Bitte keine Pina Colada – oder: digitale Starthilfen für die Liebe

Wie jedes Jahr habe ich auch dieses Mal meinen guten Vorsatz auf den 1. Dezember vorverlegt – aus dem alleinigen Grund, weil ich im Dezember ohnehin schon immer zu viel zu tun habe und es eine meiner unnützlicheren Charakterzüge ist, mir genau dann in solchen Stressphasen noch etwas on top aufzuhalsen. Vielleicht ist das auch eine besonders irrwitzige Form der Prokrastination, weil ich mich ja mit der neuen Sache dann tatsächlich intensiv beschäftige, die anderen aber natürlich darunter leiden. Wie dem auch sei.

Pünktlich zum 1. Dezember habe ich mich also bei Parship angemeldet, um das Thema Partnersuche nach Jahren des „es dem Zufall überlassen“ zum ersten Mal aktiv selbst in die Hand zu nehmen und so zu organisieren, wie ich den Rest meines Lebens auch organisiere, nämlich pragmatisch und ordentlich geplant. Das klingt unromantisch, aber wenn ich etwas plane (und ich plane auch mit ein, dass es immer anders kommt, als man plant, ich bin sozusagen eine Metaplanerin, die auch Raum für Spontaneität einplant), bin ich damit und darin auch erfolgreich – außer eben in der Liebe, denn nach den herkömmlichen gesellschaftlichen Kategorien zählen „Affären“ und „Friends with benefits“ nicht als Erfolge. Zudem ist das Resterampe-Stigma bei denjenigen, die online auf die Partnersuche gehen, mittlerweile glücklicherweise überholt: Man trifft dort wirklich richtig sympathische Menschen.

Dazu noch ein paar Vorbemerkungen, bevor wir in medias res gehen.

Parship ist mein insgesamt dritter Trip in die wunderliche Welt der Paarungsportale. Die ersten Erfahrungen mit Online-Dating machte ich zwischen 2000 und 2006, als ich meinen ersten eigenen Rechner mit Internetanschluss hatte und beim Chatten (Chat4Free, ICQ, IRC – wer erinnert sich?), sowie in meinem damaligen Lieblings-Onlinegame Bekanntschaften aus aller Welt schloss. Rückblickend betrachtet waren das sehr interessante Begegnungen und der Aspekt „Dating“ stand dabei nicht im Vordergrund: Man hatte den interessenbezogenen Chatroom oder das Onlinegame als grundlegenden Kontext, in dem und über den man kommuniziert hat – und manchmal hat man sich eben angefreundet oder gemeint, man hätte sich unsterblich verliebt (Teenager eben). In der analogen Welt wären Bars, Vereine oder eben das Fitnessstudio solche Orte der Begegnung, an denen man etwas alleine oder gemeinsam macht und darüber ins Gespräch kommt, ohne dass die Partnersuche im sichtbaren Vordergrund steht.

Mein zweiter Ausflug in den Dating-Dschungel begann 2012, kurz bevor ich wieder nach Deutschland zurückgekehrt bin. Ich wollte primär einfach sehen, was mich in Sachen potenzieller Partner an meinem neuen alten Wohnort denn wohl erwarten würde. Also meldete ich mich damals auf FriendScout24 an – mit der einfachen Begründung: Wenn es bei denen mit den Immobilien schon so gut funktioniert, dann können die bestimmt auch Dating. 2013 habe ich es dann wieder aufgegeben, weil die meisten Begegnungen Schema F folgten und ich ziemlich gut erkannt hatte, was ich eigentlich nicht (mehr) will.

Mir wurde allerdings erst im Nachhinein klar, dass FS24 gar nicht darauf ausgelegt ist, einen Partner zu finden – schließlich ist das Ganze eine (a) „Singlebörse“; das heißt, dort tummeln sich Singles, die zum Großteil auch Singles bleiben wollen. Die zweite Kategorie sind dann (b) „Datingportale“ oder -Apps à la C-Date, Secret, Ohlala oder Tinder: Hier tummeln sich Singles und Nichtsingles, die ein bisschen Spaß wollen. Ich würde hier zwischen (a) und (b) insofern unterscheiden, als ein Kennenlernen auf charakterlicher Ebene bei Portalen der Kategorie (a) durchaus noch stattfindet, wohingegen (b) vorrangig auf das Körperliche abzielt. Wenn wir es mit dem Dreigestirn Instinkt (Bauch) – Gefühl (Herz) – Verstand (Kopf) sehen: (a) spricht Instinkt und Verstand an, (b) nur den Instinkt. Kategorie (c) wären dann die „Partnerbörsen“, die vorrangig das Gefühl und den Verstand ansprechen. Wobei Ausnahmen natürlich die Regel bestätigen (und Wikipedia vielleicht etwas anderes behauptet), aber mein Blick auf die Welt hat diese Kategorisierung ergeben und Vergleichsportale ähnliche Unterteilungen vornehmen.

Nun bin ich also bei Parship gelandet, einem Portal der Kategorie (c), bei dem der Instinkt zugunsten des Verstandes und des (sich vielleicht irgendwann einstellenden) Gefühls in den Hintergrund rückt. Nachdem man als Nicht-Premium-Mitglied so gut wie gar nichts machen kann und die regulären Preise für die Premium-Mitgliedschaft einfach unverschämt sind, habe ich zwei Wochen gewartet und dann das 50%-Rabatt-Angebot bekommen, mit dem die Kosten verschmerzbar sind (clevere Preispolitik / Rabattstruktur – man denkt, man hat ein Superschnäppchen gemacht, aber die 50% bekommen gefühlt so gut wie alle, die danach fragen) und tummle mich seitdem dort. Bei Parship bin ich übrigens nur deshalb gelandet, weil mir das Interview mit Prof. Hugo Schmale – der Psychologe und Autor des Parship-Fragebogens – so gut gefallen hat und ich an die Wissenschaft des Paarungsverhaltens glaube. Der Fragebogen hat mir Spaß gemacht und die Auswertung klingt (psycho)logisch (ok, das 70-Seiten-PDF habe ich noch nicht ganz durchgeackert, aber für die Lesefaulen: man bekommt auf der eigenen Profilseite Balkendiagramme zu den verschiedenen Kategorien). Man kann anderen Mitgliedern zulächeln, Sachen auf dem Profil liken, die eigenen Fotos freigeben, Spaßfragen schicken, selbst nach Mitgliedern suchen oder sich die Vorschläge anschauen, die der Algorithmus nach dem mysteriösen Matching-Prinzip für einen ausspuckt – und natürlich auch einfach so schreiben, huch! Dazu komme ich allerdings momentan noch gar nicht, weil ich genug Anfragen bekomme, die mich in der für Parship reservierten Zeit gut auf Trab halten.

Apropos Anfragen; da gibt es alles, von Süßholzgeraspel über ein belangloses „Hallo“ bis hin zur Autobiografie. Aber insgesamt geben sich die Teilnehmer dort mehr Mühe als damals bei FS24 (das jetzt ja auch LoveScout24 heißt – wobei weder die Technologie noch ein anderer Name gewährleisten können, dass die Nutzer das Ganze auch so verwenden „wie gedacht“; ich verweise nur auf die berühmten lettres roses beim französischen Minitel anno dazumal) und lesen tatsächlich zumindest ein paar der Dinge, die man in seinem Profil so von sich gibt.

Ich ertappe mich allerdings dabei, dass mein Verstand bei der Auswahl das Kommando übernimmt und ich mich im ersten Schritt komplett von den pragmatischen, rationalen Kriterien wie Größe oder Entfernung leiten lasse – und im zweiten Schritt dann unbarmherzig aussortiere, wenn sich nach den ersten paar Nachrichten nicht abzeichnet, dass man sich in nächster Zeit einmal auf einen Kaffee sieht (ich brauche für einen Kaffee nicht drei Wochen Brieffreundschaft als Anlauf vorab) – oder wenn Details zutage treten, die ich für mich irgendwie als Dealbreaker oder No-Gos abgespeichert habe (ein Mann, der Pina Colada trinkt, kann doch gar kein ernstzunehmender Kandidat sein; man möge mich bitte nicht fragen, wie ich auf so etwas komme…).

Mein erstes Fazit nach zwei Wochen Premium und bislang null Treffen: interessant, aber wirklich erfolgreich wird das Ganze nur dann gewesen sein, wenn ich mich dort endlich wieder abmelden kann. Ein Highlight war allerdings, dass F. mir bei unserem ersten Telefonat direkt einen grandiosen neuen Spitznamen verpasst hat: Schlimmone. Wenn also alles nichts wird, dann bleibt immer noch das.

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