Projekt Iron(wo)man. Recap Woche 22: Von der Triathlonsaison in die Erkältungszeit

Es ist schon praktisch, dass der Triathlon-Zauber Ende September endet, also dann, wenn die Erkältungszeit so richtig schön beginnt. Bis auf ein bisschen Schnupfen (quasi Wiesn-Schnupfen ohne auf der Wiesn gewesen zu sein) bin ich bis jetzt verschont geblieben, aber mein gesteigertes Schlafbedürfnis spricht schnarcht Bände. Und überall wird jetzt Off-Season deklariert, wobei überall heißt: im Triathlon-Magazin und in diversen Triathlon-Facebookgruppen. Doof. Aber bestimmt auch nicht verkehrt. Trotzdem kann die Erkältungszeit mir gerne den Buckel runterrutschen und mir auf dem Weg die Sonne zurückbringen und ein paar Grad mehr. Klimawandel, wo bist Du, wenn man Dich mal braucht?

Wobei es doch eigentlich immer heißt: Es gibt kein falsches Wetter, es gibt nur die falsche Kleidung. Aber Sekunde, bevor wir jetzt zu Skianzügen und sonstigen Ganzkörperkondomen kommen: Ich berichte hier nicht von einer Polarexpedition zu den Pinguinen oder den Eisbären (wobei das schon noch irgendwie auf meiner Bucketlist steht, aber erst dann, wenn ich keine Lust mehr auf das exzessive Sporteln habe, denn auf einem Forschungsschiff und bei eisigen Temperaturen dürften die Sportmöglichkeiten recht eingeschränkt sein. Mit Pinguinen um die Wette schwimmen? Geil. Vor Eisbären um sein Leben weglaufen? Hat bestimmt auch was. Wie dem auch sei, zurück zum Thema: Ich berichte hier einmal wöchentlich über meine eigene Expedition, nämlich die zur Ironman-Triathlon-Langdistanz, die schätzungsweise weder dieses noch nächstes, dafür aber hoffentlich übernächstes Jahr stattfinden wird. Ich trainiere (noch zumindest) viel zu viel und habe daran viel zu viel Spaß und schreibe darüber dann auch jeden Sonntag viel zu viel, nachzulesen wäre das dann hier: Woche 21, Woche 20Woche 19Woche 18Woche 17Woche 16Woche 15Woche 14Woche 13Woche 12Woche 11Woche 10Woche 9Woche 8Woche 7,  Woche 6Woche 5Woche 4Woche 3Woche 2Woche 1 und Tag 1.

Wie immer an dieser Stelle kurz eine kleine Werbeunterbrechung, bevor es mit Husten, Schnupfen und Heiterkeit weitergeht. Triathlon frisst mir die (ohnehin schon kurzen) Haare vom Kopf, deshalb freue ich mich über Sponsoren, die mich via PayPal.me unterstützenmeinen Lagerbestand auf eBay reduzierenmir mit Material von meiner Amazon-Wunschliste aushelfen (gerne auch gebraucht), über meine Amazon-Affiliate-Links Produkte kaufen (z.B. Vitamin D3, essenziell, ach was, LEBENSnotwendig in der dunklen Jahreszeit), meine Fragen auf Quora beantworten oder mir tolle Tipps geben und mit mir trainieren. Besten Dank – den vollständigen Werbetext gibt es außerdem hier.

Fangen wir an mit einem Ausflug in die Kindheit. Früher habe ich sie gehasst, heute liebt meine babyzarte Haut sie: Kaufmanns Haut- und Kinder-Creme. Design und Schriftzug sind gestalterisch und grammatikalisch fragwürdig, aber der Inhalt ist es wert: Bei Kälte braucht die Haut Fett und genau das bekommt sie mit einem leichten Zitronenaroma, wenn man sich das Zeug dick in die Rübe schmiert. Netter Nebeneffekt: Die Creme ist billiger als sämtliche Hightech-Kälteschutzcremes und man bekommt sie überall. Ohne kann ich bei weniger als 10°C ansonsten meine Haut wegschmeißen, beziehungsweise mir in großen Brocken vom Gesicht krümeln. Wobei andere genau für diesen Peeling-Effekt ja auch wieder Hunderte von Euro in irgendwelche Produkte investieren, aber gut, die Schönheitsindustrie folgt sowieso ihrer eigenen Logik.

Apropos Industrie: Die Nahrungsergänzungsmittelherstellerindustrie hat sich diese Woche mal mit einer löblichen Aktion positiv hervorgetan, genauer gesagt der Hersteller Squeezy. Der Head of Marketing postete neulich auf Facebook, er hätte aus einer Überproduktion noch eine ganze Palette Squeezy Protein Energy Drink übrig, die gerade abgelaufen seien und nicht mehr verkauft werden könnten. Man könne sie entweder abholen oder sich gegen ein Paketlabel zuschicken lassen. Natürlich habe ich zugegriffen und mir ein paar Dosen zuschicken lassen. Tolle Aktion und vielen Dank an Squeezy an dieser Stelle! Motiviert mich direkt, die anderen Produkte der Marke auch nochmal alle zu probieren. Und ich gebe je eine Dose weiter an die nächsten 10 Leute, die mich via PayPal sponsern. Wenn das keine Motivation ist! Und das Zeug ist wirklich lecker.

Nachträglich an dieser Stelle noch kurz herzlichen Glückwunsch an die zwei Rennradln-München-Teams, die beim BMW-Mannschaftszeitfahren den sensationellen 2. und den respektablen 31. Platz belegt haben. Platz 2 mit einem Schnitt von 47,92, das ist… wow.

Hier zur Abwechslung mal ein Bild von der Landschaft in der Nähe der BMW-Teststrecke. Herbstlich und schön. Und schön kalt.

Machen wir weiter mit ein paar Events, die ich im Auge habe oder die an mir vorbeigegangen sind. Interessant wäre beispielsweise das Long Course Weekend auf Mallorca Ende Oktober. Man kann sich für verschiedene Disziplinen und Längen anmelden, aber das richtige Rennen sieht so aus: 3,8 Kilometer Schwimmen an Tag 1, 172 Kilometer auf dem Rad an Tag 2 und 42,195 Kilometer Laufen an Tag 3. Das Ganze gibt es natürlich auch noch im Paket mit Unterkunft und Schnickschnack. Klingt supergut, wobei mir natürlich meine Kreditkarte bei dem Gedanken daran schon den Mittelfinger zeigt. Ich hätte große Lust, mich mal wieder als Eventmanagerin zu betätigen und sowas selbst auf die Beine zu stellen, dann spare ich mir wenigstens die Anmeldegebühr, haha. Apropos selbst auf die Beine stellen: Über Umwege bin ich auf die Website Kurbelfest gestoßen und auf den Event Karwendel-Wetterstein-Brevet am 13. Oktober (ja, einen Tag vor dem München Marathon). Das sind 200 Kilometer mit ca. 3.500 Höhenmetern querfeldaus und querfeldein, also Gravelcross, und zwar von Murnau aus ins Karwendel- und Wettersteingebirge. Ich habe nicht den leisesten Schimmer, wie lange ich für sowas mit dem Crosser brauchen würde. 12 Stunden, 14 Stunden? Das Ganze ist selbstorganisiert, aber wenn das Wetter passt, ich den Marathon nicht laufen kann und irgendein Opfer als Begleitung finde, dann mache ich das doch einfach mal noch zum Saisonabschluss. Saisonabschluss? Äh, okay, der war eigentlich ja irgendwie schon mit Regensburg, aber egal, man kann nicht oft genug Schluss machen. Oder so. Oder alternativ eben die Gravelcross-Saison, äh, sanft einläuten. Als dick eingepacktes Michelinmännchen frierend zwischen den Bergen. Geil.

Ansonsten schwanke ich immer noch, ob ich mich nicht doch noch für Challenge Walchsee Ende Juni anmelden soll. Und welche / wie viele Olympische Tris in die Zeit bis zur Kölner Langdistanz Ende August reinpassen. Und ob ich jemals meinen verlorengegangenen Verstand wiederfinde.

Wofür ich mich allerdings tatsächlich angemeldet habe, ist ein Schwimmseminar Ende Oktober vom triathlon.de-Store. Ich war diese Woche ein wenig schwimmmüde (und allgemein sehr müde, hallo Schnupfen) und so richtig vorwärts geht es beim Schwimmen überhaupt nicht, also warum nicht mal ein Seminar besuchen. Ich habe auch verschiedene Schwimmvereine angeschaut (natürlich nur online, nicht vor Ort) und Schwimmtrainer-Websites (die momentan alle in sämtlichen Triathlongruppen posten und die faulen Triathleten zur Schwimmarbeit motivieren wollen) – einer wohnt sogar in meiner Straße, das ist ein überaus lustiger Zufall – aber jetzt erstmal den Status Quo abchecken lassen mit ein paar anderen Verrückten, dann sehen wir weiter. Ich war auch in Kontakt mit einer anderen Seminaranbieterin, deren Angebot, Website, Referenzen etc. sich auch sämtlich sehr gut lasen. Abgehalten hat mich dann die Antwort-E-Mail, in der zwischen den Zeilen stand, dass ich bei 4-6 Schwimmeinheiten pro Woche innerhalb von 3 Monaten locker auf 1:45/100 Meter kommen könnte, wenn ich nicht so scheiße schwimmen würde und dass ich mich doch bitte jetzt sofort schnell für den einen verbliebenen Platz im Seminar Ende Januar anmelden sollte, weil alle Seminare Monate im Voraus ausgebucht seien und auf der Warteliste für Oktober auch schon drölfzig Leute stünden. Super, Ende Januar?! Bis dahin wollte ich eigentlich schnell genug sein für das Aufbauseminar.

So, jetzt aber schnellschnell weiter zu einer Woche, in der ich mit aller Macht nochmal versucht habe, so zu tun, als sei noch Sommer. Brr. Montag war erstmal Schwimmen am Morgen mit einem sensationellen Himmel und dann Herumhampeln in Gym. So weit, so unspektakulär. Aus meinen Recherchen zum Thema Schwimmseminar habe ich aber wieder zwei neue Tipps mitgenommen. Erstens: Den Rest des Oberkörpers aktiv in die Vorwärtsbewegung des Arms mit einbeziehen und sich STRECKEN. Zweitens: 25 Armzüge auf 25 Meter, also mehr Gleiten und weniger durchs Wasser pflügen. Hm. Bei mir sind das 34 Armzüge auf 25 Meter gerade, also schauen wir mal, ob ich auch auf weniger kommen kann.

Am Dienstag war ich energiegeladen und hatte nach langer Zeit mal wieder meine Boxhandschuhe dabei (meine Sporttasche platzt aus allen Nähten bei dem ganzen Zeug). Ich mache zwar immer nur frontale und seitliche Schläge (ohne das ganze bescheuerte Um-den-Boxsack-herumtänzeln wie einige Spezialisten), aber in entsprechender Frequenz kann man den Puls damit doch ganz schön in die Höhe treiben. Ein paar andere Klassiker wie Schlitten, Kettlebell Swings und Konsorten waren auch mit im Programm, gemixt mit zwei kleinen, vorsichtigen 10-Minuten-Laufeinheiten zwischendurch und Herumgehampel auf dem Crosstrainer.

Das Thermometer zeigte dann um 09:30 Uhr zarte 5°C an, aber es war sonnig, also dachte ich mir, naja, so schlimm kann es doch gar nicht sein, und bin mit dem Rennrad zum genussvollen Frieren aufgebrochen. Ohne Beinlinge, wohlgemerkt, dafür aber mit meinen Lieblingskniestrümpfen von Happy Socks. Sagen wir es so: Es war arschkalt und ich dachte, mir hat irgendjemand ins Hirn geschissen, weil ich ohne Beinlinge los bin und auch ansonsten nicht genug Lagen für die Temperatur anhatte. Wobei, die Olympiastraße bei 10°C ging ja eigentlich noch, aber runter nach Leutstetten wurde es dann wieder ein paar Grad kälter und auch ansonsten immer dann, wenn mehr als ein Baum am Straßenrand stand. Folglich habe ich nach 60 Kilometern aufgegeben und Heißgetränke inhaliert. So ein bisschen war ich dann aber doch stolz auf mich, dass ich es durchgezogen habe. Wohoo. Blöd nur, dass der OH1-Sensor bei weniger als 10°C spinnt. Aber hey, der V800 spinnt auch wieder beim Laufen und zeichnet die Herzfrequenz erst nach einer ganzen Weile richtig auf. Wahrscheinlich machen die das absichtlich, um mich zu ärgern. Ich liebe Technik!

Übrigens: Der Mann mit dem Andechser von letzter Woche stand schon wieder an der Brücke. Aber um diese Jahreszeit darf einen eigentlich nichts wundern in München, denn das Oktoberfest treibt ja die schillerndsten Gestalten auf die Straßen. Ich will eigentlich einmal einen Lauf zur Wiesn machen und einmal um das ganze Areal herumlaufen, wenn die noch nüchterne Festgemeinde zum Frühschoppen auf die Frühstückswiesn zieht. Ein paar Tage habe ich dafür ja noch Zeit, mal sehen.

Mittwoch dann wieder Schwimmen und eine fixe Gymsession. Diesmal habe ich dann bis 12:48 Uhr und ungefähr 12°C gewartet, bis ich mich wieder nach draußen getraut habe. Tatsächlich waren bei der kleinen entspannten Runde mit 68 km die Beinlinge fast schon wieder zu warm, ich dafür saulangsam, weil das Stadtgestöpsel diesmal ziemlich unerträglich war und meine Beine irgendwie lahm. Man merkt es ja, wenn sich irgendwas Körperliches anbahnt und lahme Beine sind das deutlichste Vorzeichen dafür. Aber es war trotzdem schön und sonnig und ich mache jetzt jedesmal schon fleißig zwei Bilder mehr als sonst, damit ich in den Wochen ohne Ausfahrten in diesem Trainingstagebuch zumindest ein paar hübsche Bildchen habe, wenn es schon nichts Spannendes mehr zu berichten gibt.

Donnerstag… Ja, nun, eine kleine Gymsession mit nochmal Kraftausdauertralala und dann mittags (diesmal um 12:47 Uhr) wieder aufs Rad. Nachdem ich von der Strecke durch die Stadt zur Olympiastraße erstmal genug hatte, bin ich über den Perlacher Forst gen Süden aufgebrochen für eine kleine 61-Kilometer-Runde über die beiden Dinghartings und Beigarten zur Ludwigshöhe – dort war erstens die Aussicht phänomenal und zweitens WAREN DA CHEMTRAILS! HILFE! Gut, dass ich immer eine Schicht Alufolie unter meine Radlcap trage, man weiß ja nie.

Und dann, ja, dann schlug am Freitag endlich die Stunde meiner kleinen Zeitmaschine! Nachdem ich wirklich müde und es sowieso mal wieder Zeit für einen Rest Day war, habe ich den Freitag zum Anlass für eine erste lockere, kleine Probefahrt mit dem FELT B12 (2018) genommen. Im Vergleich zur Serienausstattung hat meines schon 1.500 Kilometer auf dem Buckel (ist aber grandios gepflegt und sieht aus wie neu) und Dura-Ace-Schalthebel sowie eine SRAM-Kette, ansonsten ist alles wie auf dem Papier. Geholt habe ich es eigentlich auch schon letzte Woche, aber nachdem erst noch ein paar Änderungen vorgenommen werden mussten (die länger dauerten als gedacht), stand es erstmal nur vor sich hindösend in meinem Schlafzimmer.

Konkret mussten die Hörnchen ein wenig mehr zu mir hergeschoben werden, die Conti-Mäntel mussten drauf, Milch musste in die Schläuche, die Hinterradbremse musste nachgestellt werden (der ich davor nicht einen Millimeter weit vertraut habe, da ich ja ohnehin verwöhnt bin von den Scheibenbremsen und die Hinterradbremse wirklich sehr „weich“ war) und der Sattel musste ausgetauscht werden (den Prologo Nago Evo Tri40 T2.0 verkaufe ich, bald auch auf eBay, aber falls ihn jemand spontan haben möchte, dann bitte gerne eine Nachricht schicken). Nun ja, leider war das alles eben aufwändiger als gedacht: Der vordere Mantel war kein Problem, am hinteren hat sich ein Profi eine halbe Stunde lang (!) aufgearbeitet, bevor er saß (und auf den ersten Kilometern habe ich nur bange darauf gewartet, dass es puff macht und mir der Schlauch unter dem Arsch zerplatzt). Die Milch für die Schläuche wurde dabei erstmal auf meinem Parkett verteilt (ging aber alles glücklichrweise wieder weg) und trotz mehrmaligem Nachfragen („Ist das jetzt wirklich das richtige Werkzeug?“) haben wir zweimal das falsche Werkzeug gekauft und konnten die Bremse nicht nachziehen. Am Donnerstag hat F. das Bremsendilemma dann beendet, wir haben die Hörnchen angepasst und den Sattel getauscht. Jetzt fahre ich einen gebrauchten ISM Adamo Prologue, der eine etwas kürzere Nase hat und saubequem ist. Mittlerweile habe ich auch das richtige Werkzeug für sämtliche Schraubmaßnahmen, so dass ich die Flaschenhalter an Sattel, Rahmen und zwischen den Hörnchen dann selbst befestigen kann, wenn das ganze Zeug erstmal da ist oder gekauft wird (deshalb war ich die Tage auch mal wieder mit dem Trinkrucksack auf dem TT unterwegs, aber die Stylepolizei hat es gottseidank nicht gesehen).

Ein bisschen chaotisch insgesamt, aber am Ende hat alles doch geklappt. Ich sitze zwischendurch trotzdem nach wie vor ratlos mit meinen Reifenhebern vor meinen Rädern und frage mich, wie ich das mit dem Schlauchwechsel im Wettkampf jemals alleine bewerkstelligen soll, wenn sich sogar Profis damit unendlich schwertun. Auf diversen Fotos von Triarädern habe ich gesehen, dass vorne der Conti Sprinter und hinten der Conti Gatorskin gefahren wird – also hofft man einfach darauf, dass hinten aufgrund des pannensichereren Mantels nix passiert und geht vorne ein bisschen mehr Risiko ein, um mehr Speed herauskitzeln zu können? Oder muss ich einfach noch mehr YouTube-Videos zum Reifenwechsel anschauen und mir nachts den Wecker stellen, der mich aus dem Schlaf reißt, damit ich im Halbschlaf Reifen wechsle, bis ich es blitzschnell draufhabe?

ABER die Fummelei hat sich gelohnt! Ich werde nächste Woche vermutlich ein bisschen mehr zum Thema TT versus RR schreiben (wenn sonst nichts Interessantes passiert), aber allein bei meiner entspannten Rest-Day-Testfahrt am Freitag habe ich am Speichersee / an der BMW-Strecke, die nicht innerhalb des BMW-Testgeländes ist fünf Pokale abgesahnt. Da ist man natürlich SOFORT so RICHTIG Feuer und Flamme. Der Gesamtschnitt war übrigens unterirdisch, weil ich bei meiner allerersten Fahrt mit dem TT erstmal Schalten und Bremsen üben musste, bzw. den Bremsen generell mal vertrauen musste. Hin zum Speichersee und zurück bin ich also im Schneckentempo gekrochen, aber auf der freien Bahn ging es dann schon ganz gut. Die Position der f-Bend-Hörnchen ist noch nicht ganz ideal. Ich habe das Gefühl, dass sie am Unterarm zu weit auseinanderliegen (tun sie auch insofern als dass die Aero-Bridge von Profile Design für meinen V650 NICHT zwischen die Hörnchen passt), dafür gehen sie vorne aber sehr eng zusammen. Das hat zum Ergebnis, dass meine Unterarme in egal welcher Position schmerzen, aber nachdem es am morgigen Montag regnen wird, habe ich genug Zeit, zu schrauben und zu putzen.

Am Samstag bin ich dann erstmal mit dem Schnupfen aufgewacht, der sich die ganze Woche über schon angekündigt hatte. Schnupfen heißt im Klartext: langsamer machen. Ich war auch trotz ausreichend Schlaf sowohl am Freitag als auch am Samstag groggy, also spiele ich die nächsten Tage ein bisschen weniger Action-Barbie – und werde generell mein Trainingsvolumen reduzieren. Die Erkenntnis hat mich nicht wie ein Blitzschlag einfach so getroffen, denn ich weiß ja, dass ich viel zu viel mache. Aber der Kausalzusammenhang, dass ich deshalb so langsam bin, weil ich zu viel mache und mein Körper deshalb dauermüde ist, obwohl ich mich nicht müde fühle, ist erst jetzt so langsam in meinem Gehirn angekommen – und so richtig in dem Moment, als ich im Triathlon-Magazin gelesen habe, dass die Agegrouper, die sich für Hawaii qualifiziert haben, im Schnitt meistens nur 15, maximal 20 Stunden pro Woche trainieren. Oha, ich dachte, die würden viel mehr machen.

Also gut, dann probieren wir das mit dem weniger machen mal im Oktober bis zur Leistungsdiagnostik und dann so richtig nach Plan. Das Triathlon-Magazin hat für Oktober auch „Off-Season“ auf dem Plan stehen und ich lasse mir das Jahresabo mit Zugriff auf die Online-Trainingspläne schenken, so dass ich ab November mal mit dem System (… ok, mit ein bisschen mehr, aber längst nicht mehr so viel) starten werde. Und dann mal sehen, ob ich schneller werde.

Eigentlich wäre am Samstag eine schöne lange Tour „wellig in den Norden“ angesetzt gewesen, aber mit dem Schnupfen war klar, dass ich mal lieber langsamer machen sollte. Schwimmen ist bei Schnupfen nicht so ratsam (warum nochmal?), also bin ich ins Gym und habe die oben gezeigte Foltermaschine einmal wieder bedient, bzw. belaufen. Das Ding nennt sich Woodway (das hier sieht so ähnlich aus), wird ohne Strom betrieben und ist ziemlich anstrengend aufgrund der permanenten Steigung, gegen die man anläuft und die das Ding auch antreibt. Im Gegensatz zum normalen Laufband ist der Untergrund auch „weicher“ und somit genau richtig für mich und mein meckerndes Schambein – das fast gar nicht mehr meckert. Nach den Laufübungen auf dem Ding bin ich, na wer ahnt es, genau, wieder auf mein TT.

Ich dachte zuerst, dass mein V650 einen Schuss hat, weil er sich partout geweigert hat, das GPS-Signal zu finden – bis ich dann gesehen habe, dass „Indoor Cycling“ als Profil ausgewählt war. Hoppla. Die zweite Hälfte bin ich also mit Navi gefahren, die erste Hälfte mit einigermaßen passabler Navigation aus dem Gedächtnis heraus flach nach Norden, insgesamt 67 Kilometer. Ich weiß jetzt auch, wie ich mich auf dem Sattel positionieren muss, um mehr Druck auf die Pedale zu bekommen… Aber das bedeutet gleichzeitig mehr Druck in Regionen, die niemals das Licht der Sonne erblicken, also muss ich am Sattel auch noch ein bisschen schrauben (bzw. ihn nur so weit neigen, ohne dass ich dann davon herunterrutsche). Es gab auch wieder PRs und sechs Pokale und ich war happy. So schlimm ist „etwas weniger machen“ zumindest bis jetzt ja gar nicht.

Am Sonntag hätte es gleich zwei tolle Events gegeben: den Langen Lauf von den München-Marathon-Veranstaltern über ca. 34 Kilometer vom Flughafen bis in den Englischen Garten, gekoppelt mit dem LIONS-Monopteros-Charity-Lauf. Dafür war ich angemeldet, aber dafür war mein Schambein definitiv nicht wieder heil genug. Die zweite Veranstaltung wäre ein Social Ride von List and Ride zur Feier der Eröffnung ihres „Experience Centers“ in München gewesen. Auch dafür war ich angemeldet, aber um 8:30 Uhr morgens hätte die Außentemperatur schnuckelige 5°C betragen und… Nein. Nein, nein, nein.

Also haben mein Schnupfen und ich es erstmal langsamer angehen lassen und gewartet, bis die Sonne einigermaßen aufgetaucht war, um dann probeweise mal 10 Kilometer Stammstrecke zu laufen. Und siehe da: Das Schambein hat sich nicht merklich bemerkbar gemacht. Eher noch der, äh… tja, Schneidermuskel oder der gerade Oberschenkelmuskel. Und siehe da zweitens: Obwohl ich fast zwei Wochen nicht gelaufen bin, kann ich es immer noch und sogar mit einer Pace von 5:09, das ist für meine Verhältnisse ja wirklich schnell. Gut, auf Dauer hätte ich die Pace nicht halten können, aber darauf kam es erstmal nicht an.

Zwischendurch habe ich noch ein paar der LäuferInnen vom Monopteroslauf von hinten gesehen, Sport Ruscher war mit einem recht großen Team am Start. Und einen Pokal für ein Brückensegment gab es auch noch. Ich war zutiefst zufrieden und happy, der Marathon am 14.10. steht ja immer noch im Raum. Und dann bin ich beim Nachhausegehen natürlich gleich noch richtig schön umgeknickt mit dem linken Fuß. Tut natürlich hinter dem Knöchel jetzt schön weh, aber es ist nichts geschwollen und ich habe auch kein Schnalzen, Ratschen oder Knallen gehört, also dürfte zumindest nichts durch sein. Bandage an und abwarten. Ich nehme es tatsächlich mit einem entspannten Achselzucken, denn – um meinen Orthopäden aus dem letzten Jahr zu zitieren, der mich wegen meines Schambeins aufmuntern wollte – „Das hält Sie jetzt auf, aber das hält Sie nicht ab.“

Nachdem der Lauf (mit natürlich nicht richtig funktionierender Herzfrequenzmessung) ein schöner Appetizer war, habe ich mir direkt danach noch eine kleine Runde auf dem TT gegönnt. Klein heißt 73 Kilometer und – Trommelwirbel – mein Schnitt betrug trotz inkludiertem Stadtgestöpsel zum allerersten Mal 30,6 km/h! Gut, wir sprechen vom flachen Norden, das muss man dazu sagen, aber 18 Pokale, 1 QOM-Krönchen und PRs, 2. und 3. Plätze sprechen für sich, beziehungsweise für die Power eines TT in Bezug auf Speed im Vergleich mit dem RR in der Ebene. Ich bin total süchtig danach, der Kauf hat sich jetzt schon gelohnt. Kleiner Dämpfer: Insgesamt sind das im Schnitt immer noch nur 157 Watt (laut Strava-Berechnung, ich habe kein Powermeter). Aber es macht einen Höllenspaß!

Ein kleiner Blick auf die Wettervorhersage sagt für die nächsten drei Tage erstmal Regen und/oder Wolken und/oder Sturm voraus, aber spätestens ab Donnerstag wickle ich mich wieder warm ein (diesmal vielleicht sogar mit einer Tight unter der Radhose…) und dann fahren FELT und ich vielleicht auch mal gen Süden. Zumindest in die eher flachen Ecken im Südosten, denn bergab brettern traue ich mich mit dem Ding definitiv noch nicht. Aber die Saison ist ja anscheinend irgendwie immer noch nicht so recht vorbei, also schauen wir mal, was da noch kommt.

Ach ja, Grüße an dieser Stelle noch an die Critical-Mass-RadlerInnen, die ich am Freitag an meiner Ecke noch radelnderweise gesehen habe. Irgendwann fahre ich auch mal mit!

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