Projekt Iron(wo)man. Recap Woche 35: Ein ganz kurzer Triathlon-Jahresrückblick 2018

Nachdem seit rund einer Woche gefühlt jeder zweite Facebook-Post ein Triathlon-Jahresrückblick ist, fasse ich mich zu dem Thema ein bisschen kürzer und schaue lieber nach vorne ins Jahr 2019. Aber ein bisschen in Erinnerungen schwelgen darf man definitiv – vor allem, wenn Freude und Frust, Euphorie und Enttäuschung, Sieg und Scheitern, Vernunft und Wahnsinn so eng beieinanderliegen wie im Jahr 2018.

Okay, das mit der Vernunft können wir getrost streichen, denn: vernünftig war 2018 eigentlich nicht. Allein schon deshalb, weil ein Ironman alles andere als ein vernünftiges Unterfangen ist, wenn man neben dem Sport noch ein einigermaßen intaktes Sozialleben haben will und außerdem irgendwie auch noch Geld verdienen muss. Aber irgendwie lässt sich die Sache mit dem Ironman auch mit einer Mischung aus Ratio, Hedonismus und Optimierungswille erklären: Nach dem erfolgreichen Überleben der Quarterlife-Crisis mit 25 (meist passend zum Abschluss des Studiums) sucht man sich als junger Mensch die große, „sinnstiftende“ Aufgabe für die nächsten fünf, zehn oder fünfzehn Jahre. Zur Auswahl stehen die Klassiker: Karriere, Kinder – und Leidenschaften. Zuerst stand hier eigentlich Hobby, aber der Begriff trifft es nicht so ganz, wenn man sich ansieht, was Menschen mit wie viel Engagement eigentlich in ihrer Freizeit so treiben, wenn die äußeren Lebensumstände es zulassen. So gesehen ist es also nicht völlig abwegig, den Triathlon als eine der Leidenschaften zu betreiben, die einen tagtäglich motivieren, morgens um 5:30 Uhr aus dem Bett zu springen und den Tag sportlich zu beginnen. Okay, die vergangene Woche war wieder Recovery Week und es gab viele Feiertage, also habe ich ausnahmsweise mal länger geschlafen (und es war geil! Halleluja, Schlafen ist so geil!). Worauf ich eigentlich hinaus will… habe ich tatsächlich schon wieder vergessen, aber: Erheben wir noch einmal das Glas auf ein – im Großen wie im Kleinen – turbulentes Jahr 2018 und freuen wir uns auf ein hoffentlich gesundes Jahr 2019 (alles andere ist eh egal).

Wer gerade erst zugeschaltet hat und am 31.12.2018 noch nichts Besseres vorhat (außer vielleicht ironisch Bleigießen), der kann eine kleine Zeitreise von Mai bis Dezember 2018 unternehmen und sich hier durch all meine vorherigen Beiträge zum Projekt Iron(wo)man klicken: Woche 34, Woche 33Woche 32Woche 31Woche 30Woche 29Woche 28Woche 27Woche 26Woche 25Woche 24Woche 23Woche 22Woche 21Woche 20Woche 19Woche 18Woche 17Woche 16Woche 15Woche 14Woche 13Woche 12Woche 11Woche 10Woche 9Woche 8Woche 7,  Woche 6Woche 5Woche 4Woche 3Woche 2Woche 1 und Tag 1.

Werbung, aber noch ohne Zeitmaschine

Einen guten Vorsatz habe ich mir für 2019 übrigens schon aufgeschrieben: Weiterhin so viel Spaß am Triathlon haben und meine Leserschaft auch die nächsten 52 Wochen mit ellenlangen Posts, komplizierten Schachtelsätzen und flachen Witzen zu beglücken, während ich all mein sauer verdientes Geld weiterhin in dieses kostspielige Hobby stecke. Wer mich dabei unterstützen möchte, hat dafür nicht nur am 1.1.2019 zahlreiche Optionen: Ein Klick auf das obige Bild führt zu meiner PayPal.me-Seite mit der Möglichkeit des Einmalzahlungssponsoring. Wer Lust hat, kann meinen Lagerbestand auf eBay reduzierenmir mit Material von meiner Amazon-Wunschliste aushelfen, über meine Amazon-Affiliate-Links Produkte für sich selbst kaufen (zum Beispiel dieses Set zum Blei… äh, Wachsgießen… Okay, Bleigießen ist anscheinend gesundheitsschädlich und daher out), mich als Freiberuflerin anheuern, meine Fragen auf Quora anklicken oder beantworten, meinen Stevens-Crosser auf listnride ausleihenoder mit mir trainieren (in München und Umgebung). Auf Wunsch namentliche Erwähnung (oder nicht). Besten Dank!

So, jetzt aber doch mal kurz zu dieser Sache mit dem Jahresrückblick. Generell war das ganze Jahr phänomenal turbulent. Das Negative zuerst: drei große und zwei kleine Verletzungen, sowie katastrophales Versagen meiner Menschenkenntnis zwischen Juni und September. Aber daraus kann man ja lernen! Das Positive: Ich habe mir dieses Jahr die komplette Ausrüstung für den Triathlonzirkus besorgt, Anfang Mai mit diesem Blog und dem Triathlonsport angefangen, zwei Triathlons absolviert, seit Mitte April 10.350 Kilometer auf dem Rad unterwegs gewesen mit 81.735 HM (einmal 219,7 Kilometer am Stück) und habe über Rennradln München so viele tolle Menschen kennengelernt, dass der kleine Lapsus von da oben kaum ins Gewicht fällt. Ich bin vom wilden vor-mich-hin-trainieren übergewechselt zum strukturierten Training mit einem phänomenalen Coach, habe keine Angst mehr vor Recovery Weeks, hatte eine schöne Woche Urlaub auf Teneriffa, einen genialen Sommer (ich bin definitiv bis auf 2011 in Kalifornien noch nie so braun gewesen), bin 1.459 km draußen gelaufen mit 18.333 HM und ca. 400km geschwommen (laut Strava 313,3, aber wir wissen ja, dass mein V800 seit einiger Zeit spinnt und nicht mehr alle Bahnen zählt). Auf Strava sieht der (coole) Film dazu dann übrigens so aus. Überhaupt hat Strava mein Herz erobert; den Community-Jahresrückblick von Strava gibt es passend dazu dann hier.

Und wie war das mit dem Blick in die Zukunft ins Jahr 2019? Geplant sind mindestens drölfzig Events und natürlich wird wieder alles anders kommen als geplant. Herrlich! Ich bin ja eine leidenschaftliche Planerin und betrachte es dann mit einer gewissen Portion Selbstironie, wenn meine ach so sorgfältig geplanten Pläne am Ende überhaupt nicht aufgehen. Für meine Eventplanung fehlen mir aber noch ein paar Termine der RTFs im Umkreis von 100 Kilometer rund um München (hier die Termine 2018). Angemeldet bin ich für den Tripple Tri am 18. Mai an der Regattastrecke Oberschleißheim, für den IM 70.3 Kraichgau am 2. Juni (meine erste Mitteldistanz!) und für die Cologne Long Distance am 1. September (4,0 – 120 – 30). Ich liebäugle mit der Mitteldistanz am Chiemsee am 30. Juni, mit dem Langstreckenschwimmen (4km) an der Regattastrecke am 30. Mai und im Starnberger See am 3. August, sowie mit dem Chiemsee-Radmarathon (300 Kilometer) am 21. Juli. Außerdem wären da noch diverse Olympische Distanzen im weiteren Münchner Umkreis (Karlsfeld, Erding, Allgäu, Schliersee, Tegernsee, Regensburg, München, Ingolstadt, Würzburg, Regensburg), diverse RTFs (und vielleicht auch ein paar „richtige“ Radrennen) und der 3. Versuch, beim München Marathon mitzumachen (nach 2x Verletzungspech). Für den unglaublich unwahrscheinlichen Fall, dass ich in den nächsten Monaten aufgrund des phänomenalen Trainings komplett durch die Decke gehe, mache ich aus der Cologne Long Distance das Hawaii-Special (4,0 – 120 – 10) oder eine MD und Ende nächsten Jahres noch den richtigen Ironman. Das ist allerdings wirklich unwahrscheinlich, also reche ich mal lieber mit 2020 für die Premiere (am liebsten in Hamburg). Ansonsten wäre noch mein kleiner Ausflug nach Lanzarote Ende Januar geplant, sowie eine Woche São Miguel Ende April, bevor die Saison so richtig losgeht.

Halleluja, das könnte ein richtig geiles Jahr werden. Hoffentlich wieder mit so einem geilen Sommer wie 2018! Als kleinen Motivationsschub für 2019 habe ich mir in der nachweihnachtlichen Sonderangebotslawine auch noch ein paar Triathloneinteiler (auf Rechnung natürlich!) bestellt, die hoffentlich nächste Woche eintrudeln: den Aloha von Zoot, den Elite Aero II von Roka,  den Bioracer Van Vlaanderen Trisuit SS, den Zone3 Aspire und einen von 2XU in der Farbkombi „black/vertical curve watermelon“ (WTF?) – leider keinen von Ryzon (ausverkauft) und auch nicht diesen von Tri Serena, weil die Versandkosten / Zollgebühren einfach zusätzlich zu dem Preis zu hoch sind. Apropos „2XU“: Da musste neulich erst R. den Namen der Marke mal aussprechen, damit ich kapieren konnte, dass es nicht „2XU“ heißt, sondern „Two times you“. So viel zum Thema intelligente Markennamen oder intelligente Kundschaft. Mein Favorit ist der Aloha von Wiggle, aber wenn ich darin wie ein überdimensionierter Blumenstrauß aussehe, nehme ich doch lieber ein Schwarz-mit-schwarz-Modell. We will see!

Apropos Material: Nach fast zwei Jahren ist neulich leider das Armband meiner V800 an der Stelle eingerissen, die das Armband mit der Schnalle verbindet. Behelfsmäßig habe ich das Ganze mit einem Gummi geflickt und Polar zwecks Ersatzarmband angeschrieben (man kann es nicht mehr bei ihnen auf der Website kaufen und ein No-Name-Ersatz kommt mir nicht an die Uhr). Allerdings habe ich im selben Atemzug gleich mal die kleinen Probleme meiner V800 beschrieben und bin gespannt, was als Rückmeldung kommt. „Kleine Probleme“ heißt übrigens: Die V800 zählt die Bahnen beim Schwimmen nicht korrekt (jap, das übliche Problem) und – leider nicht ganz irrelevant – die V800 hat manchmal Tage, an denen sie die Kalorien für die Trainingseinheiten zu niedrig berechnet… und leider aktuell dauerhaft die Macke, dass sie nach dem Training den Ruheumsatz aus den Trainingskalorien nicht herausrechnet, sondern doppelt draufrechnet. Mein Text an den Polar-Support-Mitarbeiter mit der Erläuterung dazu liest sich zwar wie eine Verschwörungstheorie (vielleicht kam deshalb bis jetzt noch nichts zurück?), aber ich wüsste gerne, wie sie das zu beheben gedenken. Auf Werkseinstellungen habe ich das Ding vor ein paar Wochen schon zurückgesetzt (und das Synchronisieren hat dann geschlagene fünf Stunden gedauert), aber das hat nichts gebracht. Gerüchten zufolge soll der Polar-Support extrem scheiße sein (das kann ich bis jetzt nicht bestätigen, denn meine beiden defekten H10 haben sie mir ausgetauscht, auch wenn es jeweils 6 Wochen gedauert hat), also lasse ich mich überraschen. So richtig gut scheint es Polar im Moment nicht zu gehen, also wäre es doch keine schlechte Idee, mit gutem Service zu glänzen. Mein Masterplan sieht sowieso so aus, dass ich mir im Frühling 2019 die Vantage V hole, wenn sie die ganzen Sachen per Update nachgereicht haben, die aktuell fehlen. Ich habe noch einen 20%-Gutschein für SportScheck und – Goldstatus und Zufriedenheitsgarantie sei Dank – zwei Jacken zurückgeschickt, die mir dann hoffentlich auch noch gutgeschrieben werden, so dass die Vantage V nicht mehr ganz so viel kosten wird. Es wäre nur sehr hilfreich, wenn a) meine Unterhaltungselektronik 2019 nicht den Geist aufgibt, b) meine Arbeitselektronik nicht den Geist aufgibt und c) die Ausgaben für Material & Wettbewerbe sich ansonsten einigermaßen in Grenzen halten, denn nach dem Shopping-Spree 2018 sollte ich 2019 mal ein bisschen kürzer treten (und irgendwie noch die Bikmo für meinen Fuhrpark finanzieren, falls ich mal wieder so doof bin und in irgendwas reinrase).

Ich habe es dieses Jahr auch geschafft, drei Schwimmbrillen zu ruinieren. Gut, zwei Speedo Speedsocket waren noch aus dem Jahr 2016 und ohnehin über Warehouse Deals gekauft; aber die Orca Killa Vision, die eigentlich erst ein paar Wochen alt war, hat leider eine sehr schlecht verarbeitete Anti-Fog-Beschichtung, die sich schon nach ein paar Schwimmeinheiten aufzulösen beginnt. Hinzu kommt, dass meine Wimpern (ja, die echten Wimpern) am Glas anstoßen und weil da immer ein Rest Mascara dran ist, hat das natürlich zusätzlich zum vorzeitigen Verfall der Beschichtung beigetragen. Also reklamiert und nochmal eine Speedsocket besorgt – passt.

Nachdem ich gerade für meine Diss ohnehin viele Zahlen schubse und Grafiken mit Auswertungen bastle, habe ich mir noch den Spaß erlaubt, die Anzahl der Wörter pro Blogpost ab „Tag 1“ einmal in eine solche Grafik zu packen (warum zur Hölle mache ich sowas?). Insgesamt sind es 121247 und im Schnitt pro Beitrag 3464; der längste Beitrag ist Woche 8 mit 5189 Wörtern (Projekt Iron(wo)man. Recap Woche 8: Halbmarathon, Unfall und der ganze Rest). Holy Shit, mein Mitteilungsbedürfnis ist definitiv überdurchschnittlich exzessiv. Macht aber trotzdem alles noch Spaß.

Dabei ist mir aufgefallen, dass es doch eigentlich schade ist, dass ich jetzt so vernünftig trainiere, weil ich dann gar nicht mehr all diese bescheuerten, aber trotzdem irgendwie lustigen Trainingsfehler machen kann, die zur allgemeinen Erheiterung beitragen. Damn. Aber gut, ich stolpere ja gottseidank alle Daumen lang über meine eigenen Füße, also gibt es bestimmt mal wieder was zu lachen. Man kann Triathlon ja ernst nehmen und 25+ Stunden pro Woche trainieren – aber trotzdem noch Spaß dabei haben.

Apropos Spaß. Nachdem ich im Winter ja wieder fast tagtäglich im Gym abhänge (bzw. mich abstrample und das ganze Studio vollschwitze), machen auch wieder ein paar der liebgewonnenen Kalauer die Runde unter meinen drölfzig Gym-Bekannten (ja, wenn man quasi zum Inventar im Fitnessstudio zählt, dann kennt man unweigerlich eine ganze Reihe Pappenheimer und tolle Personen). Meine Favorites aus dem Jahr 2018:

  • „Ja bist Du denn heute schon fertig?“ – vor allem in der Recovery Week oft gehört, wenn ich mal nicht Trilliarden Stunden trainiere
  • „Seit wann bist Du denn schon wieder da?“ – vor allem an den 120%-Tagen der Load Weeks, wenn ich gefühlt einen halben Tag im Gym abhänge
  • „Hast Du etwa geduscht?“ – wenn ich schweißdurchtränkt vom Spinningbike absteige und kleine Wasserlachen verbreite, während ich das Bike saubermache
  • „Wo fährst/läufst Du denn hin?“ – wenn ich enthusiastisch strample oder renne (ich sage natürlich immer: Hawaii)
  • „Eigentlich kannst Du auch gleich hier wohnen“ – woraufhin ich immer antworte, dass mein Feldbett da hinten in der Ecke steht, ich aber leider noch nicht den Schlüssel zum Gym bekommen habe

Und da sag nochmal einer, dass Triathleten kein Sozialleben haben! Bevor ich meines 2019 wieder nach draußen verlege, muss ich allerdings unbedingt daran denken, die Schläuche an der Zeitmaschine zu überprüfen. Da ist ja Milch drin, damit sich im Falle einer Panne das entstandene Leck selbst schließt, aber ich bin mir nicht sicher, was monatelanges Herumstehen mit der Milch in den Schläuchen macht (neulich habe ich zumindest die Ventile kaum aufbekommen, weil sie so verpappt waren). Und auseinanderschrauben / grundreinigen würde ich meine Zweiräder auch gerne, allerdings am liebsten direkt vor Ort bei vit:bikes, weil ich mir relativ sicher bin, dass ich irgendwas dann nicht wieder zusammengeschraubt bekomme. Das hat alles aber leider noch ein bisschen Zeit, weil irgendwie immer noch erst Ende Dezember ist und es immer noch zu arschkalt ist (zumindest für mich), um sich nach draußen zu wagen. Deshalb habe ich von den Rapha Festive 500 in der vergangenen Woche genau null Kilometer auf dem Rad geschafft. Hurra, oder: Epic Fail, wie wir Nerds zu sagen pflegen.

Bevor ich den Schlenker zur Trainingswoche mache, kommen hier noch ein paar pädagogisch wertvolle Links und Fundstücke: Erstens hätten wir da die Bicycling.com-Liste der Dinge, die man unbedingt haben muss als Radler. Wobei ich mich ernsthaft frage, warum da eine Kettensäge in der Liste ist, aber gut, ich muss nicht alle Mysterien zwischen Himmel und Erde verstehen. Die Seite hat auch eine Liste der besten Cycling-Ausrüstung. Nachdem ich aktuell ja viel auf dem Laufband laufe, hier eine Liste der Laufbandläufer-Typen, die man im Gym so sieht (Achim Achilles ist sowieso super). Da gibt es auch ein tolles Interview mit Jan Frodeno (mit dem sind aber alle Interviews toll #fangirl). Außerdem hätten wir da noch eine Packliste für eine Solo-Panamerica-Biketour, falls jemand mal ein bisschen länger unterwegs sein möchte (kann man bestimmt auch für die Nizza-München-Rallye verwenden). Und die tolle Geschichte eines Nichttriathleten, der auszog, um auf eigene Faust ein Ironman zu werden. Zu guter Letzt noch ein kleines Motivationsvideo für alle, die nach den Weihnachtsfeiertagen wieder in die Gänge kommen müssen.

So, genug gelabert, jetzt geht’s zur Trainingswoche! Ich hatte wieder Recovery Week und habe sie diesmal tatsächlich auch gut genutzt, um SEHR VIEL zu schlafen. Dem kam natürlich zugute, dass das Gym an den Feiertagen etwas später offen hatte. Allerdings habe ich festgestellt, dass sich die Albträume häufen, wenn ich mehr als drei Nächte nacheinander lang schlafen (wobei lang nie länger war als 7:15 Uhr). Das dürfte wohl das einprogrammierte schlechte Gewissen sein, das einem einflüstert, man würde Zeit vergeuden, wenn man so lange schläft.

Okay, fangen wir beim Montag an. Da war natürlich Heiligabend und ansonsten war das Training auch gar nicht so Recovery-mäßig. Denn ze Coach hat mir für den 24. einen olympischen Triathlon in Training Peaks gepackt (ok, indoor und mit Crosstrainer statt laufen für die wehe Wade, aber trotzdem cool) und die Intervalle waren ziemlich großartig. Ich musste natürlich noch einen draufsetzen und habe direkt nach der Oly-Distanz noch eine Sprintdistanz draufgepackt, weil ich einfach wissen wollte, wie es sich anfühlt, direkt nach dem Laufen wieder ins Becken zu hüpfen. Die Schnupperdistanz zum vollendeten Tripple Tri musste ich dann leider aus Zeitgründen sausen lassen (wer hatte am 24. Noch kein Geschenk eingepackt? Richtig, die Simone!), aber ich bin jetzt schon sehr heiß darauf, das Gesamtspektakel in der Vorbereitung für Mai nochmal durchzuexerzieren.

Manche Familien essen ja am 24. nur eine Kleinigkeit und fangen am 25. dann mit der Völlerei an. Bei uns ist das umgekehrt, wir haben am 24. das große Weihnachtsmahl und ziehen uns an den Feiertagen aus der Futteraffäre. Dementsprechend habe ich mich am 25. morgens dann erstmal etwas unelegant aus dem Bett gerollt (obwohl ich überwiegend Fisch und Käse gegessen hatte, aber irgendwann kamen halt dann doch die Plätzchen…) und bin zu einem zweistündigen Lauf aufgebrochen. Langsam und lang, wadenschonend und verhalten enthusiastisch, weil sich der Lauf wieder weniger schlimm angefühlt hat als die Läufe zuvor. Ich hatte zuvor schon beschlossen, mich endlich mal ausgiebig im Englischen Garten zu verlaufen und habe das dann auch einigermaßen gut hingekriegt. Eigentlich wollte ich oberhalb vom Kleinhesseloher See noch weiter nach Norden laufen, habe dann aber irgendwie die Stelle verpasst, an der es unter dem Isarring hindurchgegangen wäre und bin orientierungslos am äußeren westlichen Rang des Englischen Gartens wieder nach Süden gelaufen, obwohl ich der festen Überzeugung war, ich würde nach Norden laufen. Nachdem zu dem Zeitpunkt erst eine der zwei Stunden um war (ich liebe meine langen Läufe ja, aber mit vier Stunden Schlaf, Weihnachtsessen im Bauch und diesem seltsam „schwebenden“ Gefühl im Kopf vor lauter Müdigkeit war das nicht der schönste Lauf in meiner Laufgeschichte), bin ich noch ein Stück Stammstrecke gelaufen und dann erstmal meinem Magen zuliebe keine weiteren Umwege mehr. War aber trotzdem schön und immerhin sind wieder jede Menge (unscharfe) Fotos entstanden.

Am Mittwoch stand dann wieder eine 3.000-Meter-Schwimmeinheit an, gefolgt von anderthalb Stunden Endurance Miles auf dem Spinningrad und 45 Minuten Cadence-Intervallen auf dem Laufband. Interessanterweise waren die Cadence-Intervalle für die Wade wirklich angenehm. Zur Erläuterung: Bei den Intervallen geht es darum, die Anzahl der Schritte pro Minute zu erhöhen, man trippelt also bei gleichbleibender Geschwindigkeit schneller vor sich hin und macht kürzere Schritte.

Donnerstag war dann der wirklich recoverymäßig easy day der Woche mit 50-Meter-Intervallen im Pool und Krafttraining. Ich war in den letzten Wochen ja etwas demotiviert beim Schwimmen, weil meine Arme gefühlt immer schwerer geworden sind. Aber am Donnerstag kam dann die Erleuchtung: Ich bin alle 16 50-Meter-Intervalle in unter einer Minute geschwommen! Im großen Ganzen betrachtet (bzw. vom Coach erklärt) macht das alles jetzt auch Sinn! HEUREKA! Ich habe im Übrigen auch nie an der Methode gezweifelt, sondern immer nur an mir und meinen fehlenden Schwimmskills. Aber wenn mir zwei Monate Schwimmtraining auf 50 Meter geschätzt 8 bis 10 Sekunden eingebracht haben und ich das jetzt auch noch auf 100 und 1.500 Meter übertragen kann, dann steht meiner Karriere als Meerjungfrau tatsächlich nichts mehr im Wege. Hell, yeah! Beim Krafttraining habe ich dann übrigens vor lauter Enthusiasmus meine Beine komplett abgeschossen. Nach einem Warmup ging es mit je 4 Sätzen à 15 Wdh. (außer bei Deadlifts und Hip Thrusters) so zur Sache: 15 Wallballshots (20 lbs. Ball) + 15 glute kicks / 15 Kettlebell swings (16 kg) + 15 Ballwurf-Crunches (20 lbs. Ball) / 15 einbeinige Deadlifts (16kg Kettlebell) + 15 20 lbs. Ball auf den Boden slammen / 10 Deadlifts 50kg + 20 Sidecrunches / 10 Hip Thrusters 50kg + 20 Back Extensions / 15 Cable Crunches 43.75kg + 15 Cable Trizeps-Pulls 11.25kg / Adduktoren (Maschine) 85kg, Abduktoren (Maschine) 55kg. Ich bin der Meinung, dass mich diesmal die Wallballshots gekillt haben, weil ich bei Deadlifts und Hip Thrusters 5kg weniger hatte als beim letzten Mal.

Jedenfalls bin ich am Freitag dann erstmal sehr elegant ins Gym gewatschelt, um mich nach 20 Minuten Crosstrainer der 2. Cadence-Session auf dem Laufband zu stellen. Ich muss dazu sagen, dass ich momentan nach fast jedem Training religiös 20 Minuten dehne, um die Wade bei Laune zu halten – und das bringt tatsächlich etwas. Es geht bergauf, in ganz kleinen Babyschritten. Wohoo.

Mittags stand dann eine Schwimmsession mit dem Coach an, um mal wieder zu schauen, was ich eigentlich alles falsch mache und woran wir in den nächsten Wochen arbeiten werden. Das Urteil. Kopfposition unter Wasser und richtig atmen (nur das halbe Gesicht aus dem Wasser ragen lassen anstelle des gesamten Gesichts), richtige Armbreite beim Eintauchen, STRECKEN beim Eintauchen. Natürlich sind da noch viel mehr Baustellen, aber eins nach dem anderen. Besonders amüsant waren dann noch die Backstroke-Bahnen. Ich habe Rückenschwimmen mit meiner damaligen Trainerin nicht mehr gelernt (und mag das auch nicht), also nehme ich bei den seltenen Backstroke-Bahnen meist den Pullkick zwischen die Beine, damit ich nicht kicken muss. Am Freitag dann natürlich ohne und meine Beine sind natürlich wie Blei direkt schräg nach unten abgehauen, obwohl ich nach besten Kräften mit meinen kaputten Oberschenkelmuskeln gekickt habe. Wir haben sehr gelacht und der Coach meinte, dass die absinkenden Beine immerhin besser sind als eine absinkende Hüfte.

Am Samstag hatte ich dann zwei Stunden auf dem Spinningrad auf dem Plan stehen; hauptsächlich Endurance Miles, aber mit vier 20-Sekunden-Spikes à 445 Watt. Gekommen bin ich auf maximal 375 (ich hätte bei gleicher RPM-Zahl noch mehr Widerstand nehmen müssen) und 20 Sekunden waren SELTEN so lang wie bei dieser Einheit. Ich hätte die auch gerne draußen gemacht, aber auf einen sehr sonnigen und mit fünf Grad relativ milden Samstag folgte ein Scheißwettersonntag mit 1°C und Nieselregen, also habe ich das mal lieber gelassen.

Am heutigen Sonntag ging es dann mal wieder richtig schön zur Sache. Zwei Stunden Endurance Miles mit fünfmal drei Minuten CP6 (zur Erinnerung: CP6 ist die Wattleistung, die man maximal 6 Minuten lang erbringen kann – und die hält man dann in diesem Fall 3 Minuten) und endlich mal wieder über 160 Puls (168 in der Spitze sogar, ich habe das sehr gefeiert). Danach ging es dann für eine Stunde aufs Laufband mit der Vorgabe „IM RP“ und Schwellentraining. Übersetzt heißt das: die Geschwindigkeit laufen, die ich beim Ironman-Marathon zu laufen gedenke und dabei die Herzfrequenz im Bereich Schwellentraining halten (bei mir ist das aktuell 152 bis 169). Ich bin auch sehr enthusiastisch losgestartet, habe mich dann aber ziemlich verzockt, weil ich aufgrund der langen Laufpause natürlich nicht die Pace laufen kann, die ich gerne beim Ironman laufen würde (5:00/km) – und weil meine Beine mir bei 163 Puls den Mittelfinger gezeigt haben (das deckt sich aber mit meinen sonstigen Draußenlauferfahrungen; bis 159 geht es gut, ab 160 ist es ein Kampf – wobei das natürlich auch Kopfsache sein kann und definitiv auch Trainingssache ist). Also musste ich zwischendurch schweren Herzens gehen und dann langsamer weitertraben. Diese Laufen-Gehen-Laufen-Logik ist strategisch gesehen so gar nicht meins, aber wenn es nicht anders geht, dann geht es eben nicht anders. Hossa, das wird ein Spaß, die Laufpower wieder aufzubauen. Und das meine ich tatsächlich so – schließlich ist das Wichtigste, dass das Laufen überhaupt irgendwann wieder ganz schmerzfrei geht und man schön kontinuierlich Fortschritte erarbeiten kann. Ehrgeiz-Level: 100%!

In diesem Sinne: Frohes neues Jahr und bis nächsten Sonntag!

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