Manuela Martin (2014), München Hauptbahnhof

Blog_2015_04_01

Als Amateur-Fotomodell stehe ich seit 2009 ab und an vor der Kamera. Dabei interessiert es mich nicht, besonders attraktiv rüberzukommen, sondern vielmehr zu sehen, wie der jeweilige Fotograf seinen persönlichen Stil auf mich anwendet, mich dadurch verändert und zum Teil seines Werks macht. Ich hatte einige Shootings, bei denen die Künstler hinter der Linse vor allem auf eine weiche, weibliche Inszenierung Wert legten; bei Manuela Martin, für die ich im Sommer 2014 am Münchner Hauptbahnhof Modell stehen durfte, ist genau das Gegenteil der Fall: Die Bilder sind hart, kantig, körnig.

Ihr Stil ist in seinem Kontrastreichtum ehrlich, schonungslos, sehr urban (sie fotografiert auch viel Architektur), aber durchaus auch weltanschaulich (so wie z.B. ihre Bilder aus Vietnam oder Myanmar). Ihr Fotostream auf Flickr ist eine Farbexplosion in Schwarzweiß; so paradox das klingen mag, so wahr ist es doch. Nie zuvor habe ich so viele verschiedene Nuancen, Weiß-, Grau- und Schwarztöne auf Bildern gesehen, die gleichzeitig laut und ruhig sind, Subjekten enorme Präsenz ermöglichen und Harmonie durch Härte kreieren. Nachfolgend eine Auswahl der Bilder. Die letzten drei sind von mir mit Pinsel und Stift nachbearbeitete Ausdrucke, auf denen ich mich mit den Kontrasten auseinandersetze.

Vielen aus meinem nahen Umfeld haben sie nicht gefallen, weil sie mich so stark kontrastiert zeigen. Aber ich bin auch nicht das Zentrum, sondern nur ein Teil der Komposition einer künstlerisch anspruchsvollen Bilderserie. Fotos von sich machen zu lassen ist auch etwas anderes als Fotos mit sich machen zu lassen – im Sinne von: Ich lasse etwas mit mir geschehen, gebe die Kontrolle über die Komposition ab, lege sie in fremde Hände und vertraue auf das künstlerische Gespür des Fotografen. Ich bin von Manuelas Fotos begeistert und sage vielen Dank für das tolle Shooting.

 

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