Projekt Iron(wo)man. Recap Woche 40: Lanzarote-Trainingslager für Triathlon, Teil 1

Der Rückflug vom Lanzarote-Trainingslager eignet sich perfekt dazu, um die sportliche Woche Revue passieren zu lassen und sich so von den Schmerzen abzulenken, die eingepferchte Beine und ein in die Knie gerammter Sitz des Vordermanns unweigerlich verursachen, wenn man keinen Luxus-Komfort-Sitz extra dazugebucht hat. Aber es gibt weitaus Schlimmeres – und von Lanzarote auch viel Schönes zu berichten.

Tatsächlich gibt es so viel Schönes zu berichten, dass ich den Trainingslagerbericht sogar auf zwei Wochen ausdehnen werde. Das ist tatsächlich auch nicht ganz uneigennützig, weil es mir zurück im kalten Deutschland nochmal die Möglichkeit gibt, von einer windigen, sonnigen, bewölkten, windigen, sagte ich schon windigen, anstrengenden Zeit im Lanzarote-Trainingslager zu träumen. Kurz zur Info für die Neuzugänge: Das mit dem Trainingslager habe ich nicht nur deshalb gemacht, weil mein winterdepressives Selbst nach Sonne und Radtouren gelechzt hat, sondern auch, weil ich mich im Training für eine Ironman-Langdistanz im Triathlon befinde. Das machen hauptsächlich Wahnsinnige und in dieser Gesellschaft fühle ich mich seit mittlerweile 40 Wochen auch sehr wohl. Vernünftig können die anderen ja sein, ich bin eher auf der verrückten Seite angesiedelt. Weil man in 40 Wochen doch so allerhand im Training erlebt, schreibe ich einmal pro Woche ein mehr oder weniger kurzes Resümee der Woche. Wer auf der Suche nach Lesestoff für kalte Februarabende ist, der kann sich hier austoben: Woche 39, Woche 38Woche 37Woche 36Woche 35Woche 34Woche 33Woche 32Woche 31Woche 30Woche 29Woche 28Woche 27Woche 26Woche 25Woche 24Woche 23Woche 22Woche 21Woche 20Woche 19Woche 18Woche 17Woche 16Woche 15Woche 14Woche 13Woche 12Woche 11Woche 10Woche 9Woche 8Woche 7,  Woche 6Woche 5Woche 4Woche 3Woche 2Woche 1 und Tag 1.

Werbung, aber noch ohne Zeitmaschine

Dank TUI-Gutschein und Sonderangebot war das Lanzarote-Trainingslager ein echtes Schnäppchen und so viel sei verraten: Es war so grandios, dass ich nächstes Jahr unbedingt wieder herkommen möchte. Dafür (und für das restliche Triathlon-Jahr) braucht man natürlich das nötige Kleingeld – und deshalb freue ich mich über jeden Euro Unterstützung für mein Ironman-Abenteuer. Ein Klick auf das obige Bild führt zu meiner PayPal.me-Seite mit der Möglichkeit, mich mit einer Einmalzahlung flugs zu sponsern. Wer Lust hat, kann meinen Lagerbestand auf eBay reduzierenmir mit Material von meiner Amazon-Wunschliste aushelfen, über meine Amazon-Affiliate-Links Produkte für sich selbst kaufen (zum Beispiel ein Buch zum Thema Fernweh, wenn einen jetzt auch die Reiselust packt), mich als Freiberuflerin anheuern, meine Fragen auf Quora anklicken und beantworten, meinen Stevens-Crosser auf listnride ausleihen oder mit mir trainieren (in München oder sonstwo). Auf Wunsch namentliche Erwähnung (oder nicht). Besten Dank!

Lanzarote-Trainingslager: Wie geil ist Lanza für Triathleten wirklich?

Okay, genug Einleitung, kommen wir nun direkt zur Sache. Wie einen Absatz weiter oben schon angedeutet, möchte ich unbedingt wiederkommen und dann auch gerne für zwei Wochen anstatt nur eine. Denn natürlich habe ich Montag bis Freitag ein wenig überpest und war dementsprechend am Samstag platt – ein Ruhetag bei nur einer Woche Lanzarote-Trainingslager erschien mir einfach verschwendete Zeit und ich war so heiß darauf, so viel wie möglich mitzunehmen, dass ich mich ein bisschen übernommen habe. Bei zwei Wochen hätte man dann vielleicht auch eher Muße, einfach mal einen Nachmittag frei zu nehmen, nur spazieren zu gehen oder planlos im Meer herumzupaddeln. Also: Wieder was gelernt.

Bei zwei Wochen hätte es auch mehr Gelegenheiten gegeben, für das Laufen auch mal ein Stückchen zu fahren und die Trails etwas weiter im Norden oder im Landesinneren zu erkunden, anstatt aus Zeitgründen nur an der (hauptsächlich asphaltierten) Strandpromenade oder durch die Stadt zu joggen. Eine Woche ist schon wirklich verdammt viel zu kurz.

Von meiner Ankunft habe ich letzte Woche ja schon kurz berichtet (und jetzt hat Woche 39 auch endlich die versprochenen Bilder, es lohnt sich also, sich nochmal hinzuklicken).

Der Klassiker auf Lanzarote für Triathleten ist ja eigentlich der Club La Santa auf der Nordseite der maximal 20 Kilometer breiten Insel. Ich war im Süden im Hotel Occidental Lanzarote Mar (gehört zur Barceló-Gruppe) und auch dieses Hotel ist eine natürliche Umgebung für Triathleten, wenn ich im Kopf kurz überschlage, wie viele Radtaschen, Ironman-Rucksäcke und Triathlon-Merch ich so gesehen habe. Der 50-Meter-Pool ist tagsüber bis ungefähr 16 Uhr auch relativ leer, man hat teilweise eine ganze Bahn für sich allein. Am späten Nachmittag kommen meist Schwimmgruppen, die dann einige Bahnen belegen, aber man kann immer gemütlich alleine trainieren, ohne eine ganze Bahn zu reservieren (das würde 20+ Euro kosten, wohingegen der einzelne Eintritt nur ca. 3 Euro kostet). Die Laufstrecken in unmittelbarer Umgebung sind wie gesagt nicht wahnsinnig berauschend und die Öffnungszeiten des Gyms im Winter sind suboptimal (vormittags ein paar Stunden und dann erst wieder ab 16:30), aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau.

Das Buffet für Frühstück und Abendessen ist sehr umfangreich und auch abwechslungsreich genug, so dass man problemlos dort noch eine zweite Woche futtern kann, ohne das Gefühl zu haben, man isst jeden Tag dasselbe. Live-Cooking-Stationen gibt es zusätzlich zu mindestens fünf warmen Gerichten, etlichen Beilagen und einer großen Auswahl kalte Salate, sowie eine Käsestation mit zehn Sorten (allerdings fast immer dieselben). Einziges Manko: Einmal war eine Sorte Räucherfisch abends nicht mehr ganz koscher, so dass die beiden Bikeguides die Nacht danach und am nächsten Tag nicht viel Spaß hatten. Ich habe abends meistens Fisch, Salate mit Fisch, Gemüsebeilagen, Eier, pikantes Mojo und Unmengen von Käse gegessen, um möglichst Low-Carb zu bleiben (ok, einmal habe ich zwei Dessertcremes probiert – überhaupt war die Dessertauswahl tatsächlich ziemlich sensationell). Morgens dann viel Joghurt mit Gofio (wobei das Gofio hier nur aus Mais bestand, auf Teneriffa letztes Jahr bestand es aus verschiedenen Getreidesorten und war besser), Bananen, Datteln, Grapefruit, Frischkäse, Nüsse & Körner, Diätmarmelade (aka Fruchtmus), sowie diese unglaublich genialen Vollkornkekse mit allen möglichen Körnern drin, die nur leicht mit Honig gesüßt waren und die ich dann auch für die Verpflegung auf dem Rad kiloweise in meinem Trikot mitgeschleppt habe. Frühstück war ab 8 und die Radtouren gingen um 10 Uhr los, also war genug Zeit dazwischen, um die guten Carbs zu verdauen. Für die Getränkeversorgung ist ein Minimarkt direkt vor dem Hotel und für Last-Minute-Souvenirs sind sage und schreibe fünf Souvenirshops ebenfalls direkt beim Hotel.

Negative Punkte zum Thema Hotel: viele Nachtfalter in den Zimmern (und bei mir einmal ein riesiger Hirschkäfer), permanenter Parfumgestank in der Rezeption (wie kann man sich da nur länger als eine Minute aufhalten?) und die Getränke sind bei Halbpension nicht inklusive – aber trotzdem günstiger als im Restaurant hier in weiten Teilen Deutschlands. Ach ja, und die Kaffeemaschinen haben einen Preis für sensationelle Langsamkeit verdient. Ich fand es ein bisschen blöd, dass mein Zimmer im Erdgeschoss ist, weil ich trotz Hotelanlage nachts die Terrassentür nicht offenlassen konnte/wollte und abends vor meiner Tür entsprechend etwas Lärm durch vorbeilaufende Hotelgäste entstanden ist, aber dafür lag mein Zimmer sehr nah an Pool und Gym, also alles halb so wild. Die Sache mit den Nachtfaltern ist aber anscheinend ein ziemliches Problem, denn im Zimmer der beiden Bikeguides war wohl des Nachts immer eine ganze Horde der Viecher unterwegs und in einem Zimmer musste wohl auch ein Insektenbekämpfer radikalere Maßnahmen anwenden. Schade ist es auch, dass das Restaurant im Keller liegt, man also bis auf das Buffet und die anderen Hotelgäste nicht so wirklich viel sieht. Aber insgesamt wird es seinen vier Sternen wirklich absolut gerecht.

Und jetzt: Das Wetter im Lanzarote-Trainingslager

Kommen wir nun zum wohl spannendsten Aspekt des gesamten Reiseberichts. Ja, eigentlich ist das Wetter am Urlaubsort keinen eigenen langen Absatz wert, sondern eher abgehakt mit: „Wir hatten zwei Tage Wolken, drei Tage Sonne und zweimal war es so halb sonnig, halb bewölkt mit ein bisschen Wind“. Aber auf Lanzarote ist das anders, denn hier richtet sich der Trainingsplan noch mehr nach dem Wetter als anderswo, oder besser gesagt: nach Wind und Wetter. An der Rezeption habe ich mitbekommen, dass der Januar wohl etwas kälter war als üblich. Kalt war es die Tage nicht wirklich bei Grundtemperaturen von 16° bis 20°, aber mit dem tatsächlich absolut immer wehenden und brausenden Wind kann es zwischendurch schon etwas kühl werden, vor allem wenn man verschwitzt von der Radtour irgendwo Pause macht. Bei meiner Ankunft am Sonntag zeigte sich die Insel von ihrer sonnigen Seite, Montag und Dienstag waren eher dauerbewölkt mit wenig Sonne. An einem der Tage hat es ein wenig genieselt, wobei die Wassermenge wirklich kaum der Rede wert war.

Mittwoch bis Freitag ansonsten schon morgens etwas freundlicher, am Donnerstag etwas weniger Wind, dafür am Freitag eine etwas höhere Grundwindgeschwindigkeit von 32 km/h und am Samstag 40 km/h. Für Sonntag war noch mehr Wind angesagt, aber der Himmel war morgens wieder überwiegend wolkenlos mit einem phänomenalen Sonnenaufgang. Ansonsten an jedem Tag im Fünf-Minuten-Takt Sonne, Wolken, Windböen und eben permanent Wind, Wind und noch mehr Wind. Das schlaucht tatsächlich sehr, weil man außer an den langen Abfahrten wirklich nie einfach rollen lassen kann, sondern permanent treten muss. Aber es ist auch einfach geil, weil es sowohl die Beine als auch den Kopf stärker macht. Aber natürlich schafft man weitaus weniger Kilometer als im weniger windigen Deutschland und muss auch gefühlt häufiger mal kurz anhalten, um den Beinen eine kurze Pause zu gönnen.

Radeln mit Hürzeler Bike Holidays

Ich habe den Lanzarote-Trainingslager-Urlaub auch deshalb so fix gebucht, weil sich direkt neben dem Hotel die Bikestation von Hürzeler befindet und ich dort ein Cube Attain mit Scheibenbremsen für eine Woche reservieren konnte. Hürzeler ist mir natürlich zuvor auf diversen Trikots oder über Werbeanzeigen und Diskussionen in Facebookgruppen auch schon begegnet und die Gelegenheit war perfekt, den Anbieter einmal kennenzulernen und herauszufinden, wie das dort so funktioniert. Ich bin auf jeden Fall ziemlich begeistert von Hürzeler, weil der Staff super freundlich und hilfsbereit ist, man für einen guten Preis ein wirklich gutes Rad mieten kann, die angebotenen Ausfahrten mit den Guides extrem viel Spaß gemacht haben und man sich insgesamt wirklich gut aufgehoben fühlt. In der Station hat jedes Rad dann einen eigenen Haken, es gibt Wasser und Verpflegung (Äpfel, Bananen, Sandwiches) und natürlich kann man auch Radklamotten kaufen (ich habe mir Armlinge, ein Lanzarote-Trikot und zwei Windschutz-Unterhemden besorgt – man gönnt sich ja sonst nichts). Da ich nicht direkt über Hürzeler gebucht habe, gab es für mich kein Trikot, aber der wahnsinnig nette J. aus der RR-Gruppe, die sich die Tage über ergeben hat, hat mir seines geschenkt, also bin ich jetzt auch stolze Besitzerin eines Hürzeler-Trikots.

Der erste Guide, D., hat den ganzen Januar auf Lanzarote verbracht und ist im „echten Leben“ auch nicht hauptberuflich Bikeguide. Der zweite Guide, F., ist zeitgleich mit mir angekommen und fährt nächste Woche parallel zu D. Touren, um am 10. Februar für weitere sieben Wochen dann komplett zu übernehmen, wenn D. zurück nach Deutschland fährt (lustigerweise kommt er auch aus München). Die Guides wohnen im selben Hotel wie ich und bekommen den Flug anteilig bezahlt, sowie ein kleines Salär für jeden Teilnehmer an einer Radtour. Ich erwähne das deshalb so ausführlich, weil ich natürlich jetzt schon fantasiere, dem kommenden Winter zu entkommen und einige Wochen als Bikeguide auf Lanzarote zu verbringen. Für die schwächere Leistungsgruppe würde es schon reichen, für die stärkere müsste ich diese Saison so richtig reinhauen und einiges an Power auf dem Rad zulegen. Aber man darf ja ein bisschen fantasieren.

Die ersten Tage im Lanzarote-Trainingslager

Bevor ich von den ersten Gehversuchen auf Lanzarote erzähle, stellt sich mir dann doch noch einmal eine ganz grundlegende Frage: Was machen eigentlich die Leute auf Lanzarote, die hier nicht sportlich unterwegs sind? Fair enough: Die Tourismus-Saison beginnt so richtig erst in ein paar Monaten, aber wenn ich mich im Flugzeug so umschaue, dann haben 90% der Passagiere eher keinen sportlichen Background, der sie auf die Insel treibt. Surfer, Drachenflieger, Rennradler und Triathleten finden auf Lanzarote alles, was das Sportlerherz begehrt – aber was macht man denn sonst so auf der Insel? Lanzarote ist doch relativ klein und die Hauptstadt Arrecife sah nicht so sehr nach pulsierender Weltmetropole aus. Es gibt eine Handvoll nette kleine Örtchen mit zauberhaften Cafés und einen Nationalpark, in dem man Kamelreiten kann, sowie Bauwerke und sonstige kulturelle Spuren eines gewissen César Manrique, der wohl viel auf Lanzarote erschaffen hat. Man kann natürlich Bootsfahrten zu schönen Stränden oder den beiden Mini-Insel im Norden oder im Süden machen und Delfine beobachten oder mit irgendwelchen motorisierten Vehikeln über die Insel cruisen… Aber soweit ich das beurteilen kann, war es das dann auch schon. Große Wanderungen kann man hier im Gegensatz zu Madeira (ich sage nur: Llevadas) nicht unternehmen und auch Teneriffa erschien mir etwas abwechslungsreicher (grüner Norden, heißer Süden) als Lanzarote. Das soll nicht abwertend gemeint sein, denn ich habe mich in die Insel definitiv verliebt. Aber ohne Sport hätte ich es wahrscheinlich ein bisschen fad gefunden.

Dafür war es mit Sport umso genialer! Am Montag bin ich morgens nach einer brav durchgeführten Stretching-Session in der Dunkelheit zu meinem ersten kleinen Lauf aufgebrochen. Und ja, auch beim Laufen darf man locker ein paar km/h abziehen, weil der Wind einem auch hier entgegenbläst (er kommt meist aus dem Norden) und es – wie auf den anderen genannten Inseln – kein wirklich flaches Stück gibt, um gemütlich vor sich hin zu traben. Das Hauptziel der Läufe dieser Woche war, die Wade bzw. die Beine wieder an das Laufen auf Asphalt zu gewöhnen und das hat insgesamt auch recht gut funktioniert. Ich wünsche mir nur, dass das Laufen jetzt dann irgendwann auch wieder leichter wird, Hüftbeuger und Waden nicht sofort dicht machen und ich zu meinem alten Tempo zurückfinde, denn den lahme-Ente-Modus habe ich wirklich langsam satt. Aber es heißt ja immer, dass man mit dem Aufbauen nach einer Verletzung so lange braucht wie die Verletzungspause gedauert hat, also stelle ich mich auf ein paar zähe Monate mit langsamem Fortschritt ein. Immer noch alles besser als gar nicht laufen zu können, deshalb genieße ich auch die beschissenen Läufe. An der Strandpromenade gibt es ein winzigkleines, 300 Meter langes Stückchen mit Tartanbahn-Belag, der dann auch etwas angenehmer für die Beine war als der Asphalt bzw. der Steinboden. Auch der Straßenbelag ist stellenweise etwas weicher und grobkörniger als richtiger Asphalt – unangenehm auf dem Rennrad, angenehm für die Füße. Und vom Dunkeln in den Sonnenaufgang zu laufen ist sowieso etwas ganz besonders Schönes, auch wenn da immer wahnsinnig viele Wolken am Himmel sind und der Wind alles wegbläst, was nicht irgendwo festgemacht ist.

Entlang der Strandpromenade gibt es auch ein Freiluftgym mit lustigen Gerätschaften, aber dazu bin ich dann nicht mehr gekommen. Zurück im Hotel dann Frühstück und ab zu Hürzeler, um mein Bike abzuholen und zu schauen, wer da welche Tour fährt und wie das alles so funktioniert. Intelligenterweise hatte ich die Halterung für meinen V650 vergessen (dafür aber sonst nichts, lange Word-Liste sei Dank!), also habe ich den V650 mit Gaffa-Tape am Vorbau festgeklebt. Ich weiß gar nicht, wie ich überhaupt jemals ohne Gaffa zurechtgekommen bin, das Zeug hält wirklich alles, so auch den Trittfrequenzsensor an der Kurbel. Bei der ersten Ausfahrt wäre der V650 am Ende zwar fast heruntergefallen, aber ab der zweiten Ausfahrt hatte ich die Klebetechnik dann soweit perfektioniert, dass nichts mehr verrutscht ist und ich sogar noch einigermaßen freie Sicht auf das Display hatte. Ich bin vorsichtshalber obenrum erstmal lang gefahren (mit einem kurzen Trikot unter dem langen) und untenrum kurz, denn an den Beinen wird es erst bei unter 10° ein bisschen frisch. Windweste ist übrigens absolut immer Pflicht und ich bin aufs Neue stockbegeistert von meiner Stevens-Santini-Windweste. Der endgültige Umstieg auf die Look Kéo-Pedale ist übrigens auch geglückt und es gab keine Pannen an dieser Front.

Die angesagte Tour war 80 Kilometer lang und sollte nach Famara gehen. Neben dem Guide D. war noch der zweite Guide F. mit dabei (der sein eigenes Rad mitgenommen hatte, da er bei neun Wochen auf Lanza doch auch einige Touren mit der eigenen Maschine machen wollte), sowie J. (der mir sein Hürzeler-Trikot vermacht hat) und ich glaube, dass R. auch mit dabei war. J. und R. waren beide aus der Schweiz und echte Kletterer. J. war ebenfalls am Sonntag angereist und R. bereits einen Monat auf Lanzarote und dementsprechend extrem braungebrannt, topfit, aber stellenweise auch ein bisschen müde (das äußerte sich dann einmal darin, dass er auf dem ersten Drittel einer Strecke alles gab und dann sagte, er sei müde und würde nach Hause fahren). Eine extrem sympathische Truppe und die erste Tour war zwar nur knapp 70 Kilometer lang, dafür aber ordentlich windig und eigentlich genau richtig zum Einrollen mit 800 Höhenmetern. Zumal es sofort wenige Minuten nach dem Start den ersten Anstieg am Golfplatz hochging – in diesem Moment war ich dankbar für die FTP-Intervalleinheiten mit ebenso kurzer Einrollzeit, die mein Coach mir in den Load Weeks vor Lanzarote auf den Plan gesetzt hatte. Zwischendurch haben wir einmal kurz Halt gemacht am Club La Santa und dort stand tatsächlich Michelle Vesterby vor den Toren und feuerte die Teilnehmerinnen an einem Frauentriathlon an, die aus dem Pool m Club mit den Rädern gelaufen kamen oder mit dem Rad zurückkamen und dann in Laufschuhen wieder aufbrachen. Sehr cool!

Nach einem Drittel der Strecke gab es auch einen ersten Kaffeestopp und 15 Kilometer vor Schluss nochmal einen Stopp bei Lolita in Arrecife – die wohl beliebteste Bäckerei mit mehreren Filialen und wirklich sagenhaft guten Kuchen. Ich hatte nur doppelte Espressi (alles auch wirklich günstig!), weil ich mir den Hunger für das Abendessen aufheben wollte… aber nach der Tour musste dann doch etwas Obst sein, weil ich natürlich noch eine kleine Runde schwimmen wollte. Zugegebenermaßen war die Hauptmotivation dabei die Aussicht auf ein wenig Bräune für die erschreckend blasse Haut, aber natürlich hatte ich auch Lust auf die Technikübungen in einem beheizten 50-Meter-Pool, während die Sturmböen über dem Kopf hinwegziehen. So richtig viel Kraft hatte ich natürlich nach der Ausfahrt und ohne adäquates Aufladen der verbrauchten Kalorien nicht mehr, aber Technikübungen gehen ja immer und andere Leute im Pool beobachten auch.

Am Dienstag im Prinzip erstmal dasselbe Spielchen wie am Montag: Stretching und eine Stunde Laufen (diesmal allerdings mit Cadence-Intervallen auf der Tartanstrecke und noch ein bisschen lockerer als am Montag), dann Frühstück und dann Treffen zur nächsten Radtour, Abfahrt um 10 Uhr. Davor musste ich aber erstmal sämtliche Sportprofile auf dem V800 neu anlegen, weil es mir die aus unerfindlichen Gründen zerschossen hatte. Ach ja, der V800 hat trotz genauester GPS-Einstellung massive Probleme damit, die Distanzen beim Open Water-Schwimmen korrekt zu berechnen. Soll heißen: Er berechnet sie nicht richtig. Teilweise misst er statt 50 nur 25 Meter und dann läuft der Meterzähler aber in den Ruhepausen weiter. Damit kann man definitiv so nicht arbeiten, aber ich kann das Ding auch nicht einschicken und acht Wochen ohne V800 trainieren (Leihgeräte gibt es natürlich nicht).

Die Dienstagstour hatte 80 Kilometer und 900 Höhenmeter, mit dabei waren diesmal auch A. (im ärmellosen Trikot, während der Rest überwiegend obenrum lang gefahren ist), sowie der Hürzeler-Mechaniker A. (der zuvor auf Mallorca bei Hürzeler war und auch wieder dorthin zurück möchte, weil er auch sagt, dass auf Lanzarote viel weniger los ist als auf Mallorca) und… ah, mein Namensgedächtnis… ich glaube, er hieß V., dessen Frau sich leider erkältet hatte, weshalb er mit unserer bunten Truppe (inklusive D., F., J. und auch R., denke ich) mitfuhr. Ich hatte auf jeden Fall weniger fitte Beine als am Vortag und bin an den Anstiegen hinterhergehinkt – gleichzeitig war das Tempo auch insgesamt etwas höher, weil ein paar der Jungs etwas Druck gemacht haben. Ich kann allein anhand von Lanzarote auch leider überhaupt nicht einschätzen, ob und wie viel ich stärker bin als Ende 2018, weil ich noch keine Vergleichswerte meiner üblichen Strecken im Münchner Umland habe… und das würde mich an der Stelle genau jetzt natürlich sehr interessieren. Diesmal hatte ich auch Kekse als Marschverpflegung dabei, weil ganz ohne Essen einfach in der Gruppe bei dem Dauerwind einfach nicht funktioniert.

Interessant ist auch immer zu beobachten, wie unterschiedlich die Ernährungsstrategien so sind. Von Pasta über zwei Stück Kuchen bis Riegel und Gels sieht man da wirklich alles. Der erste Stopp war in einem Café wieder nach rund einem Drittel der Strecke, dann zwischendurch zweiminütige Stopps und wieder der Abstecher zu Lolita nach Arrecife. Dort zeigte sich am Montag wie am Dienstag dann die Sonne von ihrer großzügigen Seite und belohnte uns mit ein paar schönen Strahlen. Nachdem ich mich Montag gar nicht und Dienstag nur sporadisch eingecremt hatte, hatte ich auf Stirn, Nase, Wangen und Handrücken auch einen ganz leichten Sonnenbrand, aber nichts Dramatisches. Und die Linie der Radhose oberhalb vom Knie war an Tag zwei bereits deutlich sichtbar – herrlich! Dafür war ich nach der Tour dann wirklich zu platt, um noch schwimmen zu gehen, aber das ist ja eigentlich auch nicht schlecht.

Für Mittwoch war dann keine Tour angesagt, da die Guides am Mittwoch und am Samstag frei haben, um entsprechend regenerieren zu können. Also bin ich wieder zu meinem kleinen einstündigen Lauf aufgebrochen, diesmal sogar mit einem kleinen Endsprint, weil die Beine auf einmal da waren… Davon war ich dann so überrascht, dass ich bei Punkt einer Stunde die Uhr angehalten habe, anstatt locker auszulaufen. Ich erinnere mich wirklich dunkel an Zeiten im Sommer als das Laufen sich easy angefühlt hat und meine Beine nicht bleischwer waren. Nach einem Low-Carb-Frühstück habe ich mich dann selbst aufs Rad geschwungen und bin 40 Kilometer sehr easy und entspannt gekurbelt. Zuvor hatte A. mir noch einen anderen Sattel verpasst, da der verbaute Fizik-Sattel und meine Weichteile miteinander nicht warm wurden (beim Satteltest kam ich mit Fizik auch nicht klar). Ich hatte ganz vergessen, wie schlimm sich das eigentlich anfühlt, wenn man auf einem Sattel fährt, der nicht zu einem passt. Merke: Nächstes Mal den eigenen Sattel mitnehmen.

Nach meinen gemütlichen 40 Kilometern (mit trotzdem 530 Höhenmetern, wo auch immer die herkamen) bin ich noch kurz 20 Minuten an die Strandpromenade geradelt und habe Fotos gemacht. Danach ging es dann für eine Doppelstunde in den Pool, um die versäumte Einheit vom gestrigen Tag nachzuholen und noch ein bisschen weiterzupaddeln. Wieder nicht optimal verpflegt und wieder mit quasi null Energie, aber trotzdem schön und ruhig und sonnig. Wenn man immer nur vormittags trainiert und dann direkt isst und den restlichen Tag nur noch arbeitet, dann ist diese Umstellung auf Training – Essen – Training – Training – spät Essen gar nicht so einfach, weil man, bzw. ich, nie so genau weiß, wie viel ich jetzt zuführen sollte und was mein Körper gerade braucht. Im Sommer bei den Abendausfahrten mit RRMUC war das kein so großes Thema, weil eine lange Pause zwischen dem ersten und dem zweiten Training war und ich immer genau nach dem Training essen konnte, anstatt noch ein paar Stunden bis zum Abendessen warten zu müssen. Aber woher soll ich auch die perfekte Ernährungsstrategie haben, wenn ich den Sport erst seit 40 Wochen betreibe? Da ist schon noch sehr viel Trial and Error in meinem Vorgehen, aber es macht Spaß und die Lernkurve ist nach wie vor sehr steil.

So viel also zum ersten Teil Lanzarote – nächsten Sonntag geht es weiter mit den restlichen Tagen und noch mehr Details zum Thema Biken mit RR und TT auf Lanzarote!

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