Projekt Iron(wo)man. Recap Woche 11: Premiere! Die erste Triathlon-Erfahrung

Eigentlich hatte ich die Hoffnung für meine erste Triathlon-Erfahrung aufgrund der Fußschmerzen schon aufgegeben – und zwar so weit, dass der Titel dieses Blogposts eigentlich „Sieg der Vernunft“ lauten sollte. Aber dann kam einer mit magischen Händen und alles war gut.

Halleluja. Ich fülle gerade meine Energiedepots wieder auf, denn – Zitat eines Mitteilnehmers von vorhin: „Alles wasch Dir heut neiziehst, desch vergelt Dir Gott!“ Heißt im Klartext: Nach dem Wettkampf ist schaufeln erlaubt. Quer durch den Kühlschrank. Mit beiden Händen. Okay, von vorne: Dies ist keine Ode an die Völlerei, sondern mein Blog, in dem ich einmal pro Woche über mein Ziel berichte, einen Langdistanz-Triathlon aus der Ironman-Serie zu finishen. Da ich gerade meine Premiere über die olympische Distanz hatte (eine tolle Triathlon-Erfahrung, aber dazu später mehr), wird es bis zum Ironman noch ein wenig dauern. Zeit genug also, um die restlichen Beiträge aus der Serie zu lesen: Woche 10, Woche 9Woche 8Woche 7,  Woche 6Woche 5Woche 4Woche 3Woche 2Woche 1 und Tag 1. Demnächst muss ich mir mal etwas anderes einfallen lassen, die Liste wird langsam richtig lang.

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So, dann krempeln wir mal die Ärmel hoch und starten den Wochenrückblick. Erst einmal war ich ein wenig negativ verstimmt. Letztes Jahr habe ich – damals ganz stolze Neubesitzerin eines Hardtail-MTBs (die Liebe währte genau eine Saison) – an der Oakley Cycling Session in München teilgenommen, bei der querfeldein eine schöne Runde im Münchner Westen gedreht wurde. Außerdem gab es ein T-Shirt (wohoo). Nun brannte ich natürlich darauf, 2018 mit dem RR teilzunehmen, weil ich solche sinnlosen Massenveranstaltungsabendradfahrtevents großartig finde (man kann dabei so toll Leute beobachten). Aber was macht Oakley? Sie installieren eine „Jury“, um die Mitfahrenden für die Oakley Cycling Tour 2018 „auszuwählen“. Warum das denn?! Der ganze Event war ein Riesenspaß letztes Jahr, davon hätte es gerne mehr geben können! Mensch, ich hatte mich wirklich darauf gefreut, meinen Radlhorizont wieder zu erweitern und mal wieder eine neue Strecke zu fahren! Ich wollte außerdem unbedingt noch ein T-Shirt! #loot #swag. Na gut. Aber eine Querdurchsumlandabseitsgeteerterstraßen-Fahrt gab es diese Woche trotzdem. Außerdem einen Vortriathlonrelaxride, eine Recoveryrollenwillkommenzurückfahrt, viele Schwimmkilometer, Fußuntersuchungsbefundrätselraten und Gymkraftspinningsessions.

Man beachte die Frisur. (#wokeuplikethis)

Fangen wir am Montag an. Der begann nach der 219-Kilometer-Wuchtrunde vergangenen Sonntag erstmal entspannt mit fünf Kilometern im Pool. Ich habe vor jeder Schwimmsession wieder so ein künstlerisch wertvolles Selfie gemacht, aber festgestellt, dass ich von Montag bis Freitag mit dem Fortschreiten der Woche jeden Tag eigentlich nur noch mehr müde & zerstruwwelt aussah, deshalb reicht hier eines stellvertretend für die Woche völlig aus. Glaubt es mir. Wirklich. Dementsprechend haben sich auch die Schwimmstrecken und die Schwimmmotivation verringert: Erst 5, dann 3, dann 2, dann 2,5 (Motivationshoch am Donnerstag?) und dann 1 Kilometer, jeweils gepaart mit Kraul-Springs, Schmetterlingsbahnen und von Mi bis Fr auch Schwimmtechnik, nämlich Scheibenwischer, Entenschwimmen, Kraulbeine, Dreier- und Viereratmung. Ja, es ist natürlich nicht sinnvoll, an fünf aufeinanderfolgenden Tagen früh morgens zu schwimmen. Aber nachdem mein eigentlicher Wochenplan aufgrund des kaputten Fußes über den Haufen geworfen war, bin ich aus Trotz eben fünfmal morgens in den Pool gefallen, anstatt Mo, Mi und Fr (oder Di und Do) ganz früh gleich schön zu laufen. Laufen war nämlich tatsächlich die ganze Woche lang wieder nicht drin – also insgesamt zwei Wochen Laufpause nach dem irrwitzigen (aber geilen) 30-Kilometer-Lauf, den mein linker Fuß nicht so gut verkraftet hat.

Da es am Montag immer noch nicht besser war und mehrere vernünftige Menschen mir zu einem Besuch beim Orthopäden rieten, bin ich mit hängenden Schultern am Dienstag (nach zwei ereignislosen Gym-Trainingstagen mit Schwimmen, Crosstrainer, Spinning-Intervallen und Krafttraining) hingeschlurft und habe meinen Fuß abtasten lassen. Nachdem Voltaren und Ibuprofen nicht geholfen hatten, war ich schon komplett darauf programmiert, dass es wohl eine Stressfraktur im Mittelfuß sein würde und Dr. B. erschien das plausibel genug, dass er mir eine Überweisung für ein MRT des Vor- und Mittelfußes gab. Außerdem hat er mir ein Akupunktur-Tape auf den Vorfuß geklebt. Zwischen der Praxis von Dr. B. und meiner Wohnung liegt eine radiologische Praxis und als ich dort auf gut Glück vorstellig geworden bin, hatten sie tatsächlich für den selben Tag noch einen Termin frei. Wow, da hatte ich wohl ausnahmsweise mal richtig gutes Karma! Beim MRT kam heraus, dass im Bereich des Sichtbaren – Vor- und Mittelfuß – nichts gebrochen, nichts (an)gerissen und auch ansonsten nichts signifikant kaputt ist; allerdings war ein Knochenmarködem an der großen Zehe sichtbar, sowie ein „diskretes Ödem plantarseitig im Niveau des Tarsometatarsalgelenks Digitus 4/5, vereinbar mit Reizzustand“, d.h. eine Flüssigkeitsansammlung an der Fußsohle außen aufgrund von Fehl- oder Überbelastung, die in den Vor- und Mittelfuß schmerzhaft ausstrahlt. Aber: nichts gebrochen, nichts (an)gerissen! Yeah! Aber Nummer zwei: trotzdem Schmerzen. Und dann wieder einmal (wie schon bei Schambein und Rippe): drei verschiedene Arztmeinungen. Der Radiologe, relativ zurückhaltend, der mir den Tri am Sonntag nicht empfohlen hat, da die Ursache des Ödems an der Fußsohle nicht zu erkennen war (klar, der Verdacht lautete ursprünglich ja anders, deshalb keine initiale Indikation dafür, den ganzen Fuß abzulichten, obwohl ich es natürlich schön gefunden hätte…). Dr. B. – mit den absolut besten Diagnose-Sprüchen wie: „Das hält Sie jetzt nicht ab, sondern nur ein bisschen auf“, oder „Na dann wollen wir mal schauen, ob Sie Ihren Wettkampf jetzt machen können oder ob wir das Projekt ein bisschen verschieben“ – hat am Donnerstag die komplette Lauffreigabe gegeben. Dr. E. aus meiner nicht ganz so fernen Heimat (und selbst Langdistanzler) hat hingegen per Ferndiagnose Laufverbot erteilt. Tja. Und ich saß mittendrin und war ratlos – zumindest bis Donnerstagabend.

Zwischendurch aber mal ein kleiner Ausflug in den Rest der Woche, denn mein Fuß kommt sich zwar wichtig vor, ist aber nur Nebendarsteller in einer spannenden Woche gewesen. Zunächst wären da die TRIBE-Bars. Neulich gab es eine Strava-Challenge, bei der man einen Promo-Code für ein Paket mit Tribe-Produkten bekommen konnte. Allerdings funktionierte der Code nicht für Bestellungen außerhalb von UK, deshalb wurde meine Bestellung storniert, ich erhielt einen anderen Code, der funktionierte nicht, dann kam per Strava-Newsletter nochmal ein Code, meine Bestellung ging durch, aber das Shopsystem hat nicht das korrekte Porto berechnet, also hätte ich mehr zahlen sollen und es ging hin und her und her und hin und letztendlich habe ich das Paket mit den Proteinriegeln dann zum Promo-Code-Preis ohne Porto-Aufschlag bekommen. Die Riegel erinnern ein bisschen an Clif Bars, nur ohne Haferflocken, vegan und weniger süß. Geschmacklich sind sie OK, nur die Variante mit Banane ist wirklich ultralecker. Überhaupt bin ich total auf dem Bananen-Trip. In meinem Regenerations-Pampf (?) finden sich neben Beeren oder Ananas auch immer zwei Bananen (plus Vanilla Whey, Leinsamen und was mir sonst noch so einfällt); und neulich habe ich wieder die unfrittierten (!) Bananenchips von Päx bestellt, als sie mal zufällig im Angebot waren und nur teuer statt unverschämt teuer. Die Crunchy Fruits von foodspring sind ebenfalls lecker und nicht frittiert oder gesüßt. Ich warte ja immer noch darauf, dass Dörrwerk auch mal Bananen-Fruchtpapier erfindet, aber aktuell gibt es das wohl noch nicht (Dörrwerk verarbeitet auch „nicht schöne“ Früchte, die sonst weggeschmissen würden).

Am Mittwoch war dann endlich der Superheld A. wieder mit von der Partie, nachdem seine unfallbedingte Verletzung ausgeheilt war. Wir sind in einer kleinen Gruppe eine sehr gemütliche Rollrunde im Süden gefahren und ich weiß nicht, was ich an dem Tag gegessen hatte, aber irgendwas war auf jeden Fall nicht mehr gut und ich hatte die Fahrt über mit Dauerübelkeit zu kämpfen. Keine feine Sache. Ich vermute, es könnte das Glas Rocka Nutrition Smacktastic Cream Milky White gewesen sein, das ich in einem Anflug von frustbedingtem Heißhunger auf Süßes an dem Nachmittag ausgelöffelt habe. Das Zeug hat halb so viele Kalorien wie Nutella und Konsorten, ist ohne Palmöl und hat eine kleine Extraportion Proteine, damit man sich nicht ganz so schuldig dabei vorkommt, wenn man es direkt aus dem Glas löffelt. Problematisch ist eigentlich nur der Ballaststoff Inulin – der kommt auch in den „Diabetikerkartoffeln“ genannten Topinambur-Knollen vor (Grund für die Namensgebung ist der geringere Stärkeanteil). Topinambur geraspelt und im Ofen geröstet mit etwas Öl und Rosmarin schmeckt übrigens wirklich lecker; allerdings verursacht zu viel des Ballaststoffs Inulin eben nicht erwünschte Nebenwirkungen, das bitte vor dem Verzehr beachten. So viel zum Thema gesunde Ernährung in diesem Post, nachher wird es noch ungesund.

Das zweite Bike-Highlight folgte dann am Donnerstag, als ich mit meinem Namensvetter S. (eigentlich sinnlos, den Namen dann noch abzukürzen, aber was soll’s) eine feine, von S. grandios geplante CX-MTB-Runde ab Obermenzing durchs Würmtal und zurück gedreht habe. Mein Crosser Vapor hat sich sichtlich gefreut, dass er auch mal wieder raus durfte (da fällt mir ein, dass ich ihn dringend nächste Woche putzen muss). Die Tour war zwar auf ein Hardtail-MTB ausgelegt, aber bis auf ein paar rutschige Kiesstellen und eine nicht machbare Wurzeltrailstrecke durch ein Waldstück (die S. seit geraumer Zeit endlich einmal ausprobieren wollte – und dann hat es wegen mir wieder nicht geklappt) war alles sehr gut machbar. Genial war an der Tour, dass es endlich einmal wieder nicht über Straßen, sondern über Stock (Stöckchen) und Stein (Steinchen) ging. Das ist ein ganz anderes Gefühl auf dem Rad, auch ohne Singletrails. Zu Beginn habe ich zwar immer instinktiv nach den Straßen Ausschau gehalten, wenn S. etwas sagte wie „Da vorne rechts“, aber irgendwann hatte mein Kopf dann geschnallt, dass dieses Rad auch unbefestigte Wege mag (obwohl ich zugegebenermaßen bei der ersten Fahrt quer durchs Feld ein wenig vorsichtig war, aber jegliche Sorge war unbegründet). Genial war außerdem, dass ich tatsächlich am selben Abend noch einen wunderbaren Muskelkater in den Oberschenkeln hatte – den hatte ich nicht einmal nach der Monsterausfahrt vom Sonntag zuvor! In der RR-Gruppe sprechen Kenner ja auch immer davon, dass die MTBler viel mehr Kraft in den Beinen haben; und jetzt weiß ich auch, warum. Auch wenn ich den CX momentan nicht viel fahre, bin ich dennoch wirklich happy, dass ich ihn noch habe und klaue mir gerade auch fleißig auf Strava CX-Routen von anderen Fahrern zusammen (höhö). S. hat für nächste Woche eine weitere Tour geplant; mal sehen, wie es wettertechnisch aussieht, denn Lust habe ich auf jeden Fall. Bei der Rückfahrt habe ich mich dann allerdings wie immer so richtig verfahren, diesmal im Forstenrieder Park und in Fürstenried/Forstenried – obwohl ich den Weg zurück eigentlich wie ebenfalls immer geplant hatte. Naja, mittlerweile kenne ich wenigstens die besten Möglichkeiten, wie man sich dort verfahren kann. For whatever it’s fucking worth. Vielleicht sollte ich mal therapeutisch zum Kurieren meines fehlerhaften Orientierungssinns einen Tag lang kreuz und quer durch den Park cruisen. Könnte was bringen. Oder auch nicht.

Jetzt machen wir mal wieder kurz den Bogen zu meinem Fuß. Wir erinnern uns: Donnerstag, Diagnose und drei verschiedene Arztmeinungen (plus die von F., von meiner Mama und von allen Leuten, die den Fehler begangen haben, mich nach meinem Fuß zu fragen und von mir gefragt wurden, was sie denn an meiner statt täten – sorry, ich wollte euch nicht vollschwafeln). Erträgt denn meine Leserschaft noch ein paar Sätze zum Fuß? Immerhin habe ich ein paar Mails mit Gutebesserungswünschen und Tipps wie Zink-Lein-Verband bekommen, danke dafür, das war sehr nett und aufmunternd! Jedenfalls habe ich mich am Donnerstagabend in zwei magische Physiotherapeutenhände begeben, die meinem Fuß eine kleine manuelle Lymphdrainage (gegen das Fußsohlenödem) angedeihen ließen und meine Fußsohle ungefähr so wie auf dem Bild links mit Tape versorgt haben. Ich hätte zwar auch ein Foto davon, aber möchte jemand wirklich meine mit hellblauem Tape bedeckte Fußsohle sehen? Ich glaube nicht. Apropos hellblau: Ich wusste bis zu dem Zeitpunkt gar nicht, dass die unterschiedlichen Tape-Farben auch unterschiedlich wirksam sind. Jetzt weiß ich es besser. Bei Amazon Fresh gab es leider nur die Variante in Hellblau, sonst hätte ich wahrscheinlich aus ästhetischen Gründen Schwarz genommen. Beim Dehnen vor dem Tri habe ich einen Mitstreiter getroffen, dessen Sprunggelenk grün einbandagiert war, weil er sich eine Woche zuvor die Außenbänder beim Fußballspielen mit seinem Sohn gerissen hatte. Und er ist trotzdem gestartet. Argh!

Anyways; am Freitag hatte ich dann tatsächlich zum ersten Mal keine Schmerzen mehr im Fuß. Eigentlich war für den Nachmittag eine von mir gepostete RR-Runde in den Osten raus 90km ab Berg am Laim geplant gewesen, aber aus Zeitgründen musste ich die sausen lassen und bin nachmittags nochmal ins Gym für Spinning-Intervalle und einen vorsichtigen Kilometer auf dem Laufband. Weil ich mir immer noch nicht ganz sicher war, ob ich nun Mittelfuß- oder Vorfußläuferin bin, habe ich mich beim Laufen auch gleich mal von der Seite und von hinten aufgenommen. Fazit: Ich weiß es immer noch nicht, mir fehlt der Blick dafür, um es genau zu erkennen. Jedenfalls war dieser eine Kilometer ein Test, ob mein Fuß theoretisch ein bisschen Lauferei schmerzfrei mitmacht; und siehe da, er hat brav seine Arbeit erledigt und nicht wehgetan; auch nicht am Samstagmorgen danach.

Eigentlich müsste das hier ein Foto vom Kuchen-Zwischenstopp auf der RR-München-Tour an den Walchensee sein. Wie man aber unschwer erkennen kann (naja, ich hätte es nicht erkannt), ist das ein Foto vom Undosa am Starnberger See. Denn die RR-Gruppe wäre erst um 11 Uhr aufgebrochen und das war mir als Frühsportlerin erstens zu spät und zweitens war ich gedanklich dann doch irgendwie wieder beim Triathlon, denn mit einem nicht schmerzenden Fuß erschien mir das auf einmal doch wieder machbar. Klar, es ist ja auch total sinnvoll, nach zwei Wochen Zwangslaufpause und ohne Koppeltraining, ohne Freiwasser-Neo-Schwimmtraining einfach mal so aus dem Stegreif einen Triathlon mit olympischer Distanz zu machen, wenn man ihn eigentlich verletzungsbedingt schon komplett abgeschrieben hatte. Aber sinnvoll & vernünftig kann ja jeder. Deshalb bin ich am Samstag erstmal mit F. zu einer sehr, sehr, sehr gemütlichen Runde an den Starnberger See aufgebrochen, mit Kuchenpause in Seeshaupt und Radlerpause am Steg 1.

OK, die Kompressionsstulpe (hätte ja helfen können) habe ich nach der Hälfte der Fahrt dann ausgezogen, weil einseitig pink wirklich doof aussieht und F. sich natürlich köstlich darüber amüsiert hat. Die Enten am See waren auch höchst begeistert von unseren Zwischenstopps, weil ich noch eine Knusperfruchtmischung von Päx dabeihatte und sie verbotenerweise damit gefüttert habe. Eine andere Sorte Ente haben wir auch noch gesehen, nämlich in Form eines Autos, das als Teil eines Fünfergespanns an uns vorbeituckerte. Die Rede ist von Oldtimern, die zum 60-jährigen Jubiläum die Rally-Tour Liège-Brescia-Liège gefahren sind und justament am Samstag München in Richtung Süden passierten. Sehr putzig! Man müsste mal eruieren, ob sich die Strecke auch mit dem RR fahren ließe, im Auto erscheint mir das trotz des historisch-kulturellen Mehrwerts sportlich gesehen ja recht sinnlos. Kurz vor zuhause sind mir dann an der Isar noch ähnlich putzige Gefährte entgegengekommen, nämlich Party-Rikschas mit besoffenen Touristen. Ach ja, München. Nun gut, zurück zum Samstagabend. Ich war immer noch unschlüssig, ob ich den Tri am Sonntag machen sollte, oder ob ich es mangels Lauftraining lieber lassen sollte.

Um mir die Entscheidung zu erleichtern, habe ich einfach mal die Sachen hergerichtet, die ich für den Triathlon so brauchen würde. Mit dabei ist auch mein neuer Tri-Anzug von Alé, der wirklich bombastisch schick aussieht. Man muss dazu sagen, dass mein Spitzname als kleines Kind „Sternchen“ war (damals war ich auch noch blond), deshalb schien mir das ganz gut zu passen und irgendeinen Grund braucht man ja immer, um Geld auszugeben (… das man nicht hat). Als die Sachen dann dort so ausgebreitet lagen, bin ich auf ein Video von einem Triathleten gestoßen, der sich nach einer schweren Halswirbelsäulenverletzung wieder zurück auf die Rennstrecke gekämpft hat: Tim Don – The Man with the Halo. Unglaublich inspirierend. Und ja, natürlich hat mich das dann ein wenig beeinflusst. Ein wenig. Sprich: Ich habe beschlossen, ich mache den Triathlon. Natürlich hätte ich dafür eigentlich wenigstens am Samstag Pause und am Donnerstag / Freitag halbe statt volle Pulle im Training geben müssen. Natürlich hätte ich dafür die ganze Woche über auch viel mehr schlafen müssen. Anders trainieren. Abläufe testen. Nahrungsversorgung im Rennen optimieren. Aber war halt nicht! Mussten eben die Gels und die TRIBE-Riegel reichen, die ich noch hatte! Waren meine Muskeln eben müde statt ausgeruht! Total unvernünftig! Yes! Ich mache das übrigens wirklich nicht mit Absicht – unvernünftig sein, meine ich. Und eigentlich wollte ich meine erste Triathlon-Erfahrung auch besser vorbereitet, besser geplant, besser ausgeruht machen. Hätte, hätte, Fahrradkette, denn dann kam der Fuß und alles kam anders, als ich es geplant hatte. Und es war gut so! Dank tausendundeiner Triathlon-Checkliste von diversen Websites (hihi, „Dächlikappe“) und aus meinem Tri-Special-Magazin hatte ich am Ende auch wirklich, wirklich alles eingepackt (bis auf Sonnencreme, hallo Sonnenbrand im Nacken) und war irgendwie bereit für die olympische Distanz beim 30. Karlsfelder Triathlon. In weiser unvernünftiger Voraussicht hatte ich am Freitag sogar noch ein Startnummernband, Schnellschnürsenkel und ein Chipband fürs Fußgelenk bestellt (Letzteres war unnötig, weil es in Karlsfeld eines zum Chip dazu gab, aber egal).

Zuletzt habe ich am Samstagabend noch meine Nägel in Power Red lackiert den Triathlon-Modus des Polar V800 getestet. Ich wollte wissen, ob der V800 daraus dann eine Einheit für Strava macht, oder ob die einzelnen Disziplinen in Einheiten aufgeteilt werden – und siehe da, sie werden aufgeteilt, so dass man auf Strava eine Schwimm-, eine Rad- und eine Laufeinheit hat. Die Wechselzeiten nimmt der V800 auch mit auf, überträgt sie aber nicht auf Strava. Ich frage mich übrigens, warum man bei Strava nicht „Wettkampf“ als „Art des Schwimmens“ auswählen kann. Hm. Naja, nachdem diese überaus wichtige Sache geklärt war, bin ich einigermaßen früh ins Bett und habe – natürlich – vor Aufregung sauschlecht geschlafen. Ideale Voraussetzungen für den Triathlon. Morgens beim Anziehen ist dann der Reißverschluss meines schicken neuen Alé-Trisuits gerissen. Mein anderer Tri-Suit von CEP lag im Wäschekorb und roch nach Chlor, weil ich damit die Woche über einige Male im Gym geschwommen bin. Außerdem hat der keine Rückentaschen. Ich kann mich nur wiederholen: Ideale Voraussetzungen für den Triathlon. Na gut, schnell für die Rückentaschen noch mein Cube-Trikot eingepackt (das sich natürlich überhaupt nicht fürs Laufen eignet), dann aufs Rad und gemütlich die 17km nach Karlsfeld gerollt. Dort sah es dann um 6:45 Uhr morgens noch relativ entspannt aus:

Ein äußerst spannendes Bild vom Zieleinlauf vor Eintreffen der Menschenmassen.

Ein wunderbares Bild von der Wartereihe zum Rad-Check-In vor Eintreffen der Menschenmassen.

Es lohnt sich eben, früh da zu sein. Ich habe dann ein bisschen gespickt, was die anderen mit ihren Sachen so machen und meine dann analog so sinnvoll wie möglich arrangiert. Meine Startnummer war die 275 und die pinkfarbene Badekappe (die überaus bequem ist) gab es vom Veranstalter.

Natürlich hatte ich dann genug Zeit, um meine Sachen noch dreimal umzuräumen, so dass es am Ende dann so aussah. Um 8:15 Uhr war Wettkampfbesprechung, insgesamt war alles wirklich sehr, sehr gut organisiert und die 1.000 Teilnehmer für Volks- und olympische Distanz haben sich gut verteilt. Um 8:45 Uhr habe ich dann meine Gliedmaßen mit Kokosöl eingerieben (ich hatte kein Babyöl mehr – hoffentlich ist Kokosöl unbedenklich für das Neopren…) und mich in meinen Neoprenanzug verpackt. Da ich ihn in den letzten Wochen nicht mehr angehabt hatte, hätte das auch mächtig schiefgehen können – was, wenn ich unerwarteterweise vom Radeln so muskulöse Oberschenkel bekommen hätte, dass er nicht mehr zugegangen wäre? Gut, dann hätte ich auch ohne Neo schwimmen können, denn die Wassertemperatur war mit 20,5 Grad wirklich sehr, sehr angenehm! Das war im Vorfeld ja eine meiner größten Ängste gewesen: Kälteschock im Wasser. Was dann allerdings wirklich schiefgegangen ist, ist meine Performance mit dem Neo. Ich wage es kaum zu sagen, aber ich hatte den Neo falschherum an. Ich weiß nicht, ob es irgendwie noch peinlicher geht. Ich meine übrigens nicht von innen nach außen gestülpt, sondern mit dem Zip nach vorne – weil ich der festen Überzeugung war, dass mein Neo einen Frontzip hat. Wie sonst kein anderer Neo. Ja, so viel dann dazu. Oh Gott. Eigentlich müsste ich standesrechtlich jetzt dieses Blog begraben und dürfte nie wieder einen Triathlon machen, weil das wirklich, wirklich peinlich ist. Noch schlimmer ist, dass mich drei Leute darauf angesprochen haben und ich freundlich lächelnd sagte, dass mein Neo einen Frontzip hat. Ich bin wirklich versucht, diesen Absatz zu löschen, aber ganz ehrlich: Zu einer Triathlon-Erfahrung gehört eben auch ein solcher Quatsch; außerdem wird mir das jetzt garantiert absolut nie wieder passieren.

Okay, jetzt zum eigentlichen Wettbewerb. 9:05 Uhr: Startschuss für die Gruppe mit der pinkfarbenen Badekappe. Das Schwimmen war ein Albtraum. Nicht wegen des falsch angezogenen Neos (der Neo hat mich tatsächlich gerettet), nicht wegen des Freiwassers (ein See ist halt ein See), nicht wegen der Herausforderung, 1,5km ohne zwischendurch-am-Beckenrand-abstoßen zu schwimmen – sondern wegen der vielen Leute! Ich bekam zu Beginn andauernd irgendwelche Gliedmaßen und haufenweise Wasser ins Gesicht. Mein Puls war fast sofort auf über 150, ich hatte Panik, konnte nicht atmen, geschweige denn ordentlich kraulen. V. hatte bei ihrem ersten Tri ein ähnliches Erlebnis und sagte mir, sie sei dann erst einmal Brust geschwommen, um sich zu beruhigen. Natürlich hatte ich das Brustschwimmen komplett vernachlässigt, aber mir blieb in dem Moment keine andere Wahl, wenn ich irgendwie weitermachen wollte. Und hier hat der Neo mir wirklich den Arsch gerettet: Der zusätzliche Auftrieb hat dafür gesorgt, dass ich einigermaßen stabil im Wasser lag und Zug für Zug vorangekommen bin, als die wilde Horde an mir vorbeigeprescht war. Zwischendurch bin ich immer wieder auf Kraulschwimmen umgestiegen – allerdings langsam und mit dem Kopf über Wasser. Von dem vielen Kopfdrehen ist mir dann wieder schwindlig geworden und ich bin auf Brust umgestiegen; und so ging es dann hin und her über 1.500 Meter. Tröstlich war übrigens, dass auch andere Schwimmer neben und hinter mir dasselbe Problem hatten. Außerdem war dann viel auch Kopfsache – sich einfach zu sagen: Das ist Deine erste Triathlon-Erfahrung, solche Situationen haben die meisten durchgemacht, Du packst das schon. Ich bin wirklich dankbar für meine auf Durchhalten programmiertes Nerven.

Eine halbe Ewigkeit (aka 40 Minuten) später bin ich dann aus dem Wasser gewankt, vor Schwindel beinahe nach hinten umgefallen und brauchte erstmal zwei Minuten auf dem Weg vom See zum Rad, um wieder zu Sinnen zu kommen. Raus aus dem Neo, Socken und Schuhe an, Gel reingepfiffen (das „Glücksgel“ von F., bestes Gel überhaupt, natürlich eins von Ultrasport), Brille, Cinelli-Cap (wenn ich schon langsam bin, dann will ich dabei wenigstens gut aussehen!) und Helm (der schwarze Giro-Helm von A.) aufgesetzt und mit dem Rad aus der Wechselzone, äh, gegangen. Ich wäre gerne gelaufen, aber die Cleats an meinen Schuhen stehen hervor und sind nicht in die Sohle integriert, deshalb konnte ich nur gehen. Man durfte die Schuhe auch nicht in der Wechselzone einklicken oder später anziehen; man musste sie am Radstellplatz anziehen und damit loslaufen. Also insgesamt habe ich gut drei Minuten in der Wechselzone verschwendet (… und mir vorhin erstmal richtige Triathlon-Schuhe bestellt…). Am Beginn der Radstrecke standen schon jubelnde Karlsfelder, das gab einen richtig tollen Motivationskick – und dann war alles auf dem Rad erstmal wirklich easy. Ich habe meinen Puls erfolgreich von über 150 auf unter 140 gebracht und bin die gesamten 46,7km in meiner Geschwindigkeit mit einem Schnitt von 29,3 gefahren. An einer Stelle war nicht ganz klar, wo es weitergeht, aber das hat nur ein paar Sekunden gekostet. Meine Bedenken hinsichtlich des Windschattenfahrens waren auch unbegründet, weil das Feld im hinteren Drittel (wo ich eben auch war) so luftig war, dass keine Gefahr bestand, im Windschatten zu fahren. Ich habe ein paar Fahrer überholt, bin ein paarmal überholt worden (auch von Fahrern der Volksdistanz, die direkt nach uns gestartet sind, aber das war mir dann auch egal). Es wurde allerdings im Verlauf der Fahrt richtig, richtig heiß (ich glaube, wir hatten stellenweise fast 30 Grad) und ich habe gegen Ende gemerkt, dass mein Kreislauf nicht ganz so glücklich damit ist.

Zweiter Wechsel – langsam zum Radstellplatz trippeln (grr, die Schuhe) schnell das Rad aufhängen, Cap und Helm ab, Gel reinpfeifen, nochmal was trinken, Schuhe an (das Schnellschnürsystem ist großartig) und dann los. Ich bin zusammen mit vier anderen auf die Laufstrecke und habe aber schon beim Verlassen der Wechselzone gemerkt, dass mein Kreislauf irgendwie nicht so happy war. Meine Beine waren völlig in Ordnung (der CEP-Tri-Suit hat Kompressionseinsätze an den Oberschenkeln und die bringen wirklich etwas – dafür ist das Polster ziemlich bescheiden, das ist bei Alé besser), sowohl die Oberschenkel als auch die Waden und sogar mein Fuß hat nicht einen Mucks gemacht – aber mein Kreislauf wollte eben nicht so, wie ich wollte. Bei der ersten Verpflegungsstation habe ich dann auch den Fehler gemacht, nicht anzuhalten, sondern mir den Becher im Laufen ins Gesicht zu schütten – sehr sinnvoll, hätte man auch alles vorher üben können. Mir blieb dann leider nur eine einzige Möglichkeit: Gehpausen einlegen. Also habe ich die wahrscheinlich langsamsten 10 Kilometer meiner ganzen Laufgeschichte halb gehend und halb laufend in einer Stunde und ein paar Minuten absolviert. Das sieht auf Strava auch sehr witzig aus, ein richtig schön wellenförmiges Pace-Profil. Der Lauf hat sich dann natürlich entsprechend gezogen – vor allem war es eine Strecke mit zwei Runden, bzw. einer Runde für die Volksdistanz, so dass auch bei meinem zweiten Durchgang noch sehr viel los war. Viele sind zwischendurch gegangen, man hat wirklich gemerkt, dass die Hitze ihren Tribut fordert – und rund ein Dutzend Teilnehmer von der olympischen Distanz war sogar noch hinter mir. An der letzten Verpflegungsstation habe ich dann von den Kids eine ganz besondere Wasserdusche bekommen, als sie mich mit Wasserbechern einmal übergossen haben. Das war klasse! Überhaupt war die Stimmung auf der Laufstrecke genial, jede Menge Anfeuerung durch Anwohner und freundliche Streckenposten. Der Zieleinlauf ins Stadion war auch schön, der Moderator hat jeden persönlich begrüßt und ich bin trotz allem mit einem fetten Grinsen ins Ziel gelaufen. Ich hätte auch beinahe vor Freude geweint, aber dann habe ich es aufgrund des Salzverlustes wie beim Halbmarathon gelassen und mich stattdessen am Kuchenbüffet gütlich getan (das war dann der Bogen zur Völlerei vom Beginn des Posts und ja, es war sehr geil). Erstaunlicherweise ging das Laufen dank der Gehpausen dann auch immer wieder – ganz ohne Musik, ganz ohne Trinkrucksack und immer in dem Wissen, dass man ganz weit abgeschlagen ganz hinten ist – aber ich habe gefinisht und ich bin nicht Letzte geworden. Ich bin beim Schwimmen nicht ersoffen, hatte beim Radfahren keinen Platten und habe mir beim Laufen nicht die Füße gebrochen. Ich verbuche diese Triathlon-Erfahrung – die Premiere – also als einen vollen Erfolg.

Die erste Triathlon-Erfahrung ist überstanden

Außerdem konnte ich am Ende immer noch richtig fett grinsen, also kann es so schlimm gar nicht gewesen sein. Und ich muss gestehen: Ich habe Blut geleckt. Am liebsten würde ich mich gleich für den nächsten Tri anmelden (Ende August in München) – und nächstes Jahr auf jeden Fall dann den Triathlon.de-Cup und Erding. Aber jetzt warten wir erst einmal ab, wie die Planung für die nächsten Wochen aussieht. Eines steht aber fest: Morgen ist Sportpause, diesmal habe ich sogar richtig Lust darauf!

PS: Hier noch die Wochenübersicht; das Sternchen steht für Laufband-Laufen oder Spinning und Other heißt meistens Crosstrainer / Dehnen.

Bike Run Swim Strength Other
Mo ••
Di ** ••
Mi ••
Do ••
Fr **
Sa ••
So

 

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