Projekt Iron(wo)man. Recap Woche 6 – wir nennen es „aktive Regeneration“.

Wir nennen es aktive Regeneration

Man kann ja nicht jede Woche Höchstleistungen erbringen, richtig? Irgendetwas hat mich zwischen Teneriffa und München auf jeden Fall frontal erwischt, so dass ein Großteil der Woche eher als aktive Regeneration zu verbuchen war und keine neuen Höchstleistungen brachte. Wobei: So ganz stimmt das nun auch wieder nicht.

Vorab wieder meine kleine Warnung für diejenigen, die erst heute zufällig irgendwie auf meine Seite gelangt sind: Ich habe mir in den Kopf gesetzt, einen Ironman zu absolvieren und bringe meine wirren Gedanken dazu in Satzmonstern einmal pro Woche zu Papier. Hier geht es zu Woche 5, Woche 4, Woche 3, Woche 2, Woche 1 und Tag 1. Mich bezahlt (leider) niemand dafür und ich habe keinen dogmatischen Tiptop-Trainingsplan, dem ich religiös folge, aber dafür viel Spaß bei der ganzen Chose.

In Ermangelung eines richtigen Kleiderständers oder eines Sofas (ich habe wirklich keines!), habe ich es mir in den letzten Wochen angewöhnt, meine Sportklamotten für die diversen Aktivitäten an meinen Türen aufzuhängen. An der Wohnzimmertür hängt aktuell der Bikini samt Schwimmbrille und großem Handtuch, sowie k1x-Shorts (ich mag die Muster und es ist mir piepegal, dass das Basketballshorts für Männer sind) und ein Shirt zum Drüberziehen. Da der Pool im Gym aktuell noch aufgrund der jährlichen Reinigung gesperrt ist (und – Überraschung! – auch noch ein paar Tage länger als geplant nicht zugänglich sein wird), weiche ich aktuell ins von I. liebevoll „Prinzi“ getaufte Prinzregentenbad (klingt etwas mondäner) aus. Zum Schwimmen bin ich eigentlich lieber im Speedo-Badeanzug unterwegs (ich liebe die Farben und die Muster! Hoffentlich geht er bald kaputt, damit ich einen Grund habe, einen neuen zu kaufen), aber wenn man schon mal draußen schwimmt, dann doch bitte so, dass möglichst viel Haut ein bisschen Farbe bekommt. Die Bikini-Bräunungsstreifen sind doch noch eine Ecke schicker als die vom Radtrikot, sorry lieber A.! Wie wir alle wissen, ist Sonnenexposition ja auch in gewisser Weise aktive Regeneration, da der Körper die Vitamin D-Speicher auffüllen kann. Gemessen an meiner Sonnenkontaktrate dieses Jahr müsste mein Körper eine einzige Vigantolette sein… außerdem tut das Schwimmen im Prinzi wirklich gut, zumal das Wasser auch etwas kühler ist als unsere Gym-Badewanne (wobei ich Warmduscherin nichts dagegen habe). So langsam mache ich mir allerdings doch Sorgen, wie das dann wohl ist, wenn ich am Wettkampftag morgens in ein kaltes Gewässer watscheln muss – ich werde es hoffentlich Mitte Juli in Karlsfeld herausfinden. Jedenfalls hängen die Badesachen visuell optimal platziert genau in meinem Sichtfeld, so dass ich nicht auf die Idee komme, nicht schwimmen zu gehen.

An der Schlafzimmertür hängen dann die Outfits fürs Gym (Laufband, Krafttraining, Spinning, Crosstrainer – all die oft von Draußensportlern belächelten Foltergeräte, aber ich mag mein Gym und die Leute dort) und die Outfits fürs Radeln. Im Gym folge ich dem absolut angesagten Minimalismus-Modetrend und habe meine „Uniform“ an – sprich: immer dieselbe Hose (nein, nicht die ganz selbe Hose, ich habe mehrere davon im Sale ergattert) und dieselben Tops in drei Farbvarianten (auch im Sale en masse gekauft). Das Höchste der Gefühle sind dann farblich unterschiedliche BHs und die Wahl zwischen Kniestrümpfen oder Socken plus Calf Sleeves (klingt besser als Stulpen). Diese Woche hatten meine bereits erwähnten Lieblings-Stulpen von CEP in neongrün Premiere – macht sich toll morgens an der Isar und sie fühlen sich wie gewohnt super an, da fängt die Regeneration gefühlt schon beim Laufen an. Na gut, gegen schwere Beine helfen sie auch nicht, aber was hilft da schon. Bei den Schuhen bin ich seit dem Schienbeinkantensyndrom vor etwas mehr als einem Jahr auch konservativ und laufe nur noch auf Brooks – Launch, Ravenna und Ghost GTX für draußen. Visueller Input:

Calf Sleeves mit Kompression fördern die Regeneration beim und nach dem Laufen

Ich weiß, das mit den Selfies habe ich noch nicht so ganz drauf.

Beim Thema Radoutfit hat sich auch endlich etwas getan. Ich war bis vor anderthalb Wochen eigentlich ziemlich begeistert von meinen Skins Bib-Shorts, die ich für einen unschlagbar günstigen Preis ergattert habe (und zwar natürlich auch mehr als ein Paar). Allerdings haben mittlerweile alle Hosen Löcher an den Innenseiten der Oberschenkel (nicht an den Nähten) und der Skins-Schriftzug bröckelt ab. Man bedenke, dass ich ungefähr genau seit dem 19. April dieses Jahres Rennrad fahre und somit die Hosen erst seitdem trage. Wow. Damit erklärt sich auch, warum die so günstig waren. Ein bisschen blöd war daran ohnehin, dass die Saumabschlüsse am Oberschenkel presswurstartigen Druck auf ebendiese ausgeübt haben, sprich: Es sah scheiße aus. Ich dachte, es läge an meinen dicken Oberschenkeln, aber – und jetzt kommt die erleichternde Erleuchtung – es lag an den schlecht konzipierten Hosen. Ein anderes Modell von Skins sitzt nämlich so, wie eine Radhose sitzen soll: eng, aber nicht Presswurst. Und – oh Wunder! – auch die zwei bei C. mitbestellten Bibs von Alé sitzen so, wie sie sitzen sollen. Großartig! Damit bin ich jetzt vollumfänglich ausgestattet. Höchstens bei Pedalen und Schuhen muss ich noch einmal in die Tasche greifen, aber jetzt kommt erst einmal der SKS Rennkompressor (nachdem meine Beto-Standpumpe laut A. für die Tonne ist, aber auf eBay Kleinanzeigen will sie hoffentlich bestimmt jemand). Dabei gibt es so schöne Trikots! Der Vorteil beim Erwerb von neuer Sportkleidung ist, dass man kein Geld mehr für normale Kleidung hat (die man ja meistens tatsächlich nicht braucht, im Gegensatz zur Sportkleidung), also bereue ich erstmal nichts. Der Spendenaufruf im Blog kommt übrigens dann, wenn ich kein Geld mehr für Riegel & Gels für die langen Ausfahrten habe.

Apropos lange Ausfahrten. Leider ist der Fotoversandbeauftragte des RSV Moosburg bis Ende Juni abwesend, so dass es noch kein weiteres glorreiches Foto von meiner radelnden Person gibt. Ist nicht das Ende der Welt, so hübsch sehe ich auf dem Rad nun auch nicht aus. Abgesehen von der anstehenden Wendelstein-Rundfahrt und der kleinen Arber-Strecke beim großen Arber-Marathon wäre es für die nächsten Wochen und Monate erstrebenswert, zumindest eine pervers lange Ausfahrt pro Woche zu machen. Pervers ist natürlich relativ, aber ich denke pervers fängt bei 180km an. Nachdem C. das ja ohnehin schon vorhat, sind wir auf ein paar nette Ideen gekommen: eine Ausfahrt in der kürzesten Nacht des Jahres (huch, die ist schon am 20. Juni), eine in der längsten, eine an Weihnachten… Man feiert die Feste eben, wie sie kommen. Auf die Night Rides bin ich auf jeden Fall gespannt und auch auf alle richtig langen Touren, die da noch kommen. Am 23. Juni wäre passend dazu so ein toller Event in den Dolomiten (Sellaronda Bike Day), aber so ganz ohne Plan(ung) (bzw. ohne den Superhelden A. mit dem Plan) funktioniert das wohl nicht.

Äh, Sekunde, eigentlich wollte ich über etwas anderes schreiben. Wo waren wir? Ah – bei der Regeneration und bei dem, was mich irgendwo frontal zwischen Teneriffa und München getroffen und aus der Bahn geschleudert hat. Ich vermute, dass es der Rückflug samt verschlepptem Schlafdefizit gewesen sein könnte. Am Montag auf Teneriffa bin ich nochmal 20km Rampen rauf und runter gelaufen, wobei sie mir ehrlich gestanden auch schon ziemlich zum Hals raushingen – und das, obwohl ich nochmal eine neue gefunden habe. Aber Rampe ist eben Rampe. A change of scenery wäre schön gewesen, also war ich gar nicht so böse, dass Montag der letzte Tag war und es zurück nach München ging. Das hat mich zwar nicht davon abgehalten, am Flughafen direkt noch nach neuen Reisezielen zu suchen, aber zuhause ist es doch auch sehr schön. Auf dem Flug zurück (im freaking hässlichsten Flugzeug überhaupt – sorry, Condor, ich finde den Gedanken mit der Hommage ja toll, aber schön ist es trotzdem nicht) konnte ich trotz Schlafmaske und Ohrenstöpseln (ja, manchmal braucht man so etwas) aufgrund der Ohrenstöpsel durchdringenden Stimme eines Mitfliegers in der Reihe hinter mir nicht ganz so gut schlafen wie gedacht. Ganz davon abgesehen, dass meine Beine nach einer halben Stunde im Flugzeugsitz sowieso schon genug haben (habe ich schon einmal erwähnt, dass ich 1,85m groß bin?). Vielleicht hätte ich mich sinnlos besaufen sollen, aber Alkohol gibt es bei mir nur zu besonderen Anlässen (hört, hört, Nachtigall, ich hör dich trapsen und sage: siehe unten) und hilft sowieso nur beim Einschlafen, nicht beim Durchschlafen. Als ich irgendwann nach ein Uhr morgens zuhause war, waren meine Beine entsprechend hibbelig, so dass ich noch etwas aufgeräumt und die Sporttasche für den nächsten Tag gepackt habe.

Der Wecker klingelte schließlich um 5:30, da kenn ich nix, aber natürlich war das Training nach nur vier Stunden Schlaf auch nicht so toll. Die GA1-Ausfahrt am Abend mit C. war dann aber sehr schön, obwohl ich müde war: GA1 geht eben immer (dieser Satz kommt heute noch einmal, versprochen). Interessanterweise lag ich fast konstant 10 Schläge unter ihm (mein Ruhepuls ist bei 55, also quasi halbtot) – aber natürlich habe ich immer noch keine Leistungsdiagnose gemacht und verlasse mich bei den Herzfrequenzzonen auf das, was der V800 mir so angibt. Auf jeden Fall war ich dann nach der Ausfahrt um 21:30 wieder so wach, dass ich es nicht vor 23 Uhr ins Bett geschafft habe – folglich habe ich das Schlafdefizit am Mittwoch auch noch im Gym und im Schwimmbad mit mir herumgeschleppt. Ärgerlicherweise ist am Mittwoch dann mal wieder die Welt untergegangen und die Gewitterwarnung kam, als ich gerade noch 450 Meter zu schwimmen gehabt hätte für die vollen 4km, also fiel der 4km-PR aus und die geplante Ausfahrt auch (ich wollte alleine nach Schäftlarn und den Berg endlich zum zweiten Mal mit der geballten Trainingspower der vergangenen Wochen mit etwas mehr Würde hinaufkeuchen). Dasselbe Spielchen, Verabredung am Abend, den aus Teneriffa mitgebrachten Rum aufgemacht (jaja, kein Alkohol) und zack, schon ist es 22:30 und wieder nicht genug Schlaf. Dabei ist Schlaf so wichtig für die Regeneration!

Die Panda-Augen verschwinden glücklicherweise mit der Regeneration

Toll: Pandaaugen in schwarzweiß mit Filter. Wie war das mit dem Selfie nochmal? Man beachte bitte auch das tolle Muster des Bikinis, das sich bis jetzt aber leider noch nicht als Bräunungsgitter abzeichnet. Ich arbeite daran!

Seit ein paar Jahren habe ich außerdem eine äußerst putzige, aber nachtaktive Amsel auf meinem Balkon (vielleicht mittlerweile auch ein Sprössling derselben), die momentan bis nach Mitternacht tiriliert und weit vor fünf Uhr morgen. Und das mit einem Elan, dass ich manchmal Angst habe, sie fällt von der Brüstung wenn sie sich so aufplustert und herumhüpft. Nachdem genau das in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch schon passiert war, schlafe ich seitdem jetzt auch zuhause mit Ohrenstöpseln. Ich weiß nicht, ob meine aktuell seltsamen Träume vielleicht damit etwas zu tun haben könnten, aber es würde mich nicht wundern. Momentan wundert mich sowieso entweder gar nichts mehr oder alles auf einmal (so wie heute der Mann, der um 8 Uhr morgens regungslos mitten auf dem Gehsteig stehend ein Croissant gekaut und gedankenverloren auf sein Handy gestarrt hat). So. Wo war ich? Ach ja, Donnerstag. Manchmal sorgt so ein Schlaf- oder Energiedefizit bei mir dann dafür, dass ich mir eine schöne Extraherausforderung bastle, nach dem Motto: jetzt erst recht. Also bin ich am Donnerstag nach den zwei nötigen Laufpause-Tagen morgens 21,5 auf meiner Lauf-„Strammstrecke“ entlang der Isar gelaufen; davon 21,1 in einer Stunde  und 58 Minuten. Der Lauf war weder runderful noch runpleasant (toll, diese seltsamen neuen Wörter) und ich sollte bis zum Halbmarathon am 24. Juni noch ein bisschen schneller werden, da ich mich aus unerfindlichen Gründen für die 1:45:00-Finisher-Gruppe angemeldet habe. Aber es war schön und mein erstes richtiges Leistungs-Highlight diese Woche! Vielleicht habe ich es bereits erwähnt, aber falls nicht: oberhalb des Oberföhringer Stauwehrs kurz vor dem Poschinger Weiher gibt es einen kleinen Streckenabschnitt, den mal als Trampelpfad durch den Wald laufen kann. Dort liegt ein Steinkreis, man bekommt herabhängende Pflanzen und Spinnennetze ins Gesicht und wenn man beim Poschinger Weiher rauskommt, fühlt man sich ein bisschen von der Natur energetisiert (nein, ich habe kein Gel gefressen an dem es hätte liegen können, sondern nur zwei meiner Lieblings-„Marshmallows“). Mal sehen, wie der nächste Lauf wird.

Abends wäre eine Ausfahrt mit C. geplant gewesen, aber das nachmittägliche Donnergrollen hat uns abgehalten, woraufhin ich abends nochmal ins Gym bin, um eine Krafteinheit einzulegen. Mein Körper hat allerdings wieder Bedarf an Regeneration angemeldet, so dass ich relativ unmotiviert in Richtung Geräte geschlurft bin – und dann zufällig J. getroffen habe. J. ist für mich das, was man wohl ein Phänomen nennen kann. Seit ungefähr einem Jahr probiert er unterschiedliche Trainingsvarianten aus und sein Körper verändert sich dabei in einer Windeseile, die einfach nur auf gute Gene zurückzuführen sein kann. Es ist mir unbegreiflich, wie schnell dieser Mann Muskeln auf- und abbauen kann – und dass sowohl die Variante breit-muskulös als auch die Variante schlank-muskulös (in seiner Ausdauerphase) gesund an ihm aussieht. Ich habe ein bisschen halbherzig bei seinem Bauchprogramm mitgemacht und habe mich dann nach ein bisschen Crosstrainer wieder getrollt. J. schickt mir die Bauchkillerübungen wohl noch und nächste Woche komme ich hoffentlich dazu, sie mit etwas mehr Elan auszuprobieren.

Nach dem eher unbefriedigenden Trainingsversuch am Abend habe ich mal wieder Facebook nach Triathlon-Tipps durchforstet und bin zufällig auf die Facebook-Live-Sprechstunde von tri-mag.de gestoßen, in der es um Tapering ging. Ich musste erstmal Google befragen und herausfinden, dass Tapering für die Reduktion des Trainingsvolumens vor einem Wettkampf steht und im Regelfall bis zu zwei Wochen dauert – also quasi eine Phase der Regeneration, damit die Muskeln am Tag X richtig fit sind. Den Erfahrungen zufolge fühlt man sich dabei aber zunächst erstmal scheiße, weil der Körper ein paar Zipperlein produziert und man sich natürlich unfit vorkommt, wenn man das gewohnte Trainingsvolumen nicht beibehält. Mir geht es an meinen Pausentagen eigentlich auch fast immer scheiße, deshalb mache ich ja unvernünftigerweise so wenige davon. Naja. Die Sprechstunde war aus zwei Gründen sehr informativ: Erstens habe ich wieder was gelernt – und zweitens auch beobachten können, wie ernst und streng viele Triathleten ihre Trainingspläne nehmen. Es macht natürlich Sinn, weil der Kopf das nötige Durchhalte-Selbstbewusstsein produziert, wenn man einem auf eine Langdistanz ausgelegten Plan folgt – von wegen: Ich habe den Plan befolgt, also bin ich fit für den Wettbewerb. Andererseits (und das hat H. – der mit dem Fundament und der GA – mir bei unserer Ausfahrt auch gesagt) ist es manchmal nicht zielführend, sich ganz strikt an den Plan zu halten. Es würde mich nicht glücklich machen, wenn ich abends noch eine schöne Gruppe für eine Ausfahrt finde, aber dann nicht mitfahren „darf“, weil der Plan etwas anderes vorschreibt. Es würde mich sehr unglücklich machen, wenn der Plan Intervalle vorschreibt, ich aber müde bin und lieber ruhig laufen würde – denn müde = weniger aufmerksam = erhöhtes Verletzungsrisiko. Ganz davon abgesehen, dass man müde auch nicht die entsprechende Leistung bringen kann. In der Sprechstunde kamen jedenfalls Fragen wie: „In weniger als zwei Wochen ist meine Langdistanz und der Plan sieht für morgen aber noch einen 30km-Lauf vor. Soll ich den Lauf trotzdem machen?“ – „Kann ich Einheit X mit Einheit Y tauschen?“ – „Kann ich Wettbewerb X in einer Entlastungswoche trotzdem als Trainingseinheit einbauen?“ Spannende Fragen, aber die Unsicherheit dahinter irritiert mich. Wenn ich ein Jahr auf einen Wettbewerb hintrainiere, dann wird ein Lauf mehr oder weniger nicht der Grund sein, warum ich es am Ende nicht schaffe – am Ende zählt erstens die Tagesform, zweitens der Kopf und drittens die generelle Vorbereitung. Die Expertin hat alle Fragen sehr gut beantwortet und oft darauf hingewiesen, dass es einem Sicherheit vor so einem Wettkampf gibt, wenn man die Sachen davor so macht, wie man es gewohnt ist: dieselbe Laufstrecke, dasselbe Essen, Trainingsrituale und so weiter. Das zeigt wieder, wie wichtig eigentlich der Kopf ist und wie essenziell der Ritualcharakter eingeübter Trainingsgewohnheiten (oh, das möchte ich so gerne soziologisch untersuchen). Man könnte fast von einer Church of Triathlon sprechen – im Prinzip sind Religion und Trainingsplan gar nicht so unähnlich. Man glaubt an etwas und befolgt die zugehörigen Regeln und vertraut dann darauf, dass alles gut wird. Ich habe mir auf jeden Fall nach der Sprechstunde noch zwei Magazine aus dem Shop dort bestellt: „So funktioniert Triathlon“ und die aktuelle Ausgabe des Triathlon-Magazins. Quasi die Bibel und das Booklet für den nächsten Gottesdienst.

Mit fast noch mehr Eifer als für das Zusammenstellen der Trainingspläne studiere ich zwischendurch die diversen Wetter-Apps und -Websites samt Niederschlagsradarprognosen und interaktiven Karten. Ich bin meilenweit davon entfernt, Expertin für das Wetter zu sein oder dafür, wann eine Wettervorhersage garantiert einfach nur falsch sein kann, aber ein bisschen Wissen in dem Bereich kann nicht schaden. Leider taugt die gehypte Wetter-App Yr.no überhaupt nichts und ich habe noch keine wirklich gute Alternative gefunden (die wetter.com-Website ist… naja, okay-ish). Für Samstag war eine lange, lange Ausfahrt geplant und für Freitag eine kleine Einrollrunde über den Ammersee und das Kloster Andechs. Die Wettervorhersagen und das tatsächliche Wetter vor der Tür waren aber so wild durcheinander, dass ich mich von der Ausfahrt abgemeldet und nur normal im Regenerations-Modus trainiert habe. Außerdem war ich immer noch müde und wollte für Samstag endlich wieder wirklich fit sein. Nach dem Training mit abschließendem Schwimmen sah es vor meiner Wohnungstür dann so aus:

Eine Lieferung Kraftfutter und Zeug für die Regeneration

Nein, normalerweise bestelle ich nicht (ganz) so viel online. Die wichtigsten Pakete waren das mit dem Nussmus (ich könnte mich momentan reinlegen, insbesondere in dieses hier) und das mit den ultraSPORTS-Produkten (Buffer, zwei Riegel und zwei Gels zum Testen). Ich mag die Produkte, weil auf einen ausgewogenen Mix zwischen Kohlehydraten und Eiweiß gesetzt wird, wie auch Joe Friel empfiehlt. Außerdem schmecken die ultraPERFORM-Bars richtig gut und das Cola-Gel haut rein – und alles lässt sich ganz leicht öffnen. Werde ich im Wettbewerb auf jeden Fall verwenden. Unbedingt probieren möchte ich auch noch die Riegel von TRIBE. Die Firma (UK-based) hat eine STRAVA-Challenge eingestellt und man erhält einen 75%-off-Voucher für ein Sixpack, wenn man sie abschließt. Ich habe bestellt und prompt wurde meine Bestellung ein paar Stunden später storniert, weil man leider dieses Paket nicht nach außerhalb von UK verschicken kann. Hätten sie auch irgendwo ankündigen können. Netterweise kam dann per Mail ein Discount-Code für 50% auf ein anderes Paket, das in alle Welt verschickt werden kann. Dankesehr! Leider funktioniert das nicht so einfach bei anderen Challenges, aber wer will schon tolle Preise abstauben. Ich? Ich doch nicht.

Und schon sind wir nach fast 3.000 Wörtern auch beim Samstag! Der war nämlich mit Abstand das größte Highlight der Woche, denn die Valepp-/Spitzingsattel-Tour mit 180 km und Abschlussgrillen war angesagt. Mit dem Wetter hatten wir bis auf einen längeren Regenschauer (meine Nike-Lauf-Regenjacke kam endlich zum Einsatz und ja, so ganz optimal ist das nicht) tatsächlich Glück und ich aufgrund der neuen Bibs mit anderen Trägern am Rücken jetzt nochmal ein paar andere Bräunungsstreifen, yeah! Auch der Verkehr hielt sich einigermaßen in Grenzen, von dem einen oder anderen dicht auffahrenden und eng überholenden Autofahrer mal abgesehen – der Held unter den Straßenverkehrslegasthenikern fuhr einen schwarzen Carrera mit goldenen Felgen, goldenem Schriftzug und Doppelauspuff und der freundlichste Autofahrer hat ganz geduldig gewartet, bis ich einen Anstieg zu Ende hochgestrampelt war, obwohl eigentlich genug Platz für ihn gewesen wäre. Als ich mein Tempo erhöhen wollte (wie man als Schnecke eben schneller machen kann), hat er mir sogar angezeigt, dass ich mir ruhig Zeit lassen soll; der muss einfach auch ein RR-Fahrer gewesen sein. Nur um den Tegernsee war der Verkehr etwas nervig, aber dort ist es einfach auch so schön, dass man absolut versteht, warum der Normalmünchner sich den Scheißstau hin und zurück am Wochenende antut – und bei dem Anblick muss man einfach ins Staunen kommen:

Der Anblick des Tegernsees ist Regeneration für die Augen

C. und ich hatten den angemessenen Respekt vor der Tour, weil zu Saisonbeginn irgendwie alle dorthin fahren wollten („Ist die Valepp schon eisfrei?!“) und 180 Kilometer eben 180 Kilometer sind. Es hat sich allerdings herausgestellt, dass die Anstiege an sich gar nicht so schlimm sind („Ist es das jetzt?“ – „Ne, warte, da kommt nochmal was… ach ne, da geht’s nur kurz mal hoch.“) – und man nach dem Spitzingsattel mit der genialsten Abfahrt überhaupt sowas von belohnt wird! Aus unerfindlichen Gründen (Wetter?) war auf dieser Straße auch gar nichts los, so dass wir uns dem Temporausch voll hingeben konnten und zumindest ich nicht unglücklich war, dass wir die Strecke nicht wieder hochmussten. Anstrengend war dann eher das letzte Drittel nach der Kuchenpause, das sich etwas zog und leider nicht ausschließlich bergab zurück nach München ging. Aber für diesen Kuchen hat es sich definitiv gelohnt:

Kuchen ist auch aktive Regeneration.

Wer solche Bilder nicht kennt: Das sind die Kuchenmonsterstücke im Café Winklstüberl, die groß sind, lecker schmecken und irrsinnig wenig kosten: 3 Euro für mein Birne-Rahm-Streusel und 3,20 Euro für C.s Käse-Mohn. Da der Kaffee in diesem legendären Café allerdings leider immer noch scheiße schmeckt (nach den Wandertouren mit U. waren wir einige Male dort), gab es eben ein Alkoholfreies dazu. An der Kuchenvitrine hängt übrigens ein Schild mit dem Spruch: „Kuchenstücke unter 300 Gramm sind Kekse.“ Holla die Waldfee! Die zähen letzten 60km könnten also auch daran gelegen haben, dass unsere Mägen mit dem Kuchen beschäftigt waren. Insgesamt habe ich auf der Tour die zwei ultraPRO-Riegel, ein Gel, 50g Buffer-Pulver in Wasser mit etwas Zitrone und das Stück Kuchen zu mir genommen. Auf den letzten 30 Kilometern gab es dann nochmal einen Energieschub, als der Kuchen anscheinend verstoffwechselt war – das ist mir in der Holledau und auf der Fahrt in den Wilden Osten auch schon so gegangen und es wäre sehr gut, wenn mein Körper diesen Powerschub bei jeder langen Ausfahrt und eben auch im Wettbewerb replizieren könnte. Wobei ich noch nicht ganz weiß, wie ich ein Riesenstück Kuchen aus dem Café Winklstüberl mit Gaffa an meinen Rahmen tapen soll, aber auch dafür wird sich eine Lösung finden. C. hat sogar noch weniger Kalorien während der Fahrt zugeführt und entsprechend ausgehungert haben wir dann eingekauft und gegrillt und den Gin getrunken, den ich von Teneriffa mitgebracht hatte. Gottseidank habe ich keine weiteren Alkoholika mehr am Flughafen eingekauft; zweimal Alkohol in einer Woche ist ungefähr 25% der Alkoholmenge, die ich dieses Jahr bisher überhaupt getrunken habe (auf Teneriffa nur ein Stamperl Aloe Vera-Likör, davon muss man definitiv nicht mehr trinken, weil er scheiße schmeckt). Wie dem auch sei; eine Sehne an der Innenseite meines linken Knies hat sich dann am Ende der Fahrt bemerkbar gemacht und die Waden waren bei den letzten Anstiegen komplett zu, aber ansonsten haben wir beide die Fahrt sehr gut verkraftet und überlegen schon, welche Ausfahrt noch zufällig auf dem Rückweg am Café Winklstüberl vorbeikommen könnte. Für die visuellen Menschen unter uns noch eine Impression von der Fahrt:

Mit freundlicher Genehmigung von C.

Und ein bisschen zerstört nach der Fahrt:

Müde nach der Valepp-Fahrt und bereit für Regeneration

Der Beitrag artet noch zum Bilderbuch aus. Für Sonntag hätte sich eine Fahrt nach Murnau am Staffelsee in gemütlichem Tempo ergeben: Eine Radlerin aus der Münchner Einsteiger-Gruppe wollte hinfahren und ich wäre mit M. (falls er sich bis hierhin durchgekämpft hat: Kudos und liebe Grüße an dieser Stelle) und eventuell ein, zwei anderen Mitradlern hin und zurück vorbei am Starnberger See gefahren. Allerdings hat sich die ursprüngliche Tourenplanerin gar nicht mehr gemeldet und ich habe die Strecke mit der Vorwarnung eingestellt, dass ich vielleicht am Samstag royal im Arsch bin und am Sonntag nicht 155 Kilometer fahren werde… Und so war es dann auch; das mit dem Knie hat mir ein wenig Sorge bereitet und ich wollte nicht vom Grillen nach Hause hetzen, um irgendwie sieben Stunden Schlaf reinzukriegen. Außerdem hatte ich das Bedürfnis, alleine zu trainieren – und das auch je nach Zustand am Morgen entspannt oder intensiv. Letzten Endes war ich dann viel später als geplant im Bett, habe beschissen geschlafen (da ist es wieder, das Schlafdefizit!) und hatte heute Morgen definitiv noch etwas Restalkohol im Blut (man hätte zuerst essen und dann den Gin trinken sollen, aber der Drink war schneller fertig als das Grillgut). Und was macht man vernünftigerweise, wenn man ausnüchtern will? Genau, man setzt sich aufs Rad und rollt flache 110 Kilometer in der Sonne (mit einigen sehr interessanten Teilstücken für Speed). Ich hatte danach zwar immer noch Kopfschmerzen, war müde und mein Knie ist auch immer noch nicht so happy, aber wenigstens war das Gift danach raus aus dem Körper; und, wie schon gesagt: GA1 geht eben irgendwie immer. Auf der Fahrt habe ich dann den oben erwähnten Croissant-Mensch gesehen, einen Korso aus Oldtimer-Traktoren (A. hatte mir davon erzählt, dass die einmal im Jahr eine Ausfahrt machen und er überlegt hatte, ob er mit einem Oldtimer-Rad vornweg radeln sollte) und habe an einer Ampel kurz mit ein paar Halbmarathon-Mitstreitern geredet. Kaum zu glauben, dass der Lauf schon in zwei Wochen stattfindet. Halleluja. Ich fühle mich noch nicht so wirklich vorbereitet, aber dass es diese Woche nur drei Läufe waren statt sechs wie vorletzte Woche, hat meinen Beinen sehr gut getan. Kommende Woche würde ich gerne wieder mehr koppeln und schwimmen und mehr Krafttraining einbauen – vielleicht auch mal wieder Crossfit statt nur Geräte (aber ohne mir dabei eine Rippe zu brechen wie im März…).

Nächste Woche gehe ich ansonsten bei schlechtem Wetter vielleicht einmal zum offenen Schwimmtraining des MRRC, das mir die liebe H. empfohlen hat. Ich bin eigentlich kein Vereinsmensch (ok, ich war früher auch mal im Sportverein und im Go-Kart-Verein), aber ich habe noch so viele offene Fragen zu den ganzen Triathlon-Themen (braucht man Fußpuder? Wo kann ich in München am besten Freiwasserschwimmen üben? Was passiert in der Wechselzone? Gibt es in München eine möglichst wettkampfrealitätsnahe 80km-Radstrecke? Y U SO SERIOUS?), dass ein bisschen Austausch vielleicht nicht schlecht wäre. Wir werden sehen, ob es klappt, oder ob das Wetter so schön hält, dass ich wieder jeden Abend auf dem Rad unterwegs bin… das ich davor aber sehr, sehr dringend putzen muss…

Zum Abschluss noch die Wochentabelle und dann adios bis nächste Woche:

Bike Spin Run Swim Strength Other
Mo ••
Di
Mi ••
Do ••
Fr
Sa ••
So ••

 

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