Projekt Iron(wo)man. Recap Woche 44: Bikefitting und ein Nicht-Triathlon-Virus

Okay, heute kommt endlich der Bericht vom doppelten Bikefitting im Münchner Radlabor. Und dann gibt es noch Neuigkeiten aus dem medizinischen Lager, denn neben dem normalen Triathlon-Virus gibt es da noch ein anderes Virus in meinem Leben, das glücklicherweise auch meinen aktuell eher desolaten Zustand erklärt. Wohoo!

Kann mal bitte jemand den Schalter für den Frühling auf AN stehenlassen und nicht dauernd wieder auf AUS stellen? Diese Wetterwechsel sind zu viel für mein zartes Gemüt, das mal wieder kurz vor dem Lagerkoller steht. Okay, wenn ich nicht zwei linke Füße hätte, könnte ich vielleicht Langlaufen (oder „Skaten“) gehen. Aber da das mit der Feinmotorik schon damals in der 7. Klasse im Skilager nicht meine Stärke war, bleibe ich bei weniger koordinativ anders herausfordernden Sportarten – genauer gesagt: beim Schwimmen, Radfahren und Laufen. Das macht man nämlich alles am Stück nacheinander, wenn man sich für das Gesamtpaket Triathlon entschieden hat. Und weil Triathlon alleine noch nicht verrückt genug ist, muss es natürlich für mich die Langdistanz der Ironman-Rennserie sein, auf die ich mich gerade seit geraumer Zeit und noch eine ganze Weile lang vorbereite. Wer jetzt erst durch meine phänomenale SEO-Strategie über diese Seite gestolpert ist, kann den Rest hier nachlesen: Woche 43, Woche 42Woche 41Woche 40Woche 39Woche 38Woche 37Woche 36Woche 35Woche 34Woche 33Woche 32Woche 31Woche 30Woche 29Woche 28Woche 27Woche 26Woche 25Woche 24Woche 23Woche 22Woche 21Woche 20Woche 19Woche 18Woche 17Woche 16Woche 15Woche 14Woche 13Woche 12Woche 11Woche 10Woche 9Woche 8Woche 7,  Woche 6Woche 5Woche 4Woche 3Woche 2Woche 1 und Tag 1.

Werbung, aber noch ohne Zeitmaschine

Wie üblich folgt an dieser Stelle eine dezente Werbeeinblendung: Triathlon ist ein kostspieliges Hobby und die Wunschliste für neue Anschaffungen wird nicht kürzer. Daher freue ich mich über jede Form von materiellem oder ideellem Support. Ein Klick auf das obige Bild führt zu meiner PayPal.me-Seite mit der Möglichkeit, mich mit einer Einmalzahlung flugs zu sponsern. Wer Lust hat, kann meinen Lagerbestand auf eBay reduzieren (ich habe auch noch haufenweise Einrichtungsgegenstände, die ich loswerden muss, damit die Wandhalterung für meine Rennmaschinen irgendwie in meiner Wohnung Platz hat), mir mit Material von meiner Amazon-Wunschliste aushelfen, über meine Amazon-Affiliate-Links Produkte für sich selbst kaufen (zum Beispiel die Cinelli x Chas Christiansen-Cap, die ich mir neulich gegönnt habe), mich als Freiberuflerin anheuern, meine Fragen auf Quora anklicken und beantworten, meinen Stevens-Crosser auf listnride ausleihen oder mit mir trainieren (in München oder sonstwo). Auf Wunsch namentliche Erwähnung (oder nicht). Besten Dank!

Ein paar Kalauer am Rande, denn es ist ja Fasching

Ich weiß, ich weiß. Im Rest der Republik ist natürlich Karneval, nur in Bayern ist eben Fasching. Es gehört zu meinen schönsten Kindheitserinnerungen, dass wir einige Jahre an Fasching durch das oberbayerische Land gezuckelt sind und bei diversen Faschingsumzügen Süßigkeiten ohne Ende abgegriffen haben. Das waren noch Zeiten! Heute müsste es da ernährungsphysiologisch gesehen ein bisschen gesünder zugehen, damit ich mich nochmal an den Straßenrand stellen würde. Wobei: Macht ein Faschingsumzug wirklich noch Spaß, wenn das Partyvolk Karotten oder Proteinriegel von den Wägen schmeißen würde? Das erinnert mich an den Gemüse-Adventskalender vom Postillon oder an die Rosenkohl-Schokokugeln, die ich zu Weihnachten bekommen habe. Schenkelklopfer! Ich bin auf jeden Fall gespannt, ob a) die Orkanböen die Faschingsumzüge wieder vom Winde verwehen wie letztes Jahr und b) es mich morgen früh wegweht, wenn ich mit dem RR durch die Stadt stöpseln muss. Falls es nächsten Sonntag also keinen Beitrag gibt, hat mich ein Orkan nach Hawaii transportiert und da habe ich dann wirklich Besseres zu tun als zu bloggen. Zum Beispiel meine (gestern und heute vernachlässigte) Meditationsroutine um die hawaiianische Philosophie der sieben Prinzipien von Huna erweitern. Oder so. Lustiger als die Vorstellung von mir im Hularöckchen ist dieses Video eines sächsischen Bikepackers am Passo di Tremalzo: „Ich könnt‘ kotzen…“. Oder dieser formschöne Bikehelm im Lego-Hair-Design, den ich mir auf jeden Fall kaufen würde, wenn er etwas aerodynamischer wäre. Dieses Video zeigt, dass das Rollentraining im Winter tatsächlich nicht umsonst ist, weil man am Ende nicht nur freihändig fahren, sondern auch freihändig Geige spielen kann. Mal sehen, welches Instrument ich am Ende des nächsten Winters werde spielen können, wenn ich mir auch endlich eine Rolle zugelegt habe und ausgiebig gezwiftet haben werde. Das hat allerdings noch einen anderen Grund, aber auf den komme ich später im Review der Trainingswoche noch kurz zurück.

Ah, wir haben nochmal Hawaii im Programm: Im Podcast Carbon & Laktat von tri-mag.de sprachen Frank und Simon am 12. Februar von dem „Monster Mango Triathlon“ – eine Langdistanz, hauptsächlich von Einheimischen für Einheimische, die im Februar teilweise auf den Strecken der Ironman-WM stattfindet. Wenn man nicht ein eigenes Support-Team mitnehmen müsste, wäre das eigentlich die Gelegenheit, auch ohne Quali auf Hawaii (zu klimatisch weitaus angenehmeren Bedingungen) ein Rennen zu absolvieren. Wir (äh, ich) behalten es mal im Hinterkopf – vielleicht findet sich ja eine Crew, die Lust hat auf den Spaß?

Ansonsten verabschieden sich sowohl Bekannte von RRMUC als auch Triathlonbekannte momentan allesamt nach und nach in diverse Trainingslager. Da kommen bei mir natürlich sofort ein bisschen Neid und sehr viel Fernweh hoch (und ein bisschen excited bin ich auch immer für alle, die von ihren TLs erzählen, weil ich mich ja doch mitfreue, wenn jemand ein TL vor sich hat, bei dem er oder sie richtig reinhauen kann). In einer Facebook-Gruppe für Triathleten gab es da neulich auch eine Diskussion zum Thema Trainingslager und Regeneration (die ich ja in meinem TL auf Lanza komplett außen vor gelassen habe und dafür dann ja auch „körperlich“ bestraft wurde, haha). Einerseits interessant, wer da so auf welche Präparate schwört; andererseits interessant, welche Nahrungsmittelkombination wann wo und wie angewandt wird und drittens musste ich beim Lesen mal richtig heftig lachen, weil einer da von „Nachkriegsfutter“ gesprochen hat, aka das, was sich Triathleten direkt nach dem Training reinziehen, um die Speicher wieder aufzufüllen. Auf Lanza war im Hotel auch so eine Kandidatin, die abends das Dessertbuffet ziemlich leergeräumt hat (Schokobrunnen, Törtchen, Eis, Cremes – alles, was lecker ist) und eigentlich habe ich sie gefeiert, weil so richtig über die Stränge schlagen im Leben oft viel zu kurz kommt.

Archivbild von einer Ausfahrt mit S. – so schön kann Rennradln in heimischen Gefilden sein.

Aber apropos Trainingslager: Nachdem ich Ende April eine Woche lang auf einer schönen Azoreninsel verweilen werde und dort nicht primär trainieren werde, will ich die zwei Wochen davor ein Trainingslager at home durchziehen – erstens, damit der Turnus von Load Weeks und Recovery Week danach dann wieder stimmt, zweitens, weil im Mai ja die Wettbewerbe losgehen und drittens, weil… ich’s kann? Immer vorausgesetzt, dass das Wetter mitspielt und wir keinen Kälteeinbruch mit Schneestürmen bekommen. Und vielleicht kriege ich es dann sogar hin, mich nicht innerhalb von fünf Tagen komplett abzuschießen, sondern ein ordentliches TL mit ausreichend Regeneration durchzuziehen. Das wird schön!

Außerdem will ich zu der Gelegenheit auch einmal in die Höhenkammer, nachdem ein Bekannter aus dem Gym mir bei einer der zahlreichen etwas faden Spinning-Sessions vorgeschwärmt hat, wie gut das Höhentraining bei ihm angeschlagen hat. Bei Globetrotter gibt es eine, aber das Schnuppertraining ist erstens im Mai und zweitens schon ausgebucht. Ich liebäugle momentan mit der Höhenkammer bei Hypoxicum, in der man sowohl passiv als auch aktiv trainieren kann. Was es nicht alles gibt und wofür man nicht alles noch mehr Geld ausgeben kann als man ohnehin schon ausgibt. Hurra.

Die doppelte Ladung Bikefitting im Radlabor in München

Bikefitting ist im Prinzip nichts anderes, als dass man das Rad passend macht zum Radler, oder zur Radlerin. Natürlich braucht man dieses Tamtam nicht, wenn man eben mal mit dem Hollandrad / Fixie / Singlespeed / whatever-Hipster-Untersatz von der Buddha Bowl zum Kale-Smoothie saust. Aber wenn man im Triathlon ordentlich kurbeln will, ohne sich dabei Knie, Rücken, Nacken oder Gesäß zu ruinieren, dann sollte man das durchaus mal in Erwägung ziehen. Natürlich kann man das auch irgendwie selbst mit YouTube machen und natürlich kann man dafür auch jede Menge Geld mit tausend Analysen ausgeben – die sinnvolle Variante liegt wohl irgendwo dazwischen. In meinem Fall bestand sie darin, im Radlabor in München eine Sitzpositionsanalyse auf dem Pro-Level zu machen. Pro deshalb, weil sich der Preis dank meiner Teilnahme an der Sattelstudie im Januar drastisch reduziert hat und auch deshalb, weil in der Pro-Analyse speziell auf die körperlichen Aspekte des effizienten Fahrens auf dem TT/Triathlonrad eingegangen werden kann. Das ist nämlich alles nicht ganz ohne.

Nach Lanzarote bin ich Anfang Februar also mit meinem (fast) blitzblank geputzten FELT TT ins Radlabor gefahren (ja, mit der U-Bahn, denn es lag an diesem Tag mal wieder Schnee…) und musste eigentlich nichts machen, außer ein bisschen pedalieren und jede Menge Fragen stellen. Na gut, ganz so einfach bin ich doch nicht davongekommen. Bei der Sattelstudie gab es schon einmal eine Körpervermessung und eine Beweglichkeitsanalyse, bei dem Fitting kam jetzt noch ein kleiner Athletiktest hinzu mit Squats (wie tief und sauber?), Balanceübungen (die ich jetzt auch brav 3x pro Woche mache) und noch weiteren fiesen Dingen, um festzustellen, wie schlimm es um meine Dehnbarkeit und Stabilität bestellt ist (bis auf die Squats gar nicht so schlimm – ja, da ist einiges verkürzt bei mir auf der Rückseite).

Bei der Körpervermessung ist ansonsten herausgekommen, dass meine Beine im Verhältnis zu anderen Frauen 0,6cm länger sind, mein Oberkörper dafür ein paar Millimeter kürzer und – jetzt kommt’s – meine Arme ganze 2,3 Zentimeter länger! Ich schleife quasi beim Gehen mit den Armen schon fast über den Boden, so lang sind die! Großartig! Und dann durfte ich mich noch auf ein Fußmessgerät stellen, um festzustellen, wie ausgeprägt mein Senkspreizfuß eigentlich ist. Et voilà:

Das, was links fehlt (z.B. der große Zeh), ist auf der anderen Seite deutlich abgebildet und vice versa. Das sind orthopädisch gesehen leider keine Bilderbuchfüße, aber auch da lässt sich natürlich noch was machen. Die Look-Pedalplatten sind bei der Sattelstudie ja schon perfekt passend auf meine noch relativ neuen Tri-Schuhe geschraubt worden und fühlen sich super an. Zusätzlich haben wir dann noch Einlagen in die Schuhe reingepackt, denn: Wenn der Fuß nicht ordentlich im Schuh sitzt, geht beim Treten Kraft verloren! Und mit den Einlegesohlen ist mein Fuß perfekt versorgt. Wieder was gelernt – so wie auch ansonsten ungefähr eine Tonne Informationen, die mein Gehirn hoffentlich auch allesamt korrekt verarbeitet & abgespeichert hat.

JA, die Flasche gehört da natürlich so nicht hin!

Zuvor ist mein FELT auch schon vermessen worden, so dass man beim Kurbeln auf der Rolle die Eingangswerte und die Empfehlungen für bestimmte Einstellungen gegenüberstellen konnte. Für das FELT haben wir die Einstellung „Langdistanz“ gewählt, also sportlich, aber trotzdem noch ein bisschen komfortabel, damit man 180 Kilometer auch irgendwie überlebt (zum Thema „komfortabel auf dem Tribike“ nachher auch nochmal kurz zwei Worte). Der Sattel wurde dann so verstellt, dass sämtliche Parameter wie Sitzkomfort, Kniewinkel, Hüftwinkel, Abstand vom Knie zum Trilenker in der Aero-Position gestimmt haben; insgesamt ging es ein kleines bisschen weiter nach unten und… ich weiß tatsächlich nicht mehr, ob nach vorne oder nach hinten. Das kommt davon, wenn man drei Wochen verstreichen lässt, bevor man mal darüber schreibt. Oder es ist der beginnende Alzheimer. Wie heiße ich nochmal? Was mache ich hier? Ahh!

Beim Lenker wurde es dann ein bisschen tricky. Die Vorgabe war, dass der Winkel zwischen Unter- und Oberarm stimmen muss, dass der richtige Teil des Unterarms auf den Auflieger aufliegt, dass ich die Hörnchen bequem greifen kann, UND dass das Raumschiff zwischen den Hörnchen Platz hat, das seit letztem Jahr in meiner „Triathlon-Zubehör-Kiste“ auf seinen Einsatz wartet. Mit Raumschiff meine ich das Trinksystem FC35 von Profile Design („mit Feuchtigkeit“, haha, Amazon), allerdings natürlich in Schwarz. Ich habe es damals einfach nicht hinbekommen, das Ding ordentlich zwischen den Hörnchen festzuschrauben – aber mit ein wenig Gefrickel haben es die Profis glücklicherweise hinbekommen. Ein bisschen Platz für meine Unterarme ist da dann auch noch, hurra. Ansonsten wurden die Hörnchen ein bisschen weiter nach oben gestellt, damit ich insgesamt flacher sitze und den Kopf besser zwischen den Schultern verstecken kann. Theoretisch zumindest.

Interessant dabei ist auch immer die Videoanalyse mit Vorher-Nachher-Bildern. Die Wand, vor der man gefilmt wird, hat Markierungen wie eine Messlatte, so dass man sieht, wie viel höher / tiefer man jeweils sitzt. So riesengroß ist der Unterschied rein in Bezug auf die Höhe nicht, aber dafür stimmt jetzt das Gesamtpaket (insbesondere die Sache mit den Knien) – und ein Spacer ist nach wie vor zwischen Rahmen und Aufsatz, so dass man auch noch aggressiver fahren könnte, wenn man wollte.

Und am Ende sieht das mit dem Spaceship dann so aus:

Großartig! Jetzt fehlt eigentlich nur noch ein Flaschenhalter für den Sattel und vielleicht eine Bentobox für das Oberrohr und schon wäre das Setup zumindest mal mitteldistanztauglich. Apropos: Die Strecke im Kraichgau werde ich auf jeden Fall vorab mal irgendwann einsam, heimlich, still und leise probefahren, damit ich weiß, was da auf mich zukommt. Ich freu mich schon!

Eine Woche später stand dann die zweite Runde Bikefitting mit dem RR an. Diesmal lag KEIN Schnee und todesmutig bin ich dick eingepackt (viel zu dick eingepackt) mit meinem Arcalis die paar Kilometer ins Radlabor gestöpselt. Das war dann quasi meine erste Draußenradfahrt in München im Jahr 2019. Wohoo!

Alles begann wieder mit demselben Spielchen wie in der Woche zuvor: Pedale austauschen (SPD gegen Look Kéo – nachdem ich es selbst zeitlich und materialtechnisch mangels Fett davor nicht hinbekommen habe, so viel zu „selbst ist die Frau“), Rennrad vermessen, tausend Fragen stellen. Wir mussten dann leider sogar zweimal vermessen, weil ich Heldin vergessen hatte, vor dem ersten Vermessen den neuen Sattel zu zücken. Ich habe mich aufgrund des Ergebnisses der Sattelstudie ja dafür entschieden, den Specialized Power Expert with Mimic auszuprobieren und den SQlab 612 auf den Crosser zu packen, damit ich den Nicht-Ergowave-SQlab vom Crosser wieder zu Geld machen kann. Braucht jemand einen soliden Sattel ohne Schnickschnack? Bitte gerne melden!

Das RR-Fitting hat letztendlich sogar fast länger gedauert als das TT-Fitting. Erstens ist der Specialized-Sattel aufgrund der fehlenden Nase etwas kürzer und dementsprechend mussten die angezeigten Werte der empfohlenen Einstellungen etwas nachkorrigiert werden. Zweitens mussten wir – neben der Sache mit dem Knie etc. – auch einen guten Kompromiss zwischen Langstreckenfahren und sportlichem Fahren finden. Dabei ist sogar mein großer Wunsch in Erfüllung gegangen, vorne eine Etage tiefer zu fahren – also kam quasi einer von zwei Spacern vorne raus und daher kam der Sattel wieder ein bisschen weiter nach hinten, denn: tief und lang oder hoch und kurz, das waren glaube ich die beiden Optionen, die Patrick (der übrigens auch in einigen YouTube-Videos bei vit:bikes viele Tipps und Infos zum Thema Bikefitting gibt und der sehr akribisch alles nachgemessen hat, was wir an meinem RR so verstellt haben – fand ich richtig gut) für die Sitzposition aufgezeigt hat. Ansonsten haben wir festgestellt, dass mein Vorbau schon relativ lang ist, es also gar nicht so einfach werden würde, noch tiefer und sportlicher zu fahren, weil ein noch längerer Vorbau für Instabilität beim Lenken sorgen würde und der Sattel noch weiter hinten dann wieder nicht mit der Knieposition zusammenpassen würde. Tendenziell heißt das, dass der 58er Rahmen des Arcalis zu klein wäre, wenn ich noch sportlicher fahren wollen würde.

Ich hoffe, dass ich das jetzt alles auch richtig wiedergegeben habe – faktische Fehler sind bitte der Autorin anzulasten, nicht dem Bikefitter! Auf der Rückfahrt habe ich mich dann natürlich auch schon gleich viel sportlicher gefühlt. Ich bin gespannt, wie lange die Gewöhnungsphase dauert, wie oft ich werde fluchen müssen, weil mein Rücken noch nicht mitzieht und wie sich überhaupt die erste Fahrt draußen anfühlen wird. Mein wintergeplagter Körper ist von der Position auf dem Spinningbike tatsächlich so verwirrt, dass das wohl erstmal nicht so spaßig werden dürfte. Aber ich wollte ja eine sportlichere Position, also kann ich das auch durchziehen, bis es besser wird. War ja zu Beginn auf dem Crosser / Rennrad / TT auch nicht anders, als ich meine Sitzposition noch selbst zusammengeschustert habe.

Ist der neue Sattel nicht absolut putzig?

Summa summarum: Tolles Bikefitting im Radlabor – und ein Booklet mit Übungen für Mobilität / Stabilität / Balance gab es auch noch dazu, denn auch die Dehnfähigkeit bestimmter Körperpartien entscheidet darüber, wie sportlich man sitzen und wie kraftvoll man kurbeln kann. Alle Daten sind online in meinem Profil dort gespeichert, ausgedruckt hat man mir sie auch (falls das Internet mal spontan zusammenbricht, man weiß ja nie) und wenn Probleme sind, kann ich einfach wieder hinstöpseln. Definitiv eine sehr sinnvolle Investition und ein extrem nettes Team dort, bei dem ich mich sehr gut aufgehoben gefühlt habe!

Jetzt wird’s viral: Das Epstein-Barr-Virus (EBV) und ich

Es wäre mir zwar lieber, dass das Triathlon-Virus der einzige permanente Gast in meinem System wäre (oder dass ich mal 5 Minuten Internet-Fame kriege, weil irgendwas von mir „viral geht“), aber das Leben ist ja kein Ponyhof, n+1 ist immer die beste Anzahl an Rädern, die man haben kann, und Viren sind beschissene Arschlöcher, die sich ungefragt da breit machen und melden, wo man sie überhaupt nicht brauchen kann. So. Wie komme ich jetzt darauf? Kurzes Recap: Ich bin seit Januar im Training eher schwächer als stärker geworden und ich habe seit Ende Oktober kein Gramm abgenommen, obwohl ich ernährungstechnisch (fast) alles richtig mache. Außerdem wache ich nach 8 Stunden Schlaf so auf, als hätte ich überhaupt nicht geschlafen, bin seit Wochen semi-verschnupft, aufgequollen, meine HF ist erhöht und alles ist dreimal so anstrengend, wie es eigentlich sein sollte. Die Thematik abrupter Leistungsabfälle und seltsamer Krankheitssymptome begleitet mich schon seit sehr, sehr vielen Jahren und begann in einer Zeit, in der ich eigentlich fast gar keinen Sport gemacht habe. Außerdem ist mein Herz OK, so dass Übertraining ziemlich schnell vom Tisch war.

In den letzten Jahren habe ich immer mal wieder Versuche gestartet, der Sache auf den Grund zu gehen, aber dabei kam nie etwas heraus – bis letzte Woche, denn meine großartige Endokrinologin hat in meinem Blut ein paar Sachen testen lassen, die bis dato nicht getestet worden waren. Und siehe da: Wir haben eine Diagnose! Und zwar eine, zu der all meine seltsamen Symptome der letzten drölfzig Millionen Jahre passen. Die Rede ist von EBV, vom Epstein-Barr-Virus. Es gehört zu den humanen Herpesviren (nein, nicht jedes Herpesvirus macht diese Herpesbläschen am Mund) und 98% aller Menschen sind damit infiziert. Bei vielen schwimmt es einfach munter durchs Immunsystem und macht gar nichts. Bei manchen verursacht es nach der Erstinfektion Pfeiffersches Drüsenfieber – so auch bei mir irgendwann in der Jugend. Und bei einigen Menschen ist das Virus dermaßen hartnäckig, dass es sich phasenweise immer mal wieder reaktiviert und allerlei seltsame Sachen im Körper anstellt. Erstens lässt es das Immunsystem auf Hochtouren laufen (und zwar jedes Mal aufs Neue, weil es sehr wandlungsfähig ist, daher auch die Symptomvielfalt), zweitens legt es einen damit für die Dauer des Schubs ziemlich lahm und drittens kann es auch – zumindest wahrscheinlich, denn so richtig gut beweisen kann man das nicht – ungefähr unendlich viele andere nette Nebeneffekte haben, von CES bis hin zu lustigen Autoimmunerkrankungen, die kein Mensch haben will und braucht. So. Und ich bin quasi aktuell wieder in so einem Schub und frage mich, wie lang der Scheiß wohl noch dauern wird.

Ich habe mich mit einigen Triathletinnen und Triathleten über Facebook unterhalten, die auch so ein feines Arschloch-EBV haben und bei einigen kommen immer mal wieder Schübe (vor allem dann, wenn das Immunsystem durch Stress oder eine Erkältungswelle etc. ohnehin schon angegriffen ist) und bei manchen verursacht es einmal eine richtig fiese Krankheit, die dann entweder besiegt wird oder eben bleibt und chronisch wird. Ich habe nächste Woche gleich zwei Termine bei Infektiologen in Kliniken – einmal an der LMU und einmal an der TU – und bin gespannt, was man mir dort dann sagen wird, denn eine Universaltablette gegen das Virus gibt es natürlich nicht. Der Schlachtplan sieht daher wie folgt aus: a) so normal wie möglich weitermachen, auch trainieren, aber eben nur so intensiv wie mein Körper es zulässt (nächste Woche ist ohnehin Recovery Week); b) den aktuellen Schub beenden; c) dafür sorgen, dass der Quatsch nicht nochmal passiert. Wie immer bei egal was auch immer fuchse ich mich natürlich sofort knietief in die Thematik rein und habe einige Videovorlesungen eines Neurostress-Arztes und -Privatdozenten auf YouTube gefunden, der über Diagnose und Behandlung von EBV und anderen ähnlichen Viruserkrankungen berichtet. Ich verstehe zwar nur zwei Drittel, aber zu dem Arzt würde ich auch noch gerne gehen. Und dann natürlich das, was ich über EBV so lernen werde, in irgendeiner Form als Text aufbereiten und hier online stellen, damit es vielleicht für andere auch noch nützlich sein kann.

Insgesamt ist es aber eine riesengroße Erleichterung, dass ich weiß, was los ist und dementsprechend meinen Körper besser verstehen kann. Als ob ich mir von so einem Scheißvirus den Spaß am Triathlon vermiesen lassen würde.

Am Donnerstag hatte ich auch noch ein Fitzelchen Energie übrig hatte, um mit dem Tribike knapp eine Stunde nur ein bisschen durch die Gegend zu sausen – am Di und Mi wäre das Wetter auch schon schön genug gewesen, aber ich war einfach platt, Virus sei Dank. Arschlochvirus. Am Donnerstag jedenfalls habe ich mich aufs Bike geschwungen… und erstmal richtig gekotzt. Heilige Scheiße, tut mein Nacken weh! Ich konnte die Aeroposition gerade mal fünf Minuten am Stück halten. Definitiv ein Grund dafür, sich für den nächsten Winter eine Rolle zu besorgen, um dann nicht nochmal bei Null anfangen zu müssen. Das wird in den kommenden Wochen bestimmt lustig – aber irgendwann wird es wieder geil sein ohne zu schmerzen und den Moment werde ich feiern.

Ja, ich sehe echt begeistert aus. Haha. Aber immerhin mit neuer Cap!

In diesem Sinne gute Nacht und gute Woche von meinem EBV und mir; die explodierte Lizza-Sache und den zweiten Kürbiskuchenversuch verschieben wir auf nächste Woche.

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