nichtsdestotrotz wartete am Donnerstag eine Laufband-Laufsession mit kurzen Intervallen auf mich. Ich liebe kurze Intervalle, weil sie vorbei sind, bevor sie richtig weh tun. Und erstaunlicherweise waren meine Beine trotz des Muskelkaters richtig gut drauf, so dass ich alles vorbildlich absolvieren konnte (immer 1:30 Schwelle und dann nochmal 1:00 Minute härter drauf, gefolgt von 4 Minuten Pause). Danach wieder eine sehr unbefriedigende Schwimmsession, quasi Drills as usual.

Aus Zeitgründen ging es dann unmittelbar danach zur Yogastunde mit Tatjana. Auch das ist nicht unbedingt die allerbeste Idee – ein bisschen mehr Pause wäre den Muskeln recht gewesen und vor allem ein bisschen von extern zugeführte Energie, denn etwas zu essen hatte ich tatsächlich nicht dabei, ich Heldin. Aber gut, 75 Minuten Yoga standen auf dem Programm und überraschenderweise waren wir in der Stunde auch nur zu zweit. Das war natürlich perfekt, um sich quälen zu lassen und ganz genau zu sehen, wo man welche Haltungsfehler macht. Bei der Abschlussentspannung gab es dann noch ein Augenkissen mit Lavendel auf die Nase – herrlich entspannend und Yoga ist mit so etwas irgendwie dann eine Form der Selbstmassage.  Immerhin ist meine HR an Tag 3 beim Entspannen auf unter 50 gerutscht und an Tag 4 schon bis auf 44 BPM (bei einer minimalen RHR von 38) – so kann man das Loslassen auch tatsächlich messen, wobei natürlich auch das alles tagesformabhängig ist.

Tag 5: Open bei Yoga am Engel

Ein Wort: LOL. Am Freitag tat mir alles dermaßen weh, dass ich todesmutig (und okay, es war sonnig & mild) zu Cryosizer in die Kältekammer spaziert bin, nachdem ich mein Morgentraining hinter mich gebracht hatte. Das bestand aus: Erstens 20×100 Schwimmen mit Warm-Up und CD. Wieder äußerst frustrieren und sogar noch mehr frustrierend als sonst, weil wieder jemand meine Technik korrigieren wollte und natürlich wieder etwas ganz anderes gesagt hat als mein dezidierter Lieblingsschwimmtrainer Jörn. Ich kriege die fucking Krise. Meine Hoffnung ist aber nach wie vor, dass ich durch mehr Kraft in den Armen einfach mit roher Gewalt schneller vorankommen werde. Also quasi das, was man nicht machen sollte. Ach, verdammt. Danach ging es für äußerst zufriedenstellende 70 Minuten auf die Rolle für eine Runde Zwift unterhalb der FTP.

Und danach standen 60 Minuten lockerer Koppellauf an. Ich muss sagen: Meine Beine fühlten sich wirklich gut an und ohne das grausame Seitenstechen wäre da geschwindigkeitstechnisch auch noch was gegangen. Ich habe keine Ahnung, warum ich in letzter Zeit so häufig Seitenstechen habe, während ich das zuvor eigentlich so gut wie nie hatte. Anspannung? Kälte? Man weiß es nicht. Apropos Kälte: Die Vantage V entpuppt sich zwischendurch während der Einheit phasenweise als richtige Diva bei Kälte (und bei Hitze, bei Schweiß, wenn sie zu eng sitzt, wenn sie zu locker sitzt…) und zaubert exorbitante HF-Werte an mein Handgelenk. Ein Hoch auf die Technologie.

Nach dieser sehr zufriedenstellenden Trainingssession und der Kältekammer ging es dann abends für eine „Open“-Klasse zu Yoga am Engel, geleitet von Jeannette. Wieder ein anderer Vibe im Studio: Viel mehr herumwuselnde Menschen, ein Hauch von Öko-Hipstertum, aber trotzdem alles entspannt. Im angrenzenden Prinzregentenstadion (bzw. -Bad) gibt es im Winter eine Eisfläche und als das Studio durchgelüftet wurde, konnte man massenhaft eislaufende Teenies in freier Natur beobachten. Sehr amüsant und macht bestimmt viel Spaß, wenn man keine klaustrophobischen Tendenzen hat, denn die Fläche ist wirklich sehr klein bei sehr vielen Menschen. Zurück zum Yoga!

Jeannette nahm sich am Anfang der 90-minütigen Stunde etwas Zeit, um über Yoga-Philosophie zu sprechen und zum Ommm gab es dann ein kleines Musikstück, das wir gemeinsam von einem Instrument begleitet sangen, das ein bisschen an einen Leierkasten mit nach vorne ausklappbarem, einseitigem Akkordeon erinnert. Sensationell – Singen ist sowieso eine große (stark vernachlässigte) Leidenschaft von mir, deshalb fühlte ich mich da wirklich wohl und angekommen. Zumindest bis die Übungen dann losgingen. Mir war nicht ganz so klar, wo sich „Open“ im Spektrum Basic – Medium – Advanced so einordnet, aber mittlerweile weiß ich, dass es zumindest NICHT Basic ist. Holy shit, da haben die Frauen ein paar richtig beeindruckende Haltungen performt. Kopfstand und Schulterstand sind ja quasi schon Standard auf dem Level, aber bei einer Haltung sollte man ein Bein über die Schulter legen, das andere darüber, so dass sich die Füße berühren, dann die Hände durchstecken und sich dann so verknotet vom Boden hochstemmen. No fucking way! Aber rein physiologisch gesehen könnte das eine Haltung sein, die sich relativ einfach üben lässt, weil man dazu weder a) auf einem Bein balancieren muss noch b) so weit ausgestreckt ist, dass umfallen wirklich weh tun könnte. Die Vorübung für den Kopfstand ist übrigens der Herabschauende Hund, wobei man mit den Unterarmen auf dem Boden liegt und den Kopf bewegt, um die Nackenmuskulatur darauf vorzubereiten. Wenn ich 1,50m groß wäre, fände ich das wahrscheinlich auch weniger beängstigend, aber wenn 1,85m umfallen, dann tut das einfach verdammt weh.

Auf jeden Fall war ich nach der Stunde schwer beeindruckt und natürlich höchst motiviert, irgendwann auch mal locker flockig mein eigenes Körpergewicht verknoten vom Boden stemmen zu können. #goals, sage ich da nur. Interessant war übrigens auch eine der Atemübungen, die wir am Anfang machten: die Feueratmung, oder Kapalabhati. Dabei nimmt man zuerst eine vorgebeugte Haltung ein und presst dann die Luft in schnellen Atemzügen durch die Nase aus dem Bauch und das Einatmen geschieht automatisch. Eine Runde Taschentücher für alle gab es auch dazu und am Ende eine Nackenmassage mit Lavendelöl. Ich finde so etwas grundsätzlich phänomenal, aber da mein Nacken vom Kragen meiner Langarmlaufshirts ein bisschen aufgerieben ist, brennt das Öl natürlich dementsprechend.

Tag 6: Yin Yoga bei shift down yoga

Der Samstag war trainingstechnisch mein Lieblingstag. Auf dem Plan standen einfach nur knapp 4 Stunden Rad im Grundlagenbereich und ich habe der einst verbuggten Surrey Hills-Strecke endlich das Badge entlocken können. Level 18 bin ich auch geworden (beim Laufen immerhin Level 5) und nach 3 Stunden London (Surrey Hills + London Flat) stand dann noch eine einstündige Damenausfahrt mit ZRG auf dem Plan. Allerdings hatte ich für 1,5 w/kg irgendwie zu viel Power, so dass ich aus dem Event raus bin und die Runde bei 2,2 w/kg für mich selbst pedaliert bin. Außerdem drangen so langsam die News durch, dass es ein Zwift-Update gegeben hat und jetzt noch mehr Routen Badges bei Abschluss verleihen – unter anderem auch Routen wie der London PRL Full mit 173,1 Kilometern und 2606 Höhenmetern oder die Watopia Uber Pretzel mit 126,1 und 2362. Hell, yeah!

Danach ging es mit ausreichender Pause zum Yin Yoga zu shift down yoga, der Kurs wurde wieder von Ute geleitet. Ute hatte mir am Dienstag auch schon Yin Yoga empfohlen, bei dem im Gegensatz zu Jivamukti oder Vinyasa der Fokus auf dem laaaaangen Halten von Haltungen liegt und somit mehr die Dehnung und Entspannung im Vordergrund stehen. Und so waren diese 90 Minuten auch definitiv die entspannendsten 90 Minuten der gesamten Woche. So entspannt, dass meine HF bis auf 35 runtergegangen ist. Wobei das im Liegen war und ich nicht weiß, ob das dann als RHR wirklich gilt. Aber sehr beeindruckend. Danach war der Rest des Tages ein Flow aus Prosecco, Plätzchenbacken und Plaudereien. Schön für den Moment, aber beschissen für den nächsten Tag.

Tag 7: Yoga-Workshop Absolute Beginner bei Jivamukti Yoga

Neuer Tag, neues Yoga-Erlebnis. Dank meiner beschissenen Ernährung am Vortag war der lange Lauf am Sonntag eine einzige Katastrophe. Ich bin wieder mit dem Vorsatz losgelaufen, statt zwei zweieinhalb Stunden zu laufen und war nach zwei Stunden fertig mit der Welt. Essen konnte ich davor und währenddessen bis auf drei Gummibärchen nichts, weil mein Magen sehr unhappy war mit dem Quatsch vom Samstag. Immerhin habe ich mit Hängen und Würgen 20 Kilometer geschafft. Daraufhin beschloss ich, die Kraftsession ausfallen zu lassen und auch nicht nochmal extra schwimmen zu gehen, sondern mich einfach bis zum fast 2,5-stündigen Yoga-Workshop am Nachmittag bei Jivamukti Yoga zu erholen.

Das Studio hat zwei Locations in Haidhausen (oder ist die eine schon in der Isarvorstadt? Vermutlich) und ist als einziges Studio der Woche nicht auf ClassPass zu finden. Empfohlen wurde es mir an Tag 1 von Sakina zwecks der Jivamukti-Yoga-Einsteigerkurse. Und im Workshop von Sybille ging es wirklich sehr ausführlich um grundlegende Übungen mit vielen Wiederholungen und langem Halten, Oberkörperverdrehungen, Beinübereinanderlegeakrobatik und am Ende sogar noch ein Schulterstand. Naja, einen Preis gewinne ich dafür noch nicht, aber wenn man die einzelnen Schritte erklärt bekommt, funktioniert es wirklich gut – man muss sich nur konzentrieren. Sybille erklärte dann auch etwas über die fünf Säulen von Jivamukti und war (wie im Übrigen alle Yogalehrerinnen) sehr auf einer Wellenlänge mit den Teilnehmenden.

… Und was ich dabei gelernt habe

Erstens: Yoga ist ziemlich genial, denn man kann es genau so ruhig oder anstrengend haben, wie man es haben möchte – wenn man in den richtigen Kursen landet. Ich würde ohne zu zögern bei allen Lehrerinnen wieder Kurse buchen (und habe für kommende Woche natürlich schon welche gebucht), will aber trotzdem noch ein paar mehr Studios besuchen und noch mehr Eindrücke sammeln.

Zweitens: Yoga ist taktisch klug, denn es ergänzt das Krafttraining und ersetzt alles an Dehnarbeit, die man sonst alleine vielleicht nicht machen würde. Und da man kontinuierlich an den selben oder ähnlichen Haltungen bzw. Abfolgen arbeitet, kann man vermutlich auch recht schnell Erfolge erzielen. Ich möchte mindestens meine fucking Fersen beim Herabschauenden Hund auf den Boden bekommen, das muss doch möglich sein. Dieses Arbeiten an den Übungen motiviert mich aktuell auch mehr als alleine Gewichte zu stemmen.

Drittens: Yoga ist ausgezeichnet, um zur Ruhe zu kommen – auch bei den anstrengenden Übungen. Dadurch, dass man gar nichts macht außer Yoga, konzentriert man sich wirklich sehr gut auf sich selbst und auch nur auf sich selbst. Gleichzeitig herrscht da kein Perfektionszwang, weil man jede Haltung und Übung in verschiedenen Schwierigkeitsstufen absolvieren kann und somit Achtsamkeit im Vordergrund steht – achtsam umgehen mit dem Körper, aber auch mit dem Geist. Es war auch alles gar nicht esoterisch oder religiös, eher philosophisch. Und das Gemeinschaftsgefühl im Vordergrund ist auch eine sehr schöne Sache. Ich bin zwar notorische Einzelgängerin, aber beim Yoga ist man zusammen für sich, d.h., jeder macht sein Ding (und ich bete, dass es keine Partnerübungen gibt), aber man teilt den Raum, um das zu tun. Es ist wirklich etwas, das man für sich selbst tut – in einem sicheren Raum ohne Erwartungen oder Vergleiche oder den Drang, sich profilieren zu müssen.

Viertens: Yoga ist kein Ponyhof. Abgesehen von diesen hardcore beeindruckenden Haltungen am Freitag ist das alles kein Kinderspiel. Mein unterer Rücken hat sich mehrfach während der Entspannungsphasen nach den Übungen gemeldet (ich hoffe aber, dass das die gute Art von Schmerz war) und der Muskelkater ist real. Die Hitze, die im Körper entsteht, ist ganz anders als die Muskelermüdung beim Krafttraining – und die ausgleichenden Bewegungen bzw. Haltungen bewirken eine ganz andere Regeneration. Überhaupt ist Yoga ein „Feiern der Symmetrie“ – Zitat von Tatjana. Beide Körperhälften werden gleichberechtigt behandelt und die Abfolgen prägt man sich dadurch natürlich auch viel schneller viel besser ein. Als Symmetrie-Liebhaberin ist das für mich auch sehr befriedigend.

Auffällig ist natürlich, dass weniger Männer als Frauen Yoga betreiben, zumindest in der vergangenen Woche und in den Studios, die ich besucht habe. Aber man muss sich wirklich nicht doof vorkommen, weder als Mann noch als Anfänger(in). Ich hätte all diese Erkenntnisse natürlich schon vor Jahren treffen können, wenn ich damals irgendwann damit angefangen hätte. Aber wie alles im Leben hat auch Yoga seine Zeit – und einen Zeitpunkt gebraucht, an dem es gepasst hat, damit anzufangen.

Natürlich werde ich nicht ab sofort dauerhaft jeden Tag Yoga betreiben; 3x pro Woche ist laut den Lehrerinnen eigentlich ein idealer Rhythmus. Aber nächste Woche ist Rest Week und da baue ich wieder so viel Yoga wie möglich ein. In diesem Sinne: Auf in die nächste Yoga- und Trainingswoche!

Zum Schluss noch der Hinweis auf die Projekt Iron/wo/man Facebook-Page, auf der es momentan nur sporadisch etwas zu lachen gibt, aber wenn, dann richtig – also lasst gerne ein Like oder ein Follow da:

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